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Von Frau zu Frau

Neues Bildungswerk mit vielen Vorträgen und Seminarreisen

Stellen Sie sich vor, alles was Sie besitzen ist in einem Rucksack. Voll bis oben hin mit nützlichen und unnützen Dingen, Gedanken und Angewohnheiten. Er drückt, er ist schwer und sie können sich nicht trennen von alledem. Vielleicht ist es die Angst, die zur Vorsicht mahnt, die Ungewissheit,  vielleicht aber auch die Bequemlichkeit. Diese Metapher des Lebens im Rucksack hat auch Jason Reitmann in seinem Film „Up in the Air“ vortrefflich dargestellt. Goerge Clooney, sein Hauptdarsteller, half anderen Menschen ihren Rucksack zu entleeren.

Andrea Kühme ist das weibliche Pendant dazu. Sie hat Englisch, Psychologie und Theologie studiert und ihr Diplom in Sport gemacht. Einige Male moderierte sie Europas größtes Motivationsseminar. Sie ist Dozentin an der FH Kempten für angewandte Wissenschaften und sie ist ein Ass in punkto Kommunikation. Im Umgangsprachlichen würde man sagen, sie steht ihren Mann. Und genau das war es, was Andrea Kühme dazu bewegt hat, Mitstreiterinnen zu finden, um ein Frauenbildungswerk zu gründen. Nicht die Frau sollte ihren Mann stehen – vielmehr Frau bleiben dürfen. Eine neue Form der Emanzipation, auf die, so wie es scheint, schon viele Frauen lange gewartet haben.

Am 12. Juli gründete Andrea Kühme mit Marianne Jorde, Kathrin Maurer, Evi Lang und Renate Jung einen Verein mit dem Namen „Bildungswerk Von Frau zu Frau e.V.“. Themen wie „Geld und Erfolg macht auch Frauen glücklich“ oder „Kinder, die uns an den Rand bringen“ sind nur einige der vielen interessanten Seminare und Vorträge, die von den fünf Frauen angeboten werden. Die Fünf haben eines gemeinsam: Sie bewegen, haben vieles selbst erlebt und sind in dem, was sie tun, authentisch. „Genau das habe ich gesucht“, erklärt Andrea Kühme. „Ich wollte Frauen finden, die verstehen und Emotionen zeigen können. Jede von ihnen ist etwas ganz Besonderes.“

Die Seminarreisen

Dass sie zusammen passen, bewies die Seminarreise in die Türkei. 15 Teilnehmerinnen und fünf Trainerinnen waren eine Woche lang zusammen. „Für mich waren es unglaubliche sieben Tage, in denen ich viel gelernt habe, auch über mich“, erzählt Kathrin Maurer. Wenn Andrea Kühme über ihr „Herzensprojekt“ spricht, dann werden Emotionen spür- und sichtbar. Sie ist glücklich und erzählt über eine Teilnehmerin, die sich traute aus ihrem Rollstuhl aufzustehen und mit ihr ins Meer zu gehen. „Verstehen Sie, was ich damit sagen möchte? Manchmal brauchen wir einen Anstoß von außen, damit wir unser Inneres fühlen und uns trauen loszulassen“, sagt sie eindringlich. Die nächste Seminarreise ist im Oktober. Vorab lernen sich die Interessierten bei einem Teilnehmertreffen kennen. Ehemalige Teilnehmerinnen sind auch dabei, sowie die fünf Coaches. Bei der letzten Seminarreise waren alle Plätze ausgebucht.


Füssen aktuell sprach mit den Frauen über ihren Verein, quasi von Frau zu Frau:

Sie sind alle erfolgreiche Frauen in dem was sie tun. Warum war es nötig einen Verein zu gründen?
Andrea Kühme: Wir wollen zusammen arbeiten und unsere Ideen ausbauen. Unser Verein ist gemeinnützig und soll keine Gewinne erzielen, sondern kostendeckend arbeiten. Uns ist es wichtig, dass alle Frauen die Möglichkeit bekommen, an einem Seminar oder Vortrag teilnehmen zu können.

Sie sprechen von Emanzipation. Sind wir Frauen nicht schon emanzipiert genug?
Andrea Kühme: Nein, nicht wirklich. Es ist ganz wichtig, dass wir Frauen uns darstellen müssen, weil wir immer männlicher und nicht weiblicher werden und so die Männer verdrängen. Wir Frauen sind durch unsere Emanzipation in eine falsche Rolle, auch Aufopferungsrolle, geschlüpft. Ich merke das immer wieder im Coaching.

Renate Jung: Viele Frauen kommen in einem bestimmten Alter, ich nenne es das zweite Erwachsenenalter, an einem bestimmten Punkt, wo sie beginnen sich zu fragen: Was hat das Leben noch für mich parat? Die Kinder sind aus dem Haus, die Sache mit dem Mann ist auch nicht mehr prickelnd und all die Jahre über hat Frau vergessen, dass sie noch da ist und Bedürfnisse hat.

Katharina Maurer: Und da wollen wir ansetzen. Wir wollen Perspektiven und Möglichkeiten aufzeigen um den Inhalt des Rucksacks zu leeren und Platz für andere Dinge zu machen. Dann kann man seinem, bildlich gesprochen, Ziel leichter entgegen wandern oder laufen.

Marianne Jorde: Ich möchte noch einmal kurz auf Ihre letzte Frage bezüglich der Gründung des Vereines eingehen. Jede von uns ist auf ihrem Gebiet spezialisiert. Unser Wissen wollen wir gerne weitergeben zu einem vernünftigen Preis, den sich eine Hausfrau oder eine alleinerziehende Mutter auch leisten kann.

Ihr Verein bietet viele verschiedene Vortragsthemen an, unter anderem auch eine Seminarreise, die Sie als etwas ganz Besonderes bewerten. Warum?
Andrea Kühme: Weil es ein selbstintensiver Selbsterfahrungsprozess ist, den wir rund um die Uhr mitbegleiten. Wenn eine Teilnehmerin mitten in der Nacht das Bedürfnis verspürt reden zu wollen, dann sind wir da.

Ist das nicht ansrengend? Vor allem bei so vielen Frauen?
Andrea Kühme: (lacht) Ganz im Gegenteil. Es ist ein wundervolles Arbeiten.

Was versuchen Sie den Frauen zu vermitteln?
Andrea Kühme: Das es für eine Frau ganz wichtig ist aus dem Bauchgefühl zu leben, dass man sich als Frau schätzt. Frauen sind die besseren Männer, sie müssen sich nicht verstellen oder verleugnen. Eine Frau ist emanzipiert, wenn sie ihren männlichen und weiblichen Part bewusst leben kann.

Bildungswerk von Frau zu Frau e.V
Welfenstraße 35
87629 Füssen

Tel. 08362/9118925
E-Mail: info@vonfrau-zufrau.eu

www.vonfrau-zufrau.eu

Text: Sabina Riegger · Bild: privat

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