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Multikulturelles Füssen

Handwerk und Gastronomie setzen auf Azubis aus aller Welt

Wie sich die Zeiten doch ändern. War es früher schwer, überhaupt einen passenden Ausbildungsplatz zu finden, ist es heute dagegen genauso schwer, einen Auszubildenden zu bekommen. Wo sich früher noch Schulabgänger ernsthaft um einen Ausbildungsplatz bewerben mussten, buhlen heute viele Betriebe händeringend um Azubis.

Schuld daran sind unter anderem der zunehmende Drang nach Hochschulabschlüssen sowie auch mangelnde Bereitschaft zu schwerer Arbeit oder vermeintlich unzumutbaren Arbeitszeiten wie in der Gastronomie oder vor allem dem Bäckerhandwerk. „Daran haben wir uns ja mittlerweile schon gewöhnt“, sagt Bäckermeister Helmut Schmid aus Füssen. In diesem Jahr konnte der Füssener allerdings wieder einen Lehrling einstellen. Er heißt Bilal und kommt aus Pakistan. Auch Markus Lipp, Wirt des Gasthof Schwägele in Roßhaupten, ist glücklich, in diesem Jahr endlich wieder einen Kochlehrling bekommen zu haben. „Ahmad ist mit seinen 27 Jahren zwar schon etwas älter als die meisten anderen Lehrlinge, hat aber in seinem Heimatland Syrien bereits als Koch gearbeitet und bringt somit auch schon jede Menge Grundkenntnisse und Erfahrung mit.“

Allein in der Stadt Füssen leben derzeit rund 2.900 Menschen, die aus gut 90 Ländern der Welt kommen, nur etwa 250 bis 300 der ausländischen Mitbürger haben einen Flucht- oder Migrationshintergrund. Und ganz offensichtlich gelingt es uns hier in der Region auch in diesem Punkt vorbildlich voranzuschreiten. Denn immerhin sind wir im Ostallgäu führend, was die Integration von Menschen mit Fluchthintergrund betrifft. Schwabenweit liegt der Landkreis hier mit den meisten Auszubildenden vorn, wie die Industrie- und Handelskammer gegenüber Füssen aktuell bestätigte.

Dass vor allem auch das bayerische Gastgewerbe hier als Integrationsmotor dient, hat auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller längst erkannt und vor wenigen Monaten zusammen mit dem deutschen Hotel- und Gaststättenverband eine deutsch-marokkanische Ausbildungspartnerschaft ins Leben gerufen. Bereits ab diesem Herbst werden durch dieses Projekt insgesamt 87 Jugendliche aus Marokko in Deutschland eine Ausbildung beginnen, drei von ihnen im Raum Füssen.

Laut der aktuellen Statistik der IHK beginnen die meisten Jugendlichen, die in Deutschland Asyl beantragt haben, eine Ausbildung in der Gastronomie. Und trotzdem verbuchen die kaufmännischen Ausbildungsberufe, zu denen auch das Gaststättengewerbe zählt, ein Minus von über neun Prozent. So sind es in diesem Jahr etwa rund 230 Ausbildungsverträge, die in der Gastronomie im Ostallgäu geschlossen wurden, etwa 30 von ihnen sind Asylbewerber. Dazu kommt, dass in unserer Region so gut wie null Prozent Jugendarbeitslosigkeit herrscht.


Bilal aus Pakistan, 19 Jahre – Bäckerei Höfler, Füssen

„Es macht den ganzen Tag Spaß, ich mache schon Teige, kann Brezen drehen oder Semmeln backen, auch kleines Gebäck und Plunder kann ich schon. Zuerst wusste ich nicht so richtig, was ich werden will und habe deswegen auch schon mehrere verschiedene Praktika gemacht, unter anderem als Verkäufer. Das Praktikum hier hat mir aber am besten gefallen, jetzt will ich Bäcker werden.“


Ahmad aus Syrien, 27 Jahre – Gasthof Schwägele, Roßhaupten

„Mein Vater hatte ein Restaurant in der Nähe von Damaskus. Koch ist mein Traumberuf, jetzt möchte ich hier den Beruf lernen und es macht mir sehr viel Spaß. Am Ende bekomme ich ein Zeugnis und kann dann meinen Traum verwirklichen, der beste Koch zu werden. Das deutsche Essen ist sehr lecker, ich mag Kässpatzen sehr gern. Vielleicht habe ich ja einmal ein eigenes Restaurant.“


Saliu aus Mali, 24 Jahre – Hotel Hirsch, Füssen

„Ich mag meinen Job. Es macht mir Spaß und ich koche sehr gerne. In Mali war ich Bauer. Mir geht es gut hier. Seit 2 1/2 Jahren lebe ich in Deutschland, in Schwangau, und konnte schon viele Freunde hier finden. Das Team hier ist super und mein Beruf hat Zukunft.“


Füssen ist eine multikulturelle Stadt. Menschen aus 90 Ländern leben in der Lechstadt.

Afghanistan: 24
Ägypten: 1
Albanien: 2
Algerien: 1
Argentinien: 1
Armenien: 1
Australien: 5
Bangladesch: 1
Belgien: 4
Bosnien/
Herzegowina: 47
Brasilien: 14
Bulgarien: 117
Chile: 1
China: 24
Dänemark: 2
Elfenbeinküste: 1
Eritrea: 25
Finnland: 2
Frankreich: 21
Georgien: 3
Ghana: 1
Griechenland: 21
Großbritannien: 23
Guantanamo: 1
Guinea: 1
Indien: 8
Irak: 4
Irland: 9
Israel: 1
Italien: 197
Japan: 25
Kanada: 6
Kasachstan: 6
Kenia: 2
Kolumbien: 1
Kongo: 1
Korea: 1
Kosovo: 21
Kroatien: 140
Litauen: 4
Luxemburg: 1
Madagaskar: 1
Mali: 5
Malta: 1
Marokko: 9
Mazedonien: 35
Mongolei: 1
Montenegro: 4
Nepal: 1
Neuseeland: 1
Niederlande: 13
Nigeria: 27
Norwegen: 4
Österreich: 183
Pakistan: 19
Paraguay: 1
Peru: 2
Philippinen: 4
Polen: 72
Portugal: 10
Rumänien: 264
Russland: 30
Schweden: 3
Schweiz: 16
Senegal: 6
Serbien: 51
Sierra Leone: 5
Slowenien: 97
Somalia: 9
Spanien: 24
Sri Lanka: 6
Staatenlos: 6
Südafrika: 1
Syrien: 180
Taiwan: 3
Thailand: 14
Togo: 1
Tschechien: 52
Türkei: 570
Uganda: 1
Ukraine: 23
Ungarn: 276
Ungeklärt: 3
USA: 31
Usbekistan: 1
Venezuela: 3
Vietnam: 61

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