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Namaste: Hohenschwangauer Start-Up entwickelt Yogamatten aus Müll

Oft gehört, und mittlerweile Trend: die Idee der Nachhaltigkeit. Worin aber liegt nun der Nachhaltigkeitsaspekt im Yoga? Kann man mit Yoga die Umwelt schützen? Die nachfolgende Situation ist typisch für viele Yogis: Am Anfang waren die Rückenschmerzen, die sie auf die Matte geführt haben. Ein paar Monate später wechseln sie zum Ökostromanbieter, flicken die platten Reifen ihres Drahtesels und denken über alternative Lebensentwürfe nach.

Sophie Zepnik (24, aus Hohenschwangau) und ihrer Freundin Anna Souvignier (25) ging es ähnlich. Beide praktizierten Yoga bereits in Deutschland, doch während ihres Masterstudiums in Malmö betrieben sie den Sport noch intensiver. „Die Winter in Schweden sind lang und dunkel. Yoga brachte da einen super Ausgleich.“

Lange Zeit dachten sie, dass sie in Sachen Nachhaltigkeit alles richtig machten. Doch dann besuchten sie die Ausstellung der talentierten türkischen Künstlerin Pinar Yolda. Mit einem ihrer Kunstwerke beschuldigte sie Yoga-Praktizierende, die eigentlich einen nachhaltigen Lebensstil führen wollen, sich heuchlerisch zu verhalten. Sie machen Yoga auf einer gewöhnlichen Plastikmatte, die dem Planeten früher oder später in Form von Müll zur Last fallen wird. „Wir fühlten uns ertappt.“ Als „ach-so-nachhaltige-Yogis“ machten die beiden ihren Sonnengruß regelmäßig auf einer Matte aus Plastik. Nach einer gründlichen Recherche nach Alternativen ohne Chemie und Plastik beschlossen sie im November 2016 eine eigene zu entwerfen. “Wir fanden einfach keine, die unseren Ansprüchen genügte.“

Für die Produktion von „hejhej-mats“ sollen keine neuen Materialien, sondern nur Ressourcen, die im Überfluss vorhanden sind, verwendet werden. Sie nutzen Abfall als Ressource. „hejhej-mats“ werden nach dem sogenannten Closed-Loop-Prinzip (dt. geschlossener Kreislauf) produziert. Das heißt, sie bestehen nicht nur aus Müll, sondern können am Ende ihrer Nutzung vollständig recycelt werden – und zwar zu neuen Yogamatten. Mit einem Rückgabesystem wollen die Gründerinnen auch sicherstellen, dass ihre Matten wieder bei ihnen landen. Eine Matte spart so anderthalb Kilo Müll.

Die Yogamatten werden aus Schaumstoffresten hergestellt, also Abfallprodukten, die beispielsweise bei der Bau-, Möbel- oder auch der Automobilindustrie übrig bleiben. Der große Vorteil von Schnittresten ist die gute Qualität: Da der Müll nicht erst beim Konsumenten entsteht, fallen keinerlei qualitative oder hygienische Mängel an. Die gesprenkelte Optik entsteht durch die recycelten Materialien, die in der Herstellung verwendet werden. Jede „hejhej-mats“ Yogamatte ist daher in ihrer Optik einzigartig. Mehr als 150 Euro soll sie nicht kosten. Verkauft werden soll die Yogamatte in der Weihnachtszeit über ihren Onlineshop. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, unsere Yogamatten ausschließlich in Deutschland herzustellen. Wir arbeiten mit familiengeführten Partnerfabriken zusammen, die Wert auf ein gutes Verhältnis zu ihren Mitarbeitern legen. So können wir gute Arbeitsbedingungen garantieren und die Transportwege so klein wie möglich halten.“

Sie konnten ihre Idee sogar in ihre Masterarbeit integrieren und im Juni diesen Jahres hatten sie ihren Abschluss in Leadership for Sustainability in der Tasche. Seitdem arbeiten sie nun in Vollzeit, teilweise in Hohenschwangau, München und Essen an „hejhej-mats“. Durch ein erfolgreiches Crowdfunding im vorigen Monat steht den beiden nun auch finanziell nichts mehr im Wege. Für die Zukunft sind weitere Produkte und der Verkauf über andere Händler geplant. „Aber das Geschäft muss zu uns passen und auf Nachhaltigkeit fokussiert sein.“ Und woher stammt der Name? „Hej bedeutet auf Schwedisch Hallo und soll unsere Verbindung zu Schweden zeigen. Auch möchten wir Müll ein zweites Leben verleihen und auch dem Produkt Hallo sagen. Und da unser Ziel ist, einen Kreislauf zu schaffen, sagen wir gleich nochmal hej!“

Weitere Informationen unter:
www.hejhej-mats.com

Text: Julia Siemons · Bild: Elina Nomad

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