GesundheitLeben

Halsschmerzen und Heiserkeit natürlich lindern

Schmerzen im Rachenbereich sind sehr unangenehm, eine raue Stimme, Hustenreiz oder Kratzen im Hals sind die Begleiterscheinungen. Um diese zu beseitigen helfen uns u.a. Naturheilmittel, die eine lange Tradition haben, aber nichtsdestotrotz auch heute noch echte „Dauerbrenner“ sind. Allen voran geht sicherlich der

Salbei (Salvia officinalis)

Wohl der Klassiker unter den „Halsheilpflanzen“! Das Kraut aus der Familie der Lippenblütler hatte im Laufe der Jahrhunderte aber noch etliche andere Anwendungsgebiete: Salbeiblätter galten in der Antike als Sinnbild für das ewige Leben. Um sie ranken sich aber auch viel Aberglauben und manche Volksweisheit. So sollte das Salbeiöl im Stande sein, einer Liebesnacht einen Hauch von Leidenschaft zu geben. Salbei mit sich geführt, sollte vor Dämonen und Liebeszauber schützen. Sprüche waren im Umlauf wie: „Treibt der Salbei üppig aus, herrscht der Mann nicht mehr im Haus“. Die Schüler der großen Philosophen der Antike kauten während der Vorlesungen Salbeiblätter, denn: „Das Kraut erfrische den Geist, es verhelfe zu Weisheit, Zufriedenheit und zur Erkenntnis dessen, was die Welt zusammen hält“. Hippokrates (400 v. Chr.) nannte als Anwendungsgebiete: Wundkraut, Hilfe bei Gebärmuttererkrankungen sowie Blähungen. Bei den Römern wurde der Salbei als blutstillendes, harntreibendes, menstruationsförderndes und allgemein stärkendes Mittel verwendet. Sie sprachen vom „herba sacra“, dem heiligem Kraut. Die Benediktiner brachten die Salbeipflanze wohl schon im 6. Jhd. nach Mitteleuropa und bauten sie in ihren Klostergärten an und Karl der Große riet, sie an der günstigsten Stelle des Gartens zu ziehen. Aus den Klöstern fand der Salbei bald Eingang in die Bauerngärten, nicht nur als Heilpflanze, sondern auch als Gewürz und Lockpflanze für Bienen.

Hildegard von Bingen bevorzugte ihn bei Atemgeruch, Verschleimung durch Umweltgifte, Diätfehlern, Infektionskrankheiten, Magengeschwüren und Blutbrechen. Heutzutage wird er traditionell verwendet bei Heiserkeit und Halsschmerzen, beruhigt entzündetes Zahnfleisch und kann gegen übermäßiges Schwitzen helfen.

Arzneilich wirksam sind die Blätter. Sie bestehen zu 1-2,5 % aus ätherischem Öl, das sich hauptsächlich aus den Substanzen Thujon und Kampfer zusammensetzt. Daneben kommen auch noch Gerbstoffe vor und Bitterstoffe wie Carnesol verursachen den leicht herben Geschmack. Das Zusammenspiel dieser Stoffe ist für die verschiedenen Wirkungen verantwortlich: so bewirkt das ätherische Öl, dass sich die Krankheitserreger nicht weiter vermehren können, die in den Blättern enthaltenen Lamiaceengerbstoffe ziehen sozusagen die Schleimhaut in Mund und Rachen zusammen. Dadurch wird diese erstens undurchlässiger für Viren und Bakterien und zweitens beruhigt sich die gereizte Oberfläche. Drittens verschließen sich kleine Wunden am Zahnfleisch besser. Sie können Salbeitee trinken, damit gurgeln oder bei entzündetem Zahnfleisch mit speziellen Lösungen verdünnt die betreffenden Stellen betupfen oder den Mund ausspülen. Pures Salbeiöl ist nicht empfehlenswert, da Haut und Schleimhäute stark gereizt werden können. Den Tee sollten Sie nicht über längere Zeit trinken, nur so lange Sie erkältet sind und Sie Hals-Rachen-Beschwerden haben, denn der Gehalt an des Wirkstoffes Thujon kann, wenn er in zu großen Mengen aufgenommen wird, Vergiftungserscheinungen hervorrufen.

