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Investition in Ausbildung

Seit 108 Jahren gibt es das Unternehmen Max Doser Haustechnik in Füssen. Ein mittelständisches Unternehmen mit 50 Mitarbeitern, das nicht nur die traditionellen Werte vertritt, sondern sich auch mit den modernen marktwirtschaftlichen Instrumenten sehr gut auskennt.

Die Firma betreibt seit vielen Jahren ein gezieltes Ausbildungsmarketing. Es ist eine Strategie, um mit Hilfe verschiedener Instrumente und Aktivitäten gute Auszubildende zu gewinnen und an das Unternehmen zu binden. Die Zeiten, als Unternehmen von Bewerbungen geflutet wurden, sind längst Vergangenheit. Die Firma Max Doser stellt jedes Jahr zwei bis drei Ausbildungsplätze zur Verfügung. Dabei profitieren die Azubis von der Größe des Betriebes, der sowohl kleine aber auch große Anlagen baut. Hier wird ihnen nicht nur modernste Technik vermittelt, sondern auch viel Wissen und Erfahrung. Jürgen Doser, Ingenieur für Versorgungstechnik und Geschäftsführer des Unternehmens, sprach mit Füssen aktuell über sein Unternehmen und seine Auszubildenden.

Herr Doser, die Zeiten haben sich geändert, früher gab es noch Auszubildende wie Sand am Meer. Übertreibe ich mit dieser Äußerung oder stimmen Sie mir zu?

Nicht zu 100%. Tatsächlich gibt es in Deutschland mehr Bewerber als Ausbildungsplätze. Trotzdem sind nicht alle Lehrplätze besetzt, weil es da noch ein anderes Problem gibt. Die Marktanalysten nennen es „Passungsprobleme“ zwischen Betrieb und Bewerber. Da passt der Ort, die Noten oder ganz banal ausgedrückt die Chemie nicht.

Sie haben diesem Trend mit der Suche nach Auszubildenden entgegengewirkt. Wie?

Heute nennt man das Ausbildungsmarketing. Ich nenne es so: Die enge Verbindung zur Region und zu unseren Mitarbeitern ist unsere beste Vermarktung. Im Grunde genommen machen wir nichts anderes, als uns so darzustellen, wie wir sind. Wir haben Interesse an allem was uns betrifft, Menschen, Region, Vereine, Politik… Das ist unser Lebens-Mittelpunkt, was allerdings nicht bedeutet, dass wir nicht über den Tellerrand schauen. Die jungen Menschen wollen einen zuverlässigen Partner haben, der sie fördert und fordert und ihnen nach der Ausbildung eine echte Perspektive bietet.

Ich nenne das Akquise durch das Vorleben von traditionellen Wertevorstellungen.

Im Grunde genommen ist es auch belanglos, wie man das nennt. Die gesellschaftliche Struktur hat sich sehr gewandelt, was dazu führt, dass immer mehr Jugendliche nach Beständigkeit und Verbindlichkeit suchen. Sie wissen ganz genau, was sie wollen und was nicht. Sie möchten in ihren eventuellen, zukünftigen Beruf reinschnuppern und so viele Informationen wie nur möglich sammeln. Und genau da beginnt schon unsere Arbeit, nämlich die, ihnen genau das zu vermitteln, was sie für ihre Entscheidung brauchen, um vielleicht ein Teil unseres Teams zu werden. Wir nehmen uns die Zeit für sie und stellen deshalb nur eine begrenzte Anzahl von Praktikanten gleichzeitig ein.

Sind die Anforderungen einer Ausbildung gestiegen?

Definitiv ja und deshalb haben wir alle eine Verantwortung, gute Fachkräfte auszubilden. Kundenorientierung ist für einen Dienstleister neben fachlicher Kompetenz das wichtigste – und genau das müssen wir den Lehrlingen vermitteln. Mit dieser intensiven Ausbildung erhält der Auszubildende die Chance, frühzeitig Verantwortung zu übernehmen. Im zweiten Lehrjahr sind sie soweit, dass sie auf der Baustelle ihr eigener Chef sind und vorausschauend, wirtschaftlich und verantwortungsvoll handeln. Dadurch bekommen sie mehr Kompetenz und können auf Augenhöhe mitarbeiten.

Wie viele Lehrlinge bilden Sie jährlich aus?

Zwischen zwei und drei im Jahr. Das sind im Durchschnitt zwischen sieben und neun Auszubildende verschiedener Lehrjahre, die wir im Betrieb haben.

Das bedeutet allerdings auch, dass Sie kontinuierlich wachsen.

Nein, nicht unbedingt. Unser Ziel ist es nicht quantitativ sondern qualitativ zu wachsen. Wir setzen auf die Stärkung der regionalen Wirtschaft und hochwertige Produkte. Unser Slogan heißt auch „der Umwelt zuliebe“ und das nehmen wir ernst. Die Unternehmenskultur „schneller, weiter, höher“ trifft bei uns nicht zu.

Wenn Sie von Umwelt sprechen, wie sieht die Heizung der Zukunft aus?

Die Heizung der Zukunft wird zunehmend mehr regenerative Anteile haben, um fossile Brennstoffe zu reduzieren. Gleichzeitig werden im Zeitalter der Digitalisierung die Anlagen immer effizienter. Somit kann der Energieverbrauch besser und exakter angepasst werden.

Der Wärmemarkt ist mit über 40 Prozent Anteil weltweit der größte Energieverbraucher, er liefert zugleich ein riesiges Einsparpotenzial. Wie können Verbraucher umweltschonend heizen?

Hier gibt es vielfältige Möglichkeiten. Neben Investitionen in neue energieeffiziente Anlagen reicht es oft schon, die Raumtemperatur um einen Grad Celsius abzusenken. Somit kann man sechs Prozent Energie sparen. Anstelle eines Vollbades eventuell duschen. Das kostet nur ein Viertel der Energie. Stoßlüftung für drei Minuten anstatt Kipplüftung. Das allein kann schon erhebliche Wärmeverluste senken. Hier kann man noch viele Möglichkeiten aufzählen, wie zum Beispiel die richtige Einstellung der Thermostatventile, die Raumtemperatur in untergeordneten Räumen anpassen, Heizungsregelung richtig einstellen. Sie sehen, es gibt sehr viele Möglichkeiten, die Umwelt zu schonen und letztendlich auch Geld zu sparen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Ich danke Ihnen für das Interesse.

Das Gespräch führte Sabina Riegger · Foto: rie

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