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Der Granatapfel – die „Frucht der Götter“

Der Granatapfel (Punica granatum) ist wohl eine der ältesten Kulturfrüchte der Menschheit. Als ihr Ursprung gilt West- bis Mittelasien. Schon im Alten Testament wird die kernreiche Frucht erwähnt. Im Hohelied Salomons wird von ihr gesprochen, um die Schönheit der Frau zu preisen. Immer schon galten die schöne rote Blüte und die Frucht als Symbol der ewigen Jugend, Fruchtbarkeit und Liebe. Seinen Namen verdankt der Granatapfel seinem interessanten Inneren. Die purpurrote Frucht enthält eine große Menge an Samen – lat. granatus = körnig, kernreich und die Bezeichnung „Punica“ geht auf die Römer zurück, die davon ausgingen, dass die Phönizier  = Punier die Frucht in das römische Reich importierten. Selbst der Name der spanischen Stadt Granada geht auf sie zurück, sie ist heute noch im Stadtwappen enthalten und auf jedem Kanaldeckel sichtbar.

Auch die Bezeichnung „Granate“ soll, ähnlich der vielen Samen im Inneren der Frucht, auf die vielen kleinen Teilchen hinweisen, in die die Waffe beim Aufprall zerplatzt. Die Symbolik des Granatapfels ist vielfältig: im Christentum wird Maria mit dem Jesuskind  oft mit einem Granatapfel dargestellt als Zeichen für ihre Fruchtbarkeit, im Judentum enthält der perfekte Granatapfel 613 Kerne, was der Anzahl der Gebote in der Thora entspricht, im Islam ist er die Lieblingsfrucht des Propheten Mohammed und im Buddhismus zählt er zu den heiligen Früchten. Im alten Ägypten wurde er den Toten als Wegzehrung mitgegeben und   im antiken Rom trugen junge Frauen einen Kranz aus Granatapfelzweigen in Hoffnung auf einen reichen Kindersegen. Berühmt ist auch der griechische Mythos von Persephone. Die Tochter der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter wurde eines Tages vom Totengott Pluto in die Unterwelt verschleppt. Auf Befehl von Göttervater Zeus gab der Räuber das Mädchen zwar frei, aber er band Persephone für immer an sich, indem er ihr Granatapfelkerne zu essen gab. Seitdem darf sie nur drei Viertel des Jahres auf der Erde verbringen. Während der Wintermonate harrt sie in der Totenwelt aus. Und natürlich saß die Lerche, die Shakespeares Julia nur zu gerne für eine Nachtigall gehalten hätte, auf einem Granatapfelbaum…

Die Inhaltsstoffe des Granatapfels, der von September bis Dezember Hauptsaison hat, sind vielfältig: in der blutroten Frucht stecken Antioxidantien, die als Radikalfänger gelten, der Saft soll mehr davon enthalten als Rotwein oder Blaubeersaft. Granatäpfel enthalten viel Kalium, wichtig für Muskeln, Herz und Nerven. Auch Calcium, und Spurenelemente wie Eisen gehören zu den Inhaltsstoffen, sowie B-Vitamine. Der Vitamin-C-Gehalt ist allerdings nicht so hoch, wie vielleicht angenommen. Zum Vergleich: in 100 g Orange sind 45 mg Vitamin C, in 100 g Granatapfel gerade mal 7 mg enthalten. Den antioxidativ wirkenden sekundären Pflanzenstoffen des Granatapfels, den Polyphenolen und Flavonoiden werden viele positive Wirkungen auf unseren Organismus zugeschrieben:

Entzündungshemmend und Gesundheitsfördernd

  • Das Risiko für Herzerkrankungen kann verringert werden, da der regelmäßige Genuss von Granatäpfeln oder einem Saft daraus sich günstig auf einen erhöhten Cholesterinspiegel auswirkt. Cholesterin ist eine der Ursachen für die Verkalkung von Blutgefäßen und dadurch ein Mitauslöser von Herzinfarkten.
  • Der Granatapfel und seine Inhaltsstoffe verbessern die Bereitstellung von gefäßerweiternden Substanzen und wirken dabei 1000-mal besser als Trauben-oder Heidelbeersaft. So kann zu einer Normalisierung eines erhöhten Blutdrucks beigetragen werden. Natürlich kann man die medikamentöse Behandlung nur unterstützen. Wichtig ist auch zu beachten, Granatapfelsaft oder -produkte in einem Abstand von 2-3 Stunden zu Ihren Arzneimitteln einzunehmen.
  • Die Antioxidantien wirken entzündungshemmend: vor allem im Verdauungstrakt, aber auch bei arthrotischen  Gelenkbeschwerden kann Linderung erreicht werden.
  • Bei Infektionen v.a. im Mundbereich, ausgelöst durch bestimmte Bakterien oder Pilze können die Inhaltsstoffe des Granatapfel die schädlichen Mikroorganismen bekämpfen.
  • Selbst in der Krebsforschung hat der Granatapfel seinen Platz gefunden. In Studien wurde eine Einschränkung des Tumorzellwachstums festgestellt. Besonders bei Brust- und Prostatakrebs waren diese Tests erfolgversprechend.

