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Der Ursprung Füssens am Fluss, an der Straße und der Brücke über den Lech

Alte Theorien zu den Römerstraßen durch B. Eberl 1931 und Dr. R. Knussert 1955

Barthel Eberl und Dr. Richard Knussert waren sich zwar darin einig, dass die Via Claudia von Faulenbach her am Lechfall vorbeigeführt und erst oberhalb der Lusaltenschlucht den Lech überquert habe. Über das Wo? und das Wie? gab es jedoch völlig unterschiedliche Meinungen:

1. Theorie von Barthel Eberl (1931)
Eberl glaubte, am Lechufer eine Spur der Via Claudia gefunden zu haben. Vom Lusalten habe eine römische Abfahrtsrampe zum Lech hinabgeführt. Von dort hätten die Römer den Lech überquert zum Ort Ziegelwies hinüber. Dann wäre die Via Claudia am Weißhaus vorbei nach Tirol weiter gegangen. An der Schlucht war ihm aber der Ländeweg zu schmal für die Via Claudia. Eine andere Auffahrt zum Lusaltenübergang konnte er jedoch nicht finden.

2. Theorie von Dr. Richard Knussert (1955)
Knussert behauptete, der Ländeweg sei an der Schlucht breit genug gewesen. Doch er bleibt nicht am Ländeweg, auch er folgt der Rampe den Berg hinunter. Aber die gut sichtbare Abfahrtsrampe zum Lech hinunter lehnt er ebenso ab. Denn die Via Claudia sei gar nicht nach Ziegelwies über den Lech gegangen. Und die Via Claudia habe auch nicht über das Weißhaus nach Tirol geführt. Sie sei am nördlichen Lechufer bis zum Platz der Grenzschänke gegangen. Hier hätten dann die Römer bei einer Furt den Lech ohne Brücke überquert. Auf der anderen Lechseite seien sie dann über den Stiegelbergsattel hinüber.
Magnus Peresson widerspricht ebenfalls B. Eberl und folgt der Theorie von Dr. R. Knussert. Allerdings sei der Lechübergang erst an der Hangenden Wand erfolgt. Dort hätten die Römer den Lech mit einer Steinbrücke überquert. Im Gegensatz zu Knussert seien die Römer dann nicht über den Stieglbergsattel, sondern über den Kratzerweg hinüber. Beim Brückenbau waren die Römer jedoch schlauer! Seit den Ausgrabungen beim Bau des Forggensees 1953 wissen wir sicher, dass die Via Claudia von Roßhaupten über Dietringen und Osterreinen durch die Augsburger Straße und die Reichenstraße nach Füssen ging und dann über den Lech führte. Die Landvermesser und die Soldaten des römischen Militärs suchten natürlich eine vernünftige Lösung für den Bau der Lechbrücke.

Kartengrundlage aus dem Bayern-Atlas
Kluge Römer wählten für den Brückenbau die Engstelle des Lechs bei der heutigen Brücke (Nr. 1 = Flussbreite 45 Meter), nicht oberhalb vom Lechfall bei Ziegelwies (Nr. 2 = 4-fache Breite, 180 m), beim Weißhaus (Nr. 3 = 6-fache Breite, 270 m) oder bei der Hangenden Wand (Nr. 4 = 10-fache Breite, 450 m). Ihr Brückenbau erfolgte natürlich nicht schräg, sondern quer zum Flusslauf. Bei einer kürzeren  Brücke benötigt man weniger Pfeiler und Bögen, das verringert den Material- und den Arbeitsaufwand beim Bau und die Gefahren durch den Lech bei Hochwasser. Sie errichteten eine römische Straßenstation an der Brücke beim späteren Ort Füssen und nicht am steilen Lechufer beim Lusalten. Herberge, Polizeiposten, Poststation und Pferdewechselstation erbauten sie in der Nähe der Brücke. Auch war es klug von den Römern, das Kastell Foetibus auf dem Schlossberg anzulegen. Von dort oben konnte man gut die Brücke bei Füssen überwachen. Das wäre beim Lechübergang oberhalb des Lusaltens unmöglich gewesen. Logisch ist auch, dass die neue römische Siedlung an der Lechbrücke bei Füssen entstanden ist und nicht einen Kilometer flussaufwärts, oberhalb der Lechschlucht, an einem Steilufer beim Lechfall. Durch das kluge Vorgehen der römischen Landvermesser und Straßenbauer entstand demnach Füssen als römischer Brückenort am Lech beim Bau der Via Claudia Augusta in den Jahren 46/47 n. Chr.

Text · Bild: Matthias Thalmair, Säuling e.V

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