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Ein Laden für die Welt – 25 Jahre Fairer Handel in Füssen!

Was anfangs eine Idee war ist längst zur Lebenseinstellung geworden

Fair gehandelte Waren wurden in Füssen zum ersten Mal vor 25 Jahren angeboten. Damals, im Herbst 1991, verkaufte eine Jugendgruppe der Pfarrei Zu den Acht Seligkeiten verschiedene Waren nach den Gottesdiensten. Ein paar Jahre später entstand daraus dann der gemeinnützige Verein „Eine Welt Partnerschaft“, kurz darauf wurde der Weltladen gegründet. 2013 erhielt die Stadt Füssen schließlich das offizielle Zertifikat einer sogenannten Fairtrade-Stadt. Die schnelle Entwicklung des Fairen Handels zeigt dabei auch den großen Willen der Menschen, die diese Idee von Anfang an unterstützen. Denn richtig funktionieren kann die Wirtschaft auf dieser Welt nur, wenn alle, die etwas herstellen oder produzieren, auch angemessen dafür belohnt werden. Es ist ein Geben und Nehmen von Leistung und Ware, von Respekt und Wertschätzung gegenüber Produzenten und Geschaffenem, was sich zu einem immer fortwährenden Kreislauf zusammen fügt. Nur so  kann Gerechtigkeit und Gleichheit auf Dauer garantiert werden, unabhängig vom extremen Konsum oder Massenproduzenten und profitorientierten Großkonzernen.

Fairer Handel umfasst Agrarprodukte, Handwerk und Tourismus
Der Grundgedanke für den Fairen Handel entstand bereits vor über 70 Jahren, die ersten Weltläden in Europa öffneten Ende der Sechziger. Die angebotenen Waren werden meist aus Entwicklungsländern in die Industrieländer exportiert, weltweit profitieren über 1,5 Millionen Landwirte vom Fairen Handel. „Diese Idee stand auch für die Jugendlichen, die den Fairen Handel damals in Füssen begonnen hatten, im Vordergrund“, erinnert sich Rosela Nold, Vorsitzende des Vereins Eine-Welt-Partnerschaft in Füssen. „Zuerst wurden wenige Produkte nach den Gottesdiensten direkt in der Kirche verkauft, dann in einem Raum des Pfarrheims und anschließend in einem eigenen Laden, der extra dafür gemietet wurde.“ Zu den beliebtesten Produkten gehörten Schokolade, Kaffee, Tee, Honig, Nüsse oder getrocknete Mangos und Handwerkswaren. „Als Lager haben wir da noch den privaten Keller vom ehemaligen Pfarrer Erich Renz genutzt. Etwas blauäugig waren wir aber schon noch. Ich weiß noch, wie wir einmal in das Fair Handelshaus gefahren sind, um dort einzukaufen. Wir haben damals Waren im Wert von rund 10.000 Mark gekauft und haben allerdings nicht gewusst, dass wir die Rechnung auch sofort bezahlen müssen. Aber die Resonanzen waren immer sehr gut, so hatten wir auch nie Bedenken, dass irgendetwas nicht klappen könnte.“

Füssener Weltladen ist einer der umsatzstärksten in Bayern
Mittlerweile hat der Verein 174 Mitglieder, gut 50 von ihnen arbeiten ehrenamtlich im Laden oder helfen aus, unterstützt werden sie von einer hauptamtlichen Kraft. Auch die Produkte haben sich in den vergangenen Jahren stets weiterentwickelt und qualitativ enorm verbessert. Knapp vierzig Importeure sorgen dafür, dass der Weltladen eine so breitgefächerte Palette von Waren anbieten kann, ständig kontrolliert durch den Weltladen Dachverband. Hinter der Arbeit des Vereins steckt, genauso wie bei den vielen Stammkunden, weniger der Geschäftssinn als die Einstellung zum Fairen Handel. Immerhin gehört der Füssener Weltladen zu den vier umsatzstärksten in Bayern. Neben den Produkten aus dem fairen Welthandel werden aber auch Waren aus Werkstätten für Menschen mit Behinderung, wie den Wertachtal-Werkstätten oder der Herzogsägmühle angeboten. „All das gehört zum Fairen Handel dazu“, erklärt Rosela Nold. „In dem sehr weiten Netzwerk der Fair-Trader sind auch keine Plantagenbesitzer zu finden, die Importeure arbeiten nahezu ausschließlich mit örtlichen Kleinbauern zusammen“.

So lassen sich zu vielen Waren auch Informationen weitergeben, die Herkunft, Arbeit oder Inhalt genau erklären. „Zu fast jedem Produkt im Sortiment gibt es also auch meist eine eigene Geschichte. Die getrockneten Mangostreifen, die wir vor 25 Jahren schon verkauft haben, gibt es übrigens auch heute noch. Die waren immer ein Renner, egal ob damals im Pfarrheim, in unserem ersten Laden in der Jesuitergasse oder hier am Brotmarkt“. Mit einem Besuch im Weltladen leisten die Kunden ihren ganz eigenen, kleinen Beitrag zu einer besseren und gerechteren Welt. So stellt jeder Einkauf im Weltladen auch ein klares Bekenntnis dar, gegen Kinderarbeit in fernen Ländern und gegen die Ausbeutung von Kleinbauern in sozial ärmeren Regionen.

Um das Jubiläum „25 Jahre Fairer Handel in Füssen“ gebührend zu feiern, laden Vereinsvorstand, Weltladenteam und die Steuerungsgruppe Faire Stadt Ende September zu einem Vortrag mit dem Titel „Die Anden – Fairer Handel, Trekking, Schamanismus“. Die Multivisionsshow ist eine Kombination aus faszinierenden Fotos, live erzählten Geschichten, stimmungsvoller Musik und Originaltonaufnahmen. „Das 20-jährige Bestehen des Vereins und des Weltladens feiern wir dann zusammen mit einem Fest im Februar nächsten Jahres“, freut sich Rosela Nold.

Text · Bild: Lars Peter Schwarz

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