Eine weiteres interessantes Anwendungsgebiet ist das des Granatapfelsamenöls, das mit Hilfe eines besonders schonenden Verfahrens gewonnen wird. Es ist reich bioaktiven Pflanzenstoffen wie Phytoöstrogenen und an wertvollen Fettsäuren. Das Samenöl der Früchte wird (in Kapselform) hauptsächlich bei Wechseljahrsbeschwerden einsetzt und hilft hier besonders gut gegen die unangenehmen Hitzewallungen – selbst erprobt! Kalt gepresstes Granatapfelsamenöl ist u.a. hervorragend zur Gesichts- und Körperpflege geeignet. Einige Tropfen dieses kostbaren Öls direkt in die Mimikfältchen einmassiert, sind für trockene, reife Haut ein wahrer Jungbrunnen. In Gesichtscremes eingearbeitet verbessern die enthaltenen Fettsäuren die Hautfeuchtigkeit und die Elastizität der Haut, hier kann man ebenfalls an die Pflege von Narben denken.

Zur Behandlung von Aknehaut vermischt man Granatapfelschalenmehl mit etwas Tonerde und Granatapfelsaft zu einer breiigen Paste, die als Maske auf die Haut aufgetragen wird. Etwa 10 Minuten einwirken lassen und anschließend mit warmem Wasser abnehmen. Auch in Produkten zur Säuglingspflege ist der Granatapfelsamenextrakt eine ideale Zutat.

Wichtig ist zu beachten – wenn man pures Granatapfelsamenöl verwendet – das Ölfläschchen wieder gut zu verschließen, denn die darin enthaltenen Fettsäuren sind sehr empfindlich gegen den Luftsauerstoff und oxidieren leicht – das Öl zersetzt sich. Auch die Aufbewahrung in einer dunklen Flasche ist entscheidend für seine Haltbarkeit, denn die Inhaltsstoffe sind sehr lichtempfindlich. Die einfachste Methode, den Granatapfel zu sich zu nehmen ist natürlich, sich einen fertigen Granatapfelsaft zu kaufen, der möglichst frei von Zucker, künstlichen Aromastoffen oder sonstigen Zusätzen sein sollte.

Frische Granatäpfel bekommen Sie bei uns hauptsächlich in den Herbst-Winter-Monaten. Die Frucht reift nach der Ernte nicht mehr nach und kann aufgrund ihrer ledrigen, schützenden Hülle problemlos im Kühlschrank über mehrere Wochen gelagert werden. Da unreife Früchte ziemlich sauer schmecken, empfiehlt sich ein Reife-Check: die Schale sollte tiefrot und glänzend sein und der „Klopftest“ sollte einen metallischen Klang erzeugen. Wer noch nie einen frischen Granatapfel gegessen hat, sollte vorab wissen: von der rundlichen Frucht sind nur die kleinen Kerne genießbar, das äußere Fruchtfleisch ist bitter und sollte nicht verzehrt werden. Die Kerne kann man allerdings komplett essen, entweder pur oder in Kombination mit schmackhaften Gerichten oder Getränken. Jetzt kommt noch das wie: jeder der ihn kennt und mag, weiß auch um die Schwierigkeiten, die Kerne aus der Schale zu bekommen, ohne in der Küche oder auf der Kleidung ein mittleres Chaos zu verursachen.

Hier jetzt noch zwei schöne Granatapfel-Rezepte:

Feldsalat mit Granatapfel
Für 4 Portionen 300 g Feldsalat putzen, kurz abspülen, trocknen, und, wenn erforderlich, in mundgerechte Stücke zupfen. Aus einem Granatapfel die Fruchtkerne herauslösen, in eine Schüssel geben und den Saft dabei auffangen. Eine Marinade aus 4 EL Olivenöl, 1 EL Essig,  1 EL Portwein und dem Granatapfelsaft anrühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken  – etwas durchziehen lassen. Alles über den Feldsalat geben, kurz mischen und die Granatapfelkerne darüber verteilen.

Putenbrust mit Granatapfel und Walnüssen
2-3 Putenbrüste waschen und mit einem Küchenkrepp trocken tupfen. Anschließend in heißem Fett von allen Seiten braun anbraten, dann das Fleisch weitere 3 min. braten. Mit Salz und Pfeffer würzen und auf einem Teller zur Seite stellen. Den Bratensatz zusammen mit 1/8 L Granatapfelsaft und 1/8 L Gemüsebrühe ablöschen. 200 g gehackte Walnüsse und 1 EL Rosinen zugeben. Nochmals mit Salz und Pfeffer, außerdem mit Curry würzen und    125 g Sahne zugeben. Das Fleisch in die Sauce geben und das Ganze noch etwas einköcheln lassen. Dazu passen Nudeln und ein grüner Blattsalat.

Nun hoffe ich, Ihnen richtig Lust auf diese „göttliche“, gesunde und schmackhafte Frucht gemacht und gleichzeitig die Angst vor der Zubereitung genommen zu haben.

Viel Spaß beim Experimentieren!

Ihre Apothekerin Simone Wagner

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