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Noch mehr Pflanzen zur Stärkung der Abwehrkräfte

Hilfe aus dem heimischen Garten

In der letzten Ausgabe habe ich Ihnen schon einige Pflanzen vorgestellt, die Ihr Immunsystem stärken und bei der Abwehr von Infekten helfen können. Manches davon war ursprünglich bei uns nicht beheimatet, aber selbstverständlich hatten schon unsere Vorfahren das Wissen über die Kräuter unserer Breiten, die ihnