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St. Mang Apotheke in Füssen mit neuem Labor

Traditionsunternehmen investiert zum 65. Jubiläum

Unzählige Schubladen und Regale, große braune und weiße Gefäße, die lateinische Namen tragen, das sehen die Kunden als erstes, wenn sie die Apotheke betreten. Was ihren Blicken verborgen bleibt, ist das Labor. Im Mittelalter wurden die „Arbeitsräume“ der Apotheker Hexenküchen genannt. Es war ein magischer Ort. Heute ist man davon weit entfernt – zum Glück. Laut Gesetzgeber muss jede Apotheke ein Labor mit Rezeptur haben. Es sind zum Teil hochmoderne Labore, so wie das der St. Mang Apotheke in Füssen, das erst vor Kurzem auf 135 Quadratmeter erweitert wurde. Dadurch ist ein High-Tech Labor mit 50 Quadratmetern reiner Nutzfläche nur für die Herstellung von Rezepturen entstanden, und das mitten in Füssen. Ausgedient haben die Labore also noch lange nicht. Im Gegenteil. Heike Immler sieht darin die Zukunft der Apotheken. „Es ist eine wichtige Kernkompetenz, die pharmazeutisches Wissen abverlangt und da kann das Internet nicht mithalten“.

Vielleicht war es die Weitsicht oder einfach auch nur der Wunsch, seinen Kunden „natürliche Gesundheit“ zu verkaufen, weswegen Wilhelm Immler eigene Rezepturen herstellte. Viele Füssener erinnern sich noch an den Magnavin Herzwein, der in den 60er Jahren sehr gefragt war. Heute profitiert die 47-jährige Pharmazeutin von den über 350 Rezepturen ihres Großvaters und Vaters Horst Immler. „Wir greifen auf die ursprünglichen Aufgaben einer Apotheke zurück“, so Heike Immler. Was sie damit meint ist die Herstellung von individuellen Arzneimitteln. Täglich werden in der St. Mang Apotheke verschiedene Salben, Lotionen oder Flüssigkeiten mit den unterschiedlichsten Arzneistoffen angefertigt, zum Teil, weil es sie in dieser Form nicht gibt oder die Fertigprodukte teurer sind. Speziell für Säuglinge und Kleinkinder werden Kapseln und Zäpfchen individuell hergestellt.

Was viele Verbraucher und Kunden nicht wissen: Im Labor werden sowohl die Ausgangsstoffe für die Rezeptur geprüft, als auch Stichproben von Fertigarzneimitteln durchgeführt. Wie die Substanzen und Medikamente geprüft werden müssen, steht in den Prüfvorschriften im Deutschen Arzneibuch, im Homöopathischen Arzneibuch und im Europäischen Arzneibuch. Mit Nachträgen und Kommentaren nehmen diese Arzneibücher mehr als einen Meter Raum ein und werden ständig aktualisiert.

Text: Sabina Riegger  · Bild: Lars Peter Schwarz

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