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Leg doch mal das Ding weg

Schöne smarte Welt – Risiken und Nebenwirkungen

Smart. Englisch für intelligent, pfiffig, schlau. Wer möchte da nicht dabei sein?

In der westlichen Welt trägt fast jeder dauerhaft ein Smartphone mit sich und benutzt es im Schnitt alle 8 Minuten. Mobile Telefone sind nicht mehr wegzudenken und auch als Musikanlage, Kamera oder Babyphone im Einsatz. Inzwischen hat aber auch fast jede Familie einen Smartphone-Zombie oder Smombie, einen meist jungen Menschen, der durch den ständigen Blick auf sein Handy so abgelenkt ist, dass er von seiner Umgebung kaum noch etwas wahrnimmt.

Rasante Veränderung

Unser Alltag hat sich im Zuge des Smart-Werdens unserer Telefone und inzwischen fast aller Geräte unseres täglichen Gebrauchs rasant verändert. Kinder und Jugendliche sind meist von Monitoren jeglicher Art kaum wegzubekommen, mit dramatischen Konsequenzen von Koordinations- und Konzentrationsstörungen bis zu Kurzsichtigkeit, Fett- und Spielsucht. Man spricht beim Essen im Restaurant kaum miteinander, geschweige denn in der U-Bahn, schaut sich nicht mehr an und fährt unkonzentriert Auto. Im Schnitt ist jeder Erwachsene drei Stunden und vierzig Minuten im Internet, Jugendliche von 16 bis 29 kommen auf viereinhalb Stunden täglich, telefoniert wird dagegen nur 10 Minuten. Viele empfinden das zunehmend als Stress. So mancher wird mit Nachrichten überflutet, über soziale Medien gemobbt, oder sogar Opfer von Internetbetrügern und Viren. Arbeitgeber beklagen Unproduktivität und hohe Ausfallszeiten durch den ständigen Blick auf‘s Handy und Schüler konzentrieren sich nachweislich wesentlich schlechter, schon allein wenn sie wissen, dass das Handy in der Schultasche ist, auch wenn es aus ist.

Daten, Daten, Daten…

All unsere smarten Gerätschaften, vom Handy über‘s Tablet zum chipgesteurten Kochgerät oder dem intelligenten, aber höchst umstrittenen Stromzähler-Smartmeter, sollen uns das Leben erleichtern, uns mit Wissen versorgen, Energie sparen und das Leben sicherer machen. Dank modernster Technologien haben wir ständig Zugang zu einer Vielzahl an Medien und Informationen, können unvorstellbare Datenmengen verarbeiten, verschicken und speichern und denken kaum einmal darüber nach, wie all das überhaupt technisch möglich ist und was für Konsequenzen das Ganze sich mit sich bringt.

Zu beachten

Laut Professor Manfred Spitzner von der Universität Ulm, einem der renommiertesten Hirnforscher und Bestsellerautor, sind Risiken und Nebenwirkungen der Digitalisierung bemerkenswert. Kinder, die dauernd am Tablet spielen, bewegen sich weniger und tippen nur auf Bildschirmen rum, das hat zur Folge, dass sie häufiger motorische Störungen und Haltungsschäden haben, dicker und kurzsichtig sind, und zudem nachts nicht schlafen können, ganz abgesehen davon, dass sie kaum ein Buch lesen können oder gar kreativ sind.

In Südkorea, dem digitalisiertesten Land der Welt, ist im letzten Jahr ein Gesetz in Kraft getreten, das wegen der gesundheitlichen Folgen und Leistungsdefiziten den Besitz eines Handys erst für 19-jährige erlaubt und nachts die zentralen Spieleserver des Landes abschaltet um der massiven Spielsucht der Bewohner mit all ihren Auswirkungen zu begegnen. Der Augapfel eines Kindes wächst nicht mehr weiter, wenn er immer nur auf eine gewisse Entfernung scharf stellen muss, nämlich die zum Tablet. So erklärt sich der Anteil der kurzsichtigen Südkoreaner unter 26 von an die neunzig Prozent. Genau so nachvollziehbar ist, dass man schlechter schläft, wenn man die Stunden vor dem Zubettgehen vor einem Monitor verbracht hat. Laut einer aktuellen Studie leidet ein Drittel der Deutschen heutzutage unter Schlafstörungen. Das Licht all unserer Bildschirme hat nämlich einen hohen Blau-Anteil, und blau ist die Farbe, die unser Organismus immer mit Tageslicht verbindet. Und am Tag schläft man nun mal nicht.

Auch beim Lernen gibt es wohl weniger Vorteile durch die Digitalisierung als man meinen würde. An Schulen mit Handyverbot erbringen die Schüler im Schnitt 20 % bessere Leistungen und laut Professor Spitzner gibt es keine einzige Studie, die überhaupt eine bessere Lernleistung durch digitale Klassenzimmer belegt, die mit Hochdruck und enormen finanziellen Mitteln bei uns eingeführt werden sollen. Durch ständiges Googeln und alleinige Informationssuche bei Wikipedia verlernen wir Informationen zu filtern und zu bewerten und geben zudem freiwillig jede Menge persönliche Daten preis.

Technisch möglich wird der immense Austausch von Daten durch die Nutzung verschiedenster Frequenzen, die wir weder hören noch sehen können. Seit 1985 wurden für die Handynutzung verschiedene Frequenzbereiche ausgebaut, seit der Einführung von UMTS sind mobile Endgeräte internetfähig. Inzwischen sind wir in 5G angekommen, der 5. Generation von Mobilfunknetzen, die den Bereich von 24 – 90 Gigahertz umfasst (1 GHz = 1 Milliarde Schwingungen pro Sekunde). Das sind 24 – 90 Milliarden elektromagnetische Wellen pro Sekunde, denen wir künftig flächendeckend dauerhaft ausgesetzt sind. Für 5G ist ein engmaschiger Ausbau des Netzes mit dem Installieren von Millionen Kleinstzellen an jeder Straßenecke nötig, da diese Technik nur über kurze Strecken funktioniert und feste Stoffe kaum durchdringen kann. Kritiker warnen nachdrücklich vor einer deutlich stärkeren digital gepulsten elektromagnetischen Strahlung mit nicht absehbaren Folgen. Der europaweite „5G-Appell“ von 180 Wissenschaftlern und Mobilfunkexperten aus aller Welt fordert Gesundheitsbehörden und Politiker auf, die alarmierenden Studienergebnisse ernstzunehmen und die Finanzierung von Forschungen über das Zusammenwirken von Frequenzen mit Feinstaub, Umwelt- und Wohngiften. Versicherer bieten keine Absicherung für Folgen von Mobilfunk an.

Die Bundesregierung stellte für die 5G-Forschung und Entwicklung 80 Millionen Euro bereit, allerdings keinen Cent für gesundheitliche Begleitforschung. Es stimmt höchst bedenklich, dass eine derart umfassende technische Umrüstung nicht medizinisch wissenschaftlich abgesichert wird und sich keine Studie mit den krankmachenden Auswirkungen der neuen Technologie auseinandersetzt.

Wird schon nix passieren, oder wie?

Text: Judith Anne März, Ärztin für Gynäkologie, klassischer Homöopathie und Informationsmedizin, praxis@wisse-die-wege.de

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