Kolumne

Co-Sleeping

Es ist Nachts um drei. Ich bin wieder wach. Ich kann mich kaum bewegen. Es ist stickig, stinkig und mir ist heiß. Ich bin eingequetscht. Meine Hand kribbelt. Ich bin nicht sicher, ob ich wegen der eingeschlafenen Hand aufgewacht bin, oder wegen dem Tritt ins Rückgrat.

Ich will aufstehen. Kann aber nicht. Ich will die Fenster aufreißen und atmen. Frische, kalte, reine Luft einatmen. Das will ich. Aber die Distanz zwischen Bett und Fenster scheint unüberbrückbar. Wie soll ich da nur rankommen? Ich kann mich ja nicht mal rühren. Zumindest nicht mit meinem Oberkörper. Darth Vader liegt auf mir. Das sind 106 Zentimeter, 16 Kilo und goldenes Haar.
„Schatz, Mama kriegt keine Luft mehr!“
„B-A-B-Y??? Mama erstickt…“
„Hallo?!“

Keine Reaktion. Tiefschlaf. Auch auf der anderen Seite der Front. Ich sehe nix. Es ist maximal dunkel hier drin. Aber ich kann hören: Tiefes sägen, röcheln, austreiben. Alles klar, Kind schläft, Mann auch. Meine Blase drückt. Ich bin hilflos. Ich bin am Abgrund. Wenn ich falle, dann nicht weich. Meine Hand wird schon kalt. Kein gutes Zeichen. Ich muss was tun, mich befreien. Zupacken. Mich rauswälzen.

Es ist halb vier. Geschafft, ich bin da raus. Die Blase ist leer und meine Hand lebt. Immerhin. Im Halbschlaf mit hängendem Dutt und gezeichnet von der Nacht, denke ich nach – über „Co-Sleeping“ und „Bonding“.
So nennt man das im Fachjargon. Das bedeutet: die ganze Familie schläft in einem Bett. Das stärkt die Beziehung und die Nähe untereinander. Und ich find´s toll: Co-Sleeping. Ich liebe es. Die Ausdünstungen, die Enge, die Schlaflosigkeit, meine kleine Familie.

Geplant war das mit dem Decken-Kissen-Gelage nicht. Das hat sich so ergeben. So mitten in der Nacht, wenn auf einmal einer quer lag…
Und jetzt stehe ich hier auf dem kalten Holzboden. Alleine. Mitten in der Nacht. Ich fühle mich wie Klaus Kleber aussieht. Steif und schief – irgendwie so verspannt. Ich muss mich entscheiden: Co-Sleeping oder Couch. Zusammen oder alleine. Wolfsrudel oder einsamer Hirte. Sein oder nicht sein. Zurück ins Bett oder ausnahmsweise doch mal die Couch?
Ähm, also… „Maaamaaa?! Maamiii? Wo bist du?“

Also… Ich geh dann mal wieder ins Bett.
„Ich komme schon Schatz…“

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