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Füssener Faschingsverein vor dem Aus

Verein bestreitet wohl letzte offizielle Saison.

„Vorsicht, Stadt Füssen, er ist erwacht! Er geht wieder um – der Muckl – bei Nacht. Und auch am Tag steigt er auf`s Dach. Pass auf, lieber Füssner, er ist wieder wach!“ So steht es geschrieben. Allerdings wird der Muckl in den nächsten Jahren wohl nicht mehr erwachen, sondern eher auf unabsehbare Zeit schlafen. Denn bereits jetzt steht fest, dass sich der Verein wohl auflösen wird. „Es finden sich leider keine Nachfolger, die ab dem nächsten Jahr die einzelnen Positionen im Vorstand übernehmen wollen“, sagt der Vorsitzende Roland Berkmüller, der dieses Amt 2011 übernommen hat. „Außerdem macht uns das geltende Vereinsrecht das Leben sehr schwer. Das alles ist heutzutage mit sehr viel Zeitaufwand verbunden, der auf wenige Personen verteilt ist.“ Noch vor wenigen Jahren hatte sich der Verein mit einer neuen Jugendabteilung etwas verjüngt und neue Hoffnungen geschürt. Dennoch soll dies nun alles der Geschichte angehören. „Die Mitglieder wurden darüber bereits informiert. Bei der nächsten Mitgliederversammlung wird also der Antrag auf Liquidierung des Vereins auf der Tagesordnung stehen.“ Rund fünfzig Mitglieder hat der Verein insgesamt.

Immerhin können die Jecken auf über ein Dutzend durchaus närrische und erfolgreiche Jahre zurückblicken. Gegründet wurde der Füssener Faschingsverein bereits 2005. Es gelang der Zunft auch eigene Akzente zu setzen. So hatte man sich damals zwar sehr schnell vom klassischen karnevalistischen Dreigestirn der Anfangsjahre verabschiedet, dafür aber – nachdem für Füssen auch kein Prinzenpaar in Frage kam – mit dem sogenannten „Muckl“ eine Art Kobold als Alleinstellungsmerkmal erschaffen. Zur Eröffnung zogen die Narren fortan immer am 11.11. um 19.11 Uhr mit einem feierlichen Fackelzug in und um den Füssener Baumgarten. Legendär sind auch die vom Verein veranstalteten Nachtumzüge durch Füssens Altstadt,

sowie der jährliche Kinderfasching im Soldatenheim. Auch im US-amerikanischen Bundesstaat Georgia hat die Nachricht für Ernüchterung gesorgt. Aus der bereits seit 1978 bestehenden Städtefreundschaft der Schindauer mit der Stadt Helen war längst eine sehr intensive Freundschaft entstanden. Beim jährlichen Oktoberfest in Helen wirkten regelmäßig Musiker aus Füssen mit, im Gegenzug besuchten Mitglieder des Faschingsvereins Helen die Freunde in der Lechstadt.

So ganz vorbei sein soll es aber auch nicht wirklich. „Den Nachtumzug, wie auch den Kinderfasching im Haus der Gebirgsjäger, wollen wir trotzdem versuchen weiterhin durchzuführen, wenn es sein muss auch ohne Verein“, erklärt Berkmüller. Allein für dieses Jahr haben sich schon wieder 14 Gruppen angemeldet, die unter anderem aus der Region Augsburg, Günzburg oder bis aus dem Schwäbischen Raum nach Füssen kommen. „Aus Helen erwarten wir diesmal sogar eine rund 35-köpfige Delegation. Absagen können wir den Umzug für dieses Jahr gar nicht mehr.“ So wird sich der Zug wie gewohnt am Rußigen Freitagabend von der Morisse aus über die Ritter- und Reichenstraße bis hin zum Schrannenplatz ziehen. „Dort wollen wir dann mit einer großen Party den Abend ausklingen lassen“, so Berkmüller. „Bevor sich der Muckl dann wieder hinlegt, wer weiß für wie lang.“

Text: Lars Peter Schwarz · Foto: Hubert Riegger

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