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Die Beckenboden-Päpstin

Susanne Schwärzler: Lebt das Leben, das Viele leben möchten

Susanne Schwärzler ist die Beckenboden-Päpstin, die Verfechterin für Kühe mit Hörnern, Demeter-Bäuerin, Autorin, Heilpraktikerin, Mutter und Ehefrau, … und es sieht so aus, als ob sie alles mit Links meistert. Angefangen hat alles, als sie 15 Jahre alt war. Da wurde sie kurzerhand zur Übungsleiterin für eine Gymnnastikgruppe von älteren Damen, zu der auch ihre Mutter gehörte, ernannt. Es war Zufall, dass sie an diesem Abend Zeit hatte und die Mutter zur Gymnastikstunde begleitete. Handball, Karate, Yoga, Reiten, … für Susanne Schwärzler war keine Sportart zu anstrengend. Je mehr Action, umso besser. Heute würde man diesen „Hunger“ nach Bewegung als Hyperaktivität bezeichnen. 

Ruhiger ist es um die 49-Jährige nicht geworden. Es ist anders, intensiver. Sie nimmt sich die Zeit für sich und ihre Bedürfnisse. Das hat sie allerdings erst lernen müssen. Während andere Frauen ab 45 bis 55 Jahren ihre Umbruchphase haben und anfangen, über ihr Leben und das was noch kommt nachzudenken, fing diese Phase bei Susanne Schwärzler mit 38 Jahren an. Ihr half die antroposophische Sichtweise. Das bedeutet, dass die empfindlichsten Störfaktoren und Belastungen einer Partnerschaft auf dem Mangel an Ich-Präsenz beruhen, dem Mangel an Wahrhaftigkeit, Liebe und Freiheit. Gelingt es nicht, auf dieser geistigen Ebene zur Gemeinsamkeit zu finden und sich des gemeinsamen Wollens in Richtung der drei Ideale bewusst zu werden, fehlt der Beziehung der entscheidende Halt in Krisenzeiten, wenn es seelisch und körperlich einmal nicht so gut klappt. Also trennte sich Susanne Schwärzler von verschiedenen Anteilen ihres „Ichs“, die sie am Weiterentwickeln hinderten.

Manche Menschen kaufen sich Hütten irgendwo in der Natur, versteckt von der Zivilisation, um mit der Natur eins zu werden und gleichzeitig zu relaxen. Susanne Schwärzler lebt das Leben, das Viele leben möchten und sich vielleicht nicht trauen. Seitdem sie den Hof 1987 auf biologisch-dynamischen Anbau umgestellt haben, sind sie Selbstversorger. Die Tier-Vielfalt auf dem Hof bringt auch gleichzeitig die Pflanzenvielfalt mit und dementsprechend gesunde Ernährung für die Tiere und letztendlich auch für den Menschen. Susanne Schwärzler ist zufrieden mit ihrem Leben. „Wir malen, wir machen Veranstaltungen, bei uns ist Hobby zum Beruf geworden. Es hat sich nicht viel geändert, außer meiner Lebenserfahrung und meinem Alter“, erzählt sie. Ihre Kinder leben das Leben mit. „Wir haben ihnen nie etwas aufgezwängt, keine Stallarbeit oder unsere Lebensweise.“ Eine Öko-Tante ist sie aber nicht, betont sie explizit. „Ich bin vielseitig. Alles was ich tue, möchte ich der Menschheit und Natur wieder zurückgeben. Und das haben wir bislang gut erfüllen können. Wir wollen und möchten dem Materialismus nicht dienen.“ Umweltbewusst leben ist der 49-Jährigen sehr wichtig, genauso wie die ganzheitliche Körperwahrnehmung. Ein Mal im Jahr gibt es den Familienurlaub. Dann wird gezeltet. „Das ist gut für unsere Familie. Man bekommt einen anderen Horizont.“ Susanne Schwärzler lebt ihr Leben authentisch. Sie erzählt nicht irgendetwas. „Ich lebe das, was ich in meinen Vorträgen sage.“

Text: Sabina Riegger · Bild: privat

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