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300 Jahre St. Mang: Der Baumeister – Johann Jakob Herkomer

Sein Werk hat bereits mehrere Jahrhunderte überlebt und die Entwicklung der Lechstadt über Generationen hinweg geprägt. Das architektonische Kunstwerk, das der einheimische Baumeister Johann Jakob Herkomer der Nachwelt hinterließ, beeinflusst das Leben in der Stadt wirtschaftlich und kulturell seit 300 Jahren. Herkomer verwandelte nicht nur die bestehenden Gebäude der alten Abtei an der Lechhalde in einen prunkvollen Barockbau, sondern brachte damit auch italienisches Flair nach Füssen.

Johann Jakob Herkomer kam 1652 als achtes Kind von Balthasar und seiner Frau Barbara in Sameister zur Welt. Seine Eltern betrieben dort die Poststation mit einer dazugehörigen Bewirtung. „Über seine Kindheit und seine Jugend ist leider sehr wenig bekannt“, sagt Füssens Museumsleiter Dr. Anton Englert. „Es ist aber zu vermuten, dass er eine Ausbildung in Augsburg erfahren hat, wo er wohl zuerst einer Malerlehre nachging. Anschließend kam er nach Italien, um dort auch andere Sparten des Kunsthandwerks kennenzulernen.“ So übte sich Herkomer in den Jahren 1675 bis 1685 in Oberitalien als Architekt, Bildhauer, Freskenmaler und Stuckateur. Die Kontakte zu Handwerkern, Fuhr- und Geschäftsleuten, die in Italien arbeiteten, hatten sich wohl auch durch den Gasthof der Eltern ergeben, in dem die Reisenden beherbergt wurden. Immerhin lag der elterliche Betrieb direkt auf dem Weg zwischen Füssen und Augsburg.

Ganze zehn Jahre in Italien
„Er war 23 Jahre alt, als er nach Italien ging“, so Englert. „Leider ist auch von diesem rund zehnjährigen Aufenthalt nicht viel überliefert. Einer Reliquienschenkungsurkunde aus dem Jahre 1685 ist aber zu entnehmen, dass Herkomer bei dem italienischen Grafen Basilio Conte di Collalto als „geistreicher Maler“ tätig war und religiöse Motive darstellte.“ Herkomer nutzte die Zeit in Italien, um sich mit den Künstlern und dortigen Bauwerken auseinanderzusetzen. Zu seinen großen Vorbildern zählten Andrea Palladio aus Padua und Baldassare Longhena in Venedig, deren Einflüsse sich später auch deutlich im Kloster St. Mang zeigen sollten.

Im September 1685 kehrte Herkomer schließlich nach Sameister zurück. Sein Bruder Isaak hatte bei ihm den Bau einer Familienkapelle in Auftrag gegeben, deren Grundsteinlegung offiziell am 8. Oktober stattfand. Hier wirkte Herkomer nicht nur als Architekt, sondern auch als Maler, Freskant, Stuckateur und Bildhauer. „Diese Kapelle ist die größte Visitenkarte der Welt“, erklärt Anton Englert. „Es ist ein Stück Italien, das hier mitten in der Provinz auftaucht.“

Zur Weihe der Kapelle im Jahre 1688 waren den Aufzeichnungen nach über 600 Gäste erschienen, darunter auch zahlreiche Geistliche aus den benachbarten Klöstern. Dies dürfte dem noch relativ jungen Künstler auch zu weiteren Aufträgen verholfen haben. Doch bevor es zu dem Großprojekt Kloster St. Mang kam, erhielt Herkomer den Zuschlag für die Ausmalung der Füssener Kirche St. Sebastian. Weitere Aufträge sollten folgen, allerdings war die Arbeit des Baumeisters nicht für jeden Geldbeutel erschwinglich. So waren nicht nur die Pläne für einen neuen Pfarrhof in Seeg oder eine Zunftkirche in Bichlbach den Auftraggebern viel zu teuer, auch dem Füssener Abt Benedikt Bauer, der schon längst den Neubau des baufälligen Klosters plante, war Herkomers Preis zu hoch.

Der Grundstein für Herkomers Lebenswerk
Im Jahre 1694 trat Johann Jakob Herkomer dann zu einer zweiten längeren Italienreise an. Nach rund drei Jahren Abwesenheit kehrte er ins Allgäu zurück und begann unmittelbar danach mit dem Neubau des Kemptener Kornhauses, bevor er sich noch ein weiteres, letztes Mal nach Italien begab. Diesmal nach Rom, um dort eine päpstliche Ablassurkunde für seine Kapelle in Sameister zu erwerben. In Füssen zeichnete sich derweil langsam der Neubau des Klosters ab, zudem erhielt Herkomer kleinere Aufträge nebenher, wie die Neugestaltung der Füssener Franziskanerkirche.
Inzwischen war Abt Gerhard Oberleitner nach dem Tod seines Vorgängers Benedikt Bauer zum Abt des Klosters St. Mang gewählt worden. Er trieb den Neubau der Kirche und des Klosters nun schnell voran und engagierte den vom Konvent favorisierten einheimischen Baumeister Herkomer. Parallel zu den Arbeiten in der Kirche, mit denen bereits im Mai 1701 begonnen wurde, wurde nun auch am übrigen Kloster gearbeitet.

Herkomers letzter Auftrag
Über eine mangelnde Auftragslage konnte sich Herkomer nun nicht mehr beschweren, genoss er doch mittlerweile weit über die Grenzen hinaus einen hervorragenden Ruf als kunstreicher Baumeister. So war er nicht nur für den Neubau des Klosters in Füssen zuständig, auch der Anbau von vier Seitenkapellen in der Kemptener St. Lorenz Kirche oder die Pläne für die neue Vilser Pfarrkirche stammten wahrscheinlich aus seiner Feder. Als Herkomers letzter Auftrag gilt neben der Krippkirche in Füssen der Entwurf für die Stadtpfarrkirche von Innsbruck, den heutigen Dom.

Die Arbeiten vor Ort sollte sein Neffe Johann Georg Fischer leiten, der die Projekte seines Onkels nach dessen Tod vollendete und auch dessen Pläne erbte. Obwohl die Arbeiten für die Innenausstattung bei Weitem noch nicht abgeschlossen waren, wurde die unfertige Klosterkirche St. Mang am 15. Februar 1717 eingeweiht.
Denn Herkomer war zu diesem Zeitpunkt bereits krank, er starb schließlich am Vormittag des 27. Oktober desselben Jahres in Füssen und wurde einen Tag später in der von ihm erbauten Familienkapelle in Sameister beigesetzt.

Donnerstag, 26. Oktober, 19 Uhr,
Grünes Haus in Reutte: Vortrag von Klaus Wankmiller „Herkomer im Außerfern und Tirol“.
Freitag, 27. Oktober, 19 bis 21 Uhr,
Barockkloster St. Mang: Führung zum 300. Todestag Herkomers mit Abschluß im Herkomerzimmer, mit Magnus Peresson, begleitet von Museumsleiter Dr. ,Anton Englert. Der Eintritt ist frei.
Samstag, 28. Oktober, 20 Uhr,
Pfarrkirche St. Mang: Abschlußkonzert mit Werken von Abt Gallus Zeiler, mit Albert Frey und Petra Jaumann-Bader.

Text: Lars Peter Schwarz

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