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Das Pfrontner Schalenggen-Rennen

Aus dem Nähkästchen der Originalen

Es ist ein wahrlich einzigartiges Schauspiel, das sich den Besuchern bietet, wenn sich die wagemutigen und tollkühnen Fahrer mit ihren Schlitten den steilen Hang hinunterstürzen. Seit nunmehr über dreißig Jahren gilt das „Pfrontar SchalenggarRennen“ weit über die Landesgrenzen hinaus als Spektakel der ganz besonderen Art. Immer wieder musste das Rennen in den vergangenen Jahren aufgrund von Schneemangel abgesagt werden. Umso mehr steht dieses Datum für Viele als absoluter Pflichttermin fest im Kalender.

Gespannt warten die Zuschauer aber nicht nur auf die Teilnehmer des Rennens. Vor allem die sogenannten „Originalen“ gelten als traditioneller Höhepunkt. Denn genauso wie es in früheren Zeiten üblich war, starten die Originalen in alten Gewändern, ihre Schlitten sind mit Heu oder Brennholz voll beladen. Beim Zusehen wird schnell klar, wie mühsam diese Arbeit damals gewesen ist. Immerhin sind die hölzernen Hörnerschlitten etwa fünfzehn Kilo schwer und werden völlig ohne Lenkhilfen und Bremsen gefahren. Von Anfang an dabei gewesen ist auch der Pfrontener Manfred Osterried, der seine Schlitten, wie wenige andere auch, seit Jahren selber herstellt. „Dazu braucht man vier verschiedene Hölzer“, erklärt er. „Ahorn, Esche, Buche und Fichte.“ So nimmt man Ahorn für die Kufen, Esche für die tragenden Teile oder Buche für die Sitz- und Ladefläche, eben je nach Elastizität und Stabilität des Holzes. Gelernt hat er dieses Handwerk nicht, sagt er. „Ich habe vor langer Zeit einfach versucht einen originalen Schalenggen nachzubauen. Schon der Stamm, aus dem man die Kufenteile herstellt, muss leicht gebogen sein. Da wird dann noch ein Stück angefügt.“ Gut 50 bis 70 Stunden Arbeit stecken insgesamt in einem Schlitten. In seinem Schuppen stehen mittlerweile vier davon.

Der Genuss der „Originalen“ beginnt schon vorher

Auch für seine Kinder, die beide schon mehrfach beim Rennen teilgenommen haben, hat Osterried bereits Schalenggen gebaut. Seine eigene Bestplatzierung war einmal der sechste Rang. Als „Originaler“ fährt er aber schon seit langem nicht mehr um die Zeit, sondern eher der Nostalgie wegen. Mit auf dem Schlitten sitzt dabei sein Freund und Schalenggen-Partner Max Freiding. „Ich bin aber nur das Gewicht hintendrauf und der Bremser“, lacht er. „Lenken und steuern muss der Manfred.“ Als Mitglieder im Kappeler-Schalenggen-Verein sind sie auch dabei, wenn die Bahn in den Tagen zuvor getreten und präpariert wird. Die eigentliche Fahrt für die Originalen beginnt am Renntag allerdings nicht am Start selbst, sondern schon weit zuvor. Denn die „Alten Herren“, unter denen aber mittlerweile auch schon Nachwuchs zu finden ist, starten von ganz oben am Berg. „Dort werden zuerst die Schalenggen mit Heu oder Holz beladen“, sagt Max. „Das machen wir in aller Ruhe und mit viel Gemütlichkeit. Nach einer Brotzeit fahren wir dann das erste Stück runter.“ „Das ist ein echter Genuss für uns“, ergänzt Manfred Osterried. „Weitab vom Trubel der Menschen, die unten auf uns warten.“ Über 200 Herren- und Damenteams gehen jedes Jahr beim Pfrontar Schalenggenrennen an den Start. Die zweiköpfigen Mannschaften sind hochkonzentriert und geben ihr Bestes, wenn sie sich in die Bahn stürzen. Mit einem halsbrecherischen Tempo geht es dann abwärts, um die rund einen Kilometer lange Strecke mit etwa 200 Höhenmetern zu bewältigen. Verletzungen und Blessuren bleiben dabei nicht aus, denn dass die Schlitten umkippen oder aus der Bahn geraten, ist nichts Ungewöhnliches. Es ist eine Herausforderung, der sich sogar Teilnehmer aus benachbarten Ländern wie Spanien, Holland oder den USA stellen. „Auch einen Japaner hatten wir schon einmal dabei“, lacht Max Freiding. Immerhin bekommt der Teilnehmer mit der weitesten Angereiste auch noch einen zusätzlichen Pokal überreicht.

Info:
Das Schalenggar-Rennen findet am 2. März um 12 Uhr in Pfronten Kappel statt. Gefeiert wird bis Mitternacht im Partyzelt. Anmeldungen bis zum 24. Februar unter www.kappelar-schalenggar.de. Weitere Infos bei Hanne Allgayer, Telefon 08362 / 5146.

Bilder vom letzten Jahr unter Geblitzt

Text: Lars Peter Schwarz
Foto: Hubert Riegger

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