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Bürgerbegehren für eine schöne Aussicht

Im Gespräch mit Initiator Jürgen Brecht

Wer am Franziskanerplatz steht, dem offenbart sich nicht nur das schöne Kloster, sondern auch die schöne Aussicht über die Dächer Füssens. Viele Postkarten haben dieses Motiv. Diese Aussicht hat sicherlich auch der Firma Domus Sana GmbH aus Villingen Schwenningen gefallen, die unterhalb des Klosters ein großes Grundstück kaufte. Hier sollen nun Neubauten entstehen. Es spricht grundsätzlich nichts dagegen, zumal die Stadt Füssen dringend Wohnraum benötigt, wenn möglich auch noch erschwinglich.

Bis hierher ist auch alles in Ordnung. Wenn da nicht die Höhen der Gebäude wären, die weitaus höher sind als der Platz selbst. Jetzt soll das Ganze gestoppt werden, und zwar mit einem Bürgerbegehren. Jürgen Brecht ist es aufgefallen, dass ein Haus des Neubauensembles laut Satzung bei 1,88 Meter über den Franziskanerplatz liegen darf, und nicht wie in den Plänen dargestellt 1,48 Meter. Das würde bedeuten, dass die Aussicht dann keine Aussicht mehr ist, weil man nur noch Neubauten sehen würde. Jürgen Brecht, der zum Stamm der Likatier gehört, einer Gemeinschaft in Füssen, wollte das so nicht hinnehmen und initiierte gemeinsam mit dem Füssener Richard Wismath ein Bürgerbegehren. Viele Füssener stehen hinter den Beiden und unterstützen das Begehren.


Füssen aktuell traf sich zu einem Gespräch mit Jürgen Brecht.

Sie haben sich was getraut und viel Wind aufgewirbelt.
Dann habe ich es wohl richtig gemacht und mit mir viele andere Füssener auch.

Und das, obwohl Sie kein Füssener sind?
Ich lebe hier seit vielen Jahren und es ist mein Lebensmittelpunkt geworden. Man muss nicht Einheimischer sein, um sich für seine Stadt zu engagieren. Ich fühle mich auf jeden Fall als Füssener und dass ich auf dem richtigen Weg bin, bestätigen mir die vielen Unterschriften. Wir alle wollen die Besonderheit dieser Stadt schützen und dazu gehört dieser schöne Ausblick.

Wie viele Unterschriften haben Sie bislang sammeln können?
Es ist eine Anzahl die mich begeisert hat. Innerhalb nur einer Woche haben wir über 1.200 Unterschriften gesammelt. Jetzt sind es bereits über 1.500.

Wie viele Unterschriften werden für ein Bürgerbegehren benötigt?
Damit das Bürgerbegehren stattfindet, brauchten wir neun Prozent der Wahlberechtigten. Wenn man von den Wahlberechtigten im März 2014 ausgeht, wären das knapp 11.500, das sind etwa 1.050 Unterschriften.

Sind die Unterschriften bereits abgegeben?
Ja. Mein Anwalt hat schon einige Bürgerbegehren begleitet und meinte, dass jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist. Nun kann die Stadt innerhalb von 30 Tagen prüfen, ob das Bürgerbegehren erfolgreich war und ob sie sich die Ziele des Bürgerbeghren zu eigen macht oder nicht. In diesen 30 Tagen darf die Stadt keine Beschlüsse fassen, die den Zielen eines erfolgreichen Bürgerbeghren widerspricht.

Was passiert wenn das Bürgerbegehren nicht angenommen wird?
Dann kommt es zu einem Bürgerentscheid. Dafür sind dann 20 Prozent für einen Erfolg aller Wahlberechtigten notwendig. Deswegen ist es ganz wichtig, auch beim Bürgerbegehren so viele Stimmen wie möglich zu bekommen, so als ob es ein Bürgerentscheid wäre. Deswegen meine Bitte an alle Füssener Bürger, das Bürgerbegehren zu unterschreiben.

Ein Bürgerbegehren kostet viel Geld. Sie fhaben das alles finanziert. Ist es das wert?
Ein Juwel in der Altstadt ist viel mehr Wert als nur Geld, und wie ich bereits sagte, Besonderheiten dieser Stadt müssen gewahrt werden.

Es heißt, Sie wollen letzendlich einen Bau ganz stoppen. Ist das nicht unfair gegenüber den Grundstücksbesitzern? Neben Domus Sana GmbH sind auch die Füssener Gerda und Manfred Wagner Besitzer einer Parzelle unterhalb der Kirche. Immerhin haben sie schon in das Grundstück investiert?
Es ist kein Verhinderungsbegehren, es soll lediglich die maximale Bauhöhe eingehalten werden auf die Platzhöhe. Gerade als Füssner sollte man verstehen, dass so ein, im wahrsten Sinne des Wortes, hoher Bau nicht dort hingehört. Es sollte alles zur Relation stehen und ein harmonisches Bild ergeben.

Sie verstehen sich mit Bürgermeister Paul Iacob gut. Sie haben ihn auch immer unterstützt. Jetzt ist er bei diesem Thema etwas emotionaler. Verstehen Sie das?
Nein, nicht wirklich. Das manche verschiedene Interessen ausgelotet werden müssen ist ja auch legitim und verständlich. Es wäre sehr von Vorteil, wenn er manche Themen ruhiger kommunizieren würde.

Vielen Dank für das Gespräch.
Ich danke Ihnen.

Text: Sabina Riegger · Bild: Hubert Riegger

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