Menschen

„Das Leben ist so wie es ist“

Max Eichhorn ist im Alter von 91 Jahren verstorben

Er war der Sohn eines deutschen Konditors und einer Schweizerin und wurde 1927 in Uster, in der Nähe von Zürich, geboren. Max Eichhorn war weit über Füssen bekannt. In Füssen war er der Eis-Max und in der Jazz- und Swing Szene ein gefragter Musiker. Jetzt ist er im Alter von 91 Jahren verstorben.

Max Eichhorn kam 1940 nach Deutschland, um hier eine Malerlehre zu machen. Er erzählte oft, wie er mit dem Fahrrad von München nach Kaufbeuren radelte, um seine Eltern zu besuchen, die 1942 nach Deutschland hersiedelten. Kurz vor Kriegsende wird er zum Militär eingezogen ohne seine Lehre beendet zu haben. Er wird von Granatsplittern verwundet und muss ins Lazarett. Eine Zeitlang konnte er seinen Arm nicht bewegen und dachte, dass er nie wieder malen könnte. Nach dem Krieg beendet er seine Malerausbildung in München. Heute noch hängen seine Bilder in der Akademie. Sein Bruder Kurt verhilft ihm nach der Rückkehr aus dem Krieg zu einem Job bei den Amerikanern. Manchmal stand er als Übersetzer zur Verfügung und machte im Kasino Musik. Es war die Jazz-Musik, die ihn so beeindruckte und zu seiner Leidenschaft wurde. Er spielte mit bekannten Größen aus der Jazz Szene wie Hugo Strasser, Max Greger sen., Joy Fleming, Catherina Valente und vielen Anderen.

Irgendwann verlangte seine Frau Erika, dass er etwas „Anständiges“ macht und nicht mehr so viel rumtingelt. Daraufhin eröffnete er 1951 in der Schwangauer Straße sein Eiscafé. Es war das erste Eiscafé in Füssen mit italienischem Flair. Das Eis bereitete er selbst zu. Von der Musik ließ er allerdings nicht ab und nahm wieder Engagements an. Gemeinsam mit seinem Bruder Kurt fuhr er mit dem Motorrad zu seinen Auftritten, sogar im Winter, beladen mit Schlagzeug und anderen Instrumenten. Ende der 50er Jahre wurde ihm das Musikgeschäft, das neben seinem Eiscafé war, zum Verkauf angeboten. Max Eichhorn kaufte es und eröffnete nur wenige Jahre später ein weiteres in Schongau. Neben dem Verkauf von Instrumenten, Notenblättern und mehr führte er auch eine Musikschule. Viele Kinder nahmen bei ihm und seinen Musiklehrern Unterricht.

Max Eichhorn liebte das Malen. „Ich mag das. Das gibt mir Ruhe und ich bin zufrieden“, sagte er immer wieder. Wenn er malte, war er wie in einer anderen Welt. Einigen war er als Portrait-Maler bekannt. Allerdings wussten nur wenige, dass er auch Landschaften gemalt hat. Max Eichhorn liebte Füssen und ließ es sich nicht nehmen, auch im hohen Alter bei Musikveranstaltungen dabei zu sein. 2008 drehte der Bayerische Rundfunk die Lebenslinien über ihn. Er konnte viel erzählen über sein bewegtes Leben und trotz vieler Höhen und Tiefen haderte er nie. „So ist das Leben. Es geht mir gut. Ich habe alles was ich brauche, zu essen, zu trinken und ein Dach über den Kopf. Und ich habe viele gute Menschen um mich herum.“ Das war sein Standardsatz. Wenn er Zeit hatte und der Wind günstig war, setzte er sich noch mit 80 Jahren in sein Auto und fuhr zum Hopfensee zum Surfen.

Max Eichhorn freute sich, wenn ihn die Leute in seinem Musikgeschäft besuchten, das er noch bis zu seinem 86. Lebensjahr führte. Nach der Aufgabe seines Geschäftes heiratete er 2014 seine langjährige Freundin Helga.
Nun ist er seinen letzten großen Schritt gegangen. So wie es sein letzter Wunsch war, haben sich Musikerkollegen und Freunde von ihm im engsten Kreis verabschiedet.

Text: Sabina Riegger · Bilder: privat/ Hubert Riegger

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