Deswegen ist Salbei auch nicht für Kleinkinder, Schwangere und Stillende empfohlen. Ausnahme sind Mütter, die abstillen möchten: nach dem traditionellem Verständnis soll der Tee die Milchbildung vermindern.

Nun zu einer der Heilpflanzen des Jahres 2018 – und das wirklich nicht zu Unrecht:

Ingwer (Zingiber officinale)

Die Ingwerwurzel wird wohl seit über 4000 Jahren als Heil- oder Würzpflanze verwendet. Es wird vermutet, das sie ihren Ursprung in Indonesien hat. Nach Europa gelangte er höchstwahrscheinlich durch Alexander den Großen, der die Knolle von seinen Feldzügen aus Ägypten und Indien mit nach Griechenland brachte. In Europa geriet der Ingwer lange Zeit in Vergessenheit und kam erst in den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts durch die vielen asiatischen Restaurants zu einem Comeback, denn hier wurde er nach wie vor viel verwendet. Vor allem wegen seiner heilenden und lindernden Wirkung bei zahlreichen Krankheiten ist er mittlerweile sehr beliebt. Zu den wichtigsten Substanzen zählen u. a. Vitamin C, B-Vitamine und die Mineralstoffe Eisen, Magnesium, Calcium, Kalium und Phosphor. Außerdem zahlreiche ätherische Öle sowie die Scharfstoffe Gingerol und Shogaol. Sie hemmen im Körper Enzyme, die bei der Entstehung von Entzündungen und Schmerz eine Rolle spielen. Die Scharfstoffe, allen voran das Gingerol machen warm und feuern den Stoffwechsel an. Die Schleimhäute werden bessern durchblutet, die lokalen Abwehrkräfte aktiviert. So hilft Ingwer gegen die für Erkältung typischen Entzündungsprozesse, etwa in den Nasennebenhöhlen oder bei Bronchitis und Halsschmerzen. Aber auch bei Magenbeschwerden wirken die ätherischen Öle in der Knolle – ideal bei Reise- oder Schwangerschaftsübelkeit. Wer zu Verstopfung neigt, sollte ebenfalls oft mit Ingwer würzen, er regt die Verdauung an und soll sogar die Fettverbrennung anregen.

Ist die Stimme „gestresst“, sprich, sie bleibt so langsam weg, z.B. aufgrund kalter Temperaturen oder trockener Heizungsluft, helfen Pastillen mit Hyaluronsäure, um den trockenen Mund und Rachen wieder zu befeuchten. Diesen Wirkstoff, ursprünglicherweise aus Hahnenkämmen, heute biotechnologisch gewonnen, kennen wir Frauen eher aus Feuchtigkeitscremes, um die Haut glatt und weich zu erhalten. Aber genau deshalb ist dieser Wirkstoff auch ideal für den trockenen Mund und Rachen. Während des Lutschens entsteht ein sogenannter Hydrokomplex, der sich wie ein Schutzfilm über die strapazierten Schleimhäute legt. So bleiben die Stimmbänder, der Mundraum und die Rachenschleimhaut feucht und gesund.

Die Heilige Hildegard von Bingen empfiehlt uns übrigens ihre sog. „Stimmkräuter“, eine Mischung aus Fenchel- und Königskerzenkraut, die mit Wein aufgekocht und schluckweise warm getrunken wird, ein ganz bewährtes Mittel bei Heiserkeit, rauher Simme und Kehlkopfentzündung, das nicht nur Redner und Sänger besonders schätzen und das innerhalb weniger Tage hervorragend hilft, sogar bei akutem Stimmverlust.
Bleiben Sie „halsfit“.

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

Verwandte Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Dich auch interessieren

Close
Back to top button
Do NOT follow this link or you will be banned from the site!
Close