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Uli Pickl feiert 20 Jahre Haus Hopfensee

Ein Jubiläum, das viele Erinnerungen in sich birgt

Heute ist er sich sicher, dass es damals die richtige Entscheidung war, die er getroffen hat. Damals, als die Stadt Füssen Anfang März 1996 den Beschluss gefasst hatte, ihre beiden Kurhäuser zu privatisieren. „Für mich war schon klar, dass das Füssener Kurhaus viel zu groß gewesen wäre“, sagt Gastronom Uli Pickl und lacht, „heute steht es nicht mehr“. So feiert Pickl in diesem Jahr bereits sein 20. Jubiläum als Wirt oberhalb des Hopfensees. Zuvor war er in seinem Badecafe am Füssener Mittersee zuhause, schon immer wollte er aber auch ein Haus mit einem großen Saal und einer Bühne. Pickl, der damals nebenbei noch bei der Volksbühne leidenschaftlich Theater spielte, nutzte die Gelegenheit ohne lange zu zögern.

„Ich kann mich gut erinnern, die erste Veranstaltung war eine politische Veranstaltung, da ging es damals um die Fachklinik Enzensberg. Es wurde heftig diskutiert und gestritten, es gab sogar einige Tumulte, da hab ich dann gleich entschieden, dass das Haus nicht mehr für politisches Theater genutzt wird.“ Nicht leicht für einen Gastronom, der selbst in die Lokalpolitik involviert ist, zumal Pickl etwa zur gleichen Zeit auch in den Füssener Stadtrat gewählt wurde.

Dem Koch und Schauspieler war schnell klar, um das Haus nachhaltig betreiben und halten zu können, wäre ein durchdachtes Konzept nötig, das auf mehreren festen Säulen steht. Der Schlüssel war der richtige Mix aus Familien- und Firmenfeiern, größeren und kleineren Veranstaltungen oder Konzerten und Heimatabenden, die insgesamt ein breites Publikum ansprechen. Dazu die mittlerweile überaus beliebten Vorstellungen und Aufführungen von Uli Pickls Hopfenseebühne, die übrigens im kommenden Jahr auch schon ihr 20-jähriges Bestehen feiern wird.

In Handschellen quer durch das ganze Restaurant

„Besondere Momente und Höhepunkte gab es in den vergangenen 20 Jahren viel zu viele“, erinnert sich Pickl, darunter Jahrestagungen großer, bekannter Firmen oder auch der bayerische Apothekertag. „Viel Spaß gemacht haben vor allem manche große Feiern, wir hatten beispielsweise eine türkische Hochzeit mit über 700 Gästen. Eine interessante Erfahrung war auch die erste gleichgeschlechtliche Hochzeit, die wir erst vor wenigen Jahren hier im Haus hatten, daraus habe ich sehr viel gelernt und mit einigen Vorurteilen aufgeräumt.“ Auch viele bekannte Gesichter kamen in den letzten 20 Jahren ins Haus. Zu den prominentesten Gästen zählten dabei ohne Zweifel Skispringer Sven Hannawald und Ministerpräsident Horst Seehofer.

Völlig aus der Rolle fiel vor einigen Jahren aber eine echte Gerichtsverhandlung, die außerhalb des Kemptener Gerichtes geführt wurde. Um alle Beteiligten des Prozesses zusammen zu bringen, wurde die Verhandlung direkt in das Haus Hopfensee verlegt. Die Gäste am Mittagstisch staunten nicht schlecht, als die Polizisten den Beschuldigten in Handschellen quer durch das Restaurant führten. Ein gutes Omen vielleicht für die Zukunft, denn die Verhandlung endete damals mit einem Freispruch.

Die Schauspielerei verbirgt die Ehrlichkeit nicht

Genutzt wird das Haus von Touristen und Einheimischen gleichermaßen, manche Gäste planen mittlerweile sogar ihren Aufenthalt nach den Terminen der Theatervorstellungen. „Ein besonders einschlägiges Erlebnis als Schauspieler war für mich, als ich vor ein paar Jahren auf der Bühne gestorben bin. Diese Atmosphäre werde ich nie vergessen, man hätte jede Stecknadel fallen hören können, weil das Publikum damit gar nicht gerechnet hat.“ Was den eigenen Gemütszustand betrifft, ist Pickl nach eigenen Aussagen allerdings ein sehr schlechter Schauspieler. „Man merkt sofort, ob ich einen guten Tag habe oder eher schlechte Laune“, gesteht er, „das ist auch gut so, das würde ich gar nicht ablegen wollen.“

Wie wichtig und wertvoll die Zusammenarbeit zwischen Uli Pickl und der Stadt Füssen ist, weiß auch Bürgermeister Paul Iacob nach dieser langen Zeit zu schätzen. „Das Haus Hopfensee ist seit 20 Jahren ein städtisches Gästehaus und Restaurant und ist ein wichtiger Veranstaltungsort für Vereine. Dies gilt ebenso für die Stadtverwaltung Füssen, denn hier wird unter anderem die Bürgerversammlung  abgehalten. Neben den Tagungsmöglichkeiten bietet die Küche eine immer gute und gleichbleibende Qualität, was das Haus Hopfensee auch zu einem schönen Ausflugsziel macht. Ich bin mir sicher, dass wir die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit aufrecht erhalten und wünsche alles Gute zum 20. Geburtstag!“

Aber es war nicht immer leicht, blickt der Wirt zurück, große Probleme brachte vor allem die Wirtschaftskrise 2008 mit sich. Eine Zeit, in der viele Firmenevents und private Feiern ausgeblieben sind und somit große Löcher in die Bücher gerissen haben. Es hat ein paar Jahre gedauert, das wieder aufzufangen. „Alles hinzuschmeißen geht dann nicht, Du musst dranbleiben und weiter daran glauben, dass es funktioniert.“ Unterstützung von Seiten der Stadt gebe es für den Betrieb des Hauses allerdings nicht, sagt Pickl, und räumt damit mit einem schon länger kursierenden Gerücht auf. Das Haus muss sich wirtschaftlich komplett selber tragen, lediglich ein kleiner Betriebskostenzuschuss werde von der Stadt gezahlt, der aber nur die Kosten für die Versorgung der zusätzlichen Räumlichkeiten im Keller des Hauses abdeckt.

Der Veranstaltungskalender im Jubiläumsjahr ist prall und bunt gefüllt. Einer der Höhepunkte dürfte dabei ohne Zweifel die Neuinszenierung des Stücks „Thomas auf der Himmelsleiter“ sein, die bis in den Dezember hinein auf dem Programm steht. Einen Traum wird sich Uli Pickl auf jeden Fall auch noch verwirklichen, verrät er zum Abschluss des Interviews. „Ich will noch ein Freiluft-Theaterstück schreiben.“ Wo das dann aufgeführt werden soll, darüber wird aber erst dann gesprochen, wenn es soweit ist. Für die Zukunft wünscht sich der Chef deswegen vor allem Gesundheit und weiterhin viel Humor. „Ich bin ein zufriedener und sehr dankbarer Mensch, auch die schöne Aussicht hier oben am Haus Hopfensee, genieße ich nach 20 Jahren noch immer jeden Tag.“

Text · Bild: Lars Peter Schwarz

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