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Räuchern – ein schönes und traditionelles Brauchtum

Räuchern in der Advents- und Weihnachtszeit und bis ins neue Jahr hinein hat eine lange Tradition. Ich meine natürlich nicht unbedingt das erzgebirgische Räuchermännchen in das Kegel mit künstlichem Tannenduft hineingestellt werden, sondern das „richtige“ Räuchern mit Harzen oder Kräutern, die auch Wirkung zeigen. Denn, wie Sie mich ja sicherlich schon kennen, gibt es auch noch gleichzeitig einige naturheilkundliche Anwendungen dieser Substanzen informativ mit dazu.

Der Stoff, den wir wohl am ehesten mit dem Thema „Räucherung“ verbinden ist der Weihrauch (Olibanum). Wie kostbar der Weihrauch zu jeder Zeit war, zeigt u.a. die Tatsache, dass die Heiligen Drei Könige ihn dem neugeborenen Jesuskind zusammen mit Myrrhe und Gold als Geschenke mitbrachten. Bereits seit etwa 5000 v. Chr. wird der Weihrauch als Räucherung und als Medizin für Mensch und Tier genutzt und gehört somit zu den ältesten und wertvollsten Kulturgütern dieser Welt.

Als Räuchermittel diente der Weihrauch stets der spirituellen und religiösen Verwendung, sei es, den Kontakt mit den Göttern herzustellen, Dämonen zu vertreiben oder böse Geister fernzuhalten, wie z.B. während der sogenannten „Rauhnächte“ zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag. Aber auch zu medizinischen und reinigenden Zwecken wird er eingesetzt. Der „energetische Hausputz“ empfiehlt sich immer dann, wenn man sich in seiner Wohnung irgendwie unwohl fühlt, sei es z.B. nach Krankheit, Streit oder Trennung. Sein Duft ist frisch-zitronig, er neutralisiert eben sog. „schlechte“ Energien und trübe Gedanken. Und nichts klärt den Geist so gut wie der Weihrauch! Wichtig ist auch die desinfizierende Wirkung: unsere Vorfahren befreiten damit Ställe, Wohnräume und Krankenzimmer von Keimen.

Nun zur naturheilkundlichen Anwendung des Weihrauchs. Hier spielen natürlich seine Inhaltsstoffe eine besondere Rolle: es sind bis zu 9% ätherische Öle enthalten, die als Geruchsträger fungieren, entspannend und krampflösend wirken und als desinfizierend und antibakteriell gelten. Beim Harz überwiegt mit über 60% die Boswelliasäure, die zu den sog. pentazyklischen Triterpenen gehört. Sie soll gegen allergische und entzündliche Reaktionen im Körper wirken. So sind folgende Einsatzgebiete möglich:

  • Der entzündungshemmende Effekt des Weihrauchs hat einen positiven Einfluss auf den Verlauf von Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa.
  • Bei Krankheiten des rheumatischen Formenkreises wie chronischer Polyarthritis, Morbus Bechterew, Systemischer Sklerose, Lupus Erymatodes o.ä.
  • Äußerlich aufgetragen wird er von Psoriasis- und Dermatitispatienten geschätzt, da er den Juckreiz beruhigt.
  • Und zu guter Letzt: das Kauen von Weihrauch hilft gegen Mundgeruch und Entzündungen im Mund-Rachen-Raum!

Ein weiteres Räuchermittel, das die Heiligen Drei Könige mitbrachten, ist die Myrrhe (Comniphora myrrha). Im alten Ägypten, aber auch in anderen Kulturen wurde die Myrrhe zur Einbalsamierung oder zu kultischen Salbungen verwendet, aber natürlich auch schon, wie z.B. bei den Assyrern, zu Räucherzwecken. Der Rauch der Myrrhe wirkt beruhigend, erdend und zentrierend, ist also besonders schön für den Abend, sozusagen um „herunterzukommen“.

  • Bei Hals- und Mandelentzündung zum Gurgeln: 20 Tropfen in ½ Glas lauwarmes Wasser geben und 2-3 mal täglich spülen. Die Inhaltsstoffe der Myrrhe wirken so direkt an Ort und Stelle und helfen, entzündungsauslösende Viren oder Bakterien zu bekämpfen.
  • Außerdem haben Studien gezeigt, dass die Myrrhe hervorragend dazu geeignet ist, die Darmbarriere zu stärken, Krämpfe zu lindern, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Reizdarm zu behandeln und auch Verdauungskrankheiten, die mit Durchfall einher gehen, zu regulieren.

Eine der bekanntesten „Kräuter-Räucherungen“ ist der Beifuß (Artemisia vulgaris). Die Pflanze aus der Familie der Korbblütler ist uns heute eigentlich meist nur als Küchengewürz bekannt, hauptsächlich zur Verdauungsförderung bei fetten Speisen. Dabei gehört der Beifuß zu den ältesten Heil-, Ritual- und Räucherkräutern überhaupt! Schon die Neandertaler gaben ihn ihren Toten mit ins Grab und das war immerhin schon vor rund 70 000 Jahren. Er vermittelt Mut und Zuversicht in schwierigen Zeiten und gibt eine klare Sicht auf die Zukunft, gerade, wenn wichtige Entscheidungen bevorstehen. Deshalb wurde er nicht nur während der Sommer- und Wintersonnenwende, sondern auch in den Rauhnächten geräuchert.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe des Beifußes sind Bitterstoffe (Sesquiterpenlactone) und bis zu 0,2% komplex zusammengesetztes ätherisches Öl. Daraus ergeben sich u.a. folgende naturheilkundliche Anwendungsmöglichkeiten:

  • Appetitlosigkeit, Magen-und Darmbeschwerden, Verstopfung, Verdauungsförderung bei dem Genuss von fettreichen Speisen.
  • Innerlich und äußerlich angewendet lindert er Periodenschmerzen, gleicht hier auch Unregelmäßigkeiten aus und entkrampft. Achtung: nicht während der Schwangerschaft anwenden, kann abtreibend wirken!
  • In homöopathischer Form unterstützend bei Epilepsie.

Wie richtig räuchern? Eine Möglichkeit: man nehme ein feuerfestes Gefäß, am besten mit Henkel, fülle es mit Vogelsand, lege ein Stück spezielle Räucherkohle darauf. Die Kohle anzünden, komplett durchglühen lassen. Nun das Harz oder die Kräuter in die vorhandene Vertiefung in der Kohle geben und los geht es!

Nun wünsche ich Ihnen eine stimmungsvolle Weihnachtszeit – mit oder ohne Räuchern,

Ihre Apothekerin
Simone Wagner

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