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Weihnachtliche Heilpflanzen

Christrose und Mistel

Faszinierend ist sie auf jeden Fall, diese Pflanze, bei der ausgerechnet im Winter die frühesten Blüten bereits zum Christfest erscheinen können. Weil ihre Blütezeit auch gerne mit dem ersten Schnee zusammen fällt, wird sie auch oft Schneerose genannt. Den Namen Schwarze Nieswurz hat sie erhalten, weil ihre schwarzgefärbte Wurzel in getrockneter und pulverisierter Form zum Niesen anregt und früher als Niespulver oder Bestandteil von Schnupftabak Karriere gemacht hat. Dieser Stoff, der in der Nase kribbelt, ist in vielen Pflanzenarten aus der Familie der Hahnenfußgewächse enthalten und nicht so sehr unbedenklich – daher ist die Verwendung heute natürlich nicht mehr aktuell, der Name aber geblieben.

Die Pest und böse Geister sollte sie vertreiben und sogar Schweinen steckte man sie ins Ohr, damit sie von der Schweinepest verschont blieben. Im alten Rom war nach Plinius die Nieswurz bereits ein Reinigungsmittel zur Behandlung von Wahnsinn, später wurde die getrocknete und pulverisierte Wurzel bei Hysterie und Nervenerkrankungen verschrieben. Im Altertum genoss Helleborus großes Ansehen gegen alle Arten von Geisteskrankheiten, fallende Sucht = Epilepsie, Podagra = Gicht, Schlag- und Wassersucht. Die Pflanze ist aber auch ein heftiges Brech- und Abführmittel und hochgiftig. Bei empfindlicher Haut kann die Wurzel starke Reizungen auslösen. Nicht umsonst stammt der Name vom griechischen „Helain“ für sterben und „Bora“ für Nahrung ab.
Die Christrose gilt heute als gefährdete Pflanzenart und ist gesetzlich besonders geschützt. Wild darf sie also nicht gesammelt werden. Aber alle Floristen und Gartencenter bieten in der Vorweihnachtszeit die hübschen Stauden mit ihren weißen Blüten an, so dass sie auch im eigenen Garten angesiedelt werden können. Etwas vorsichtig sollten Sie allerdings schon sein, denn sie enthält außer den anderen giftigen Inhaltsstoffen auch herzwirksame Stoffe, die ähnlich wirken wie die des Roten Fingerhutes (Digitalis). Das sogenannte Hellebrin in isolierter Form wurde früher in Apotheken häufiger als Herzmittel genutzt, musste aber genauso wie das Digitoxin sehr vorsichtig eingesetzt werden, denn eine Überdosierung wäre äußerst gefährlich geworden. Heute spielt Helleborus immer noch eine große Rolle in der Homöopathie. Die Anwendung ist relativ vielfältig, u.a. in der Zusatzbehandlung bei:

  • Nierenentzündung,
  • Wassereinlagerungen,
  • häufigem Harndrang
  • Durchfall und Brechreiz
  • Durch Herzschwäche verursachten Ödemen
  • Bei älteren Menschen unterstützend auch bei beginnender Demenz und Schlaganfall. Rudolf Steiner, einer der Begründer der Anthroposophie bewertet Helleborus zusammen mit der Mistel als Krebsheilmittel, vor allem bei Magenkrebs und Lungenkarzinom.

Mistel (Viscum album)

Mehr als tausend Mistelarten soll es weltweit geben, bei uns ist es hauptsächlich Viscum album album, die Laubholz-Mistel, die sich bevorzugt auf Pappeln, Weiden und auch Apfelbäumen breit macht. So manch ein Baum, der uns im Winter grün erscheint, ist eigentlich nur ein Opfer dieser sog. Halbschmarotzer. Das bedeutet, die Misteln bedienen sich ihrer Wirte nur, indem sie ihnen Wasser und Nährsalze entziehen – im Gegensatz zu den Vollparasiten stellen sie aber durchaus den den Zucker zum Aufbau ihrer Biomasse selbst her – immerhin. Auch hier war es Rudolf Steiner, der der Mistel zu ihrem heutigen Ansehen verhalf. Ihr Erscheinungsbild, ihr krebsartiges Wuchern schien ihm, ganz im Sinne der Signaturenlehre des Paracelsus, darauf hinzudeuten, dass genau diese Pflanze zur Therapie von Tumoren geeignet sein könnte. Auch, wenn man natürlich heute weiß, dass es sich bei Krebs nicht um eine parasitäre Erkrankung handelt, wird immer noch die Misteltherapie bei uns vielfach angewendet. Sogar der Wirtsbaum scheint hier eine wichtige Rolle zu spielen, je nachdem, welche Krebsform vorliegt. Zur Unterstützung der klassischen Schulmedizin sind injizierte Mistelpräparate sicherlich die am häufigsten verordneten Arzneimittel. Sie verbessern die Lebensqualität von Krebspatienten, indem sie Schlafprobleme und Appetitlosigkeit mindern, den Abbau von Ängsten und Depressionen fördern und zu neuem Lebensmut verhelfen, die Nebenwirkungen von Chemotherapie und Bestrahlung lindern, das Immunsystem stärken, das Risiko der Metastasenbildung reduzieren, um nur einiges zu nennen. Natürlich erhofft man sich damit, die Lebenszeit des Patienten zu verlängern.

Aber auch ein Tee aus Mistelkraut kann sehr hilfreich sein: bei Bluthochdruck, Verdauungsstörungen und Stoffwechselproblemen ist er ein probates Mittel. Vielleicht probieren Sie einfach beim nächsten Mal, wenn der Kreislauf verrückt spielt oder es Ihnen schwindlig ist, einmal mit einer Tasse Misteltee? Verwenden Sie dazu pro Tasse kaltem (!) Wasser 1 Teelöffel klein geschnittenes Mistelkraut. Lassen Sie den Ansatz 8 – 10 Stunden stehen, seihen Sie diesen dann ab, dann noch einmal kurz gut anwärmen und 1-2 Tassen täglich trinken.

Eine schöne Weihnachtszeit wünscht Ihnen Ihre Apothekerin Simone Wagner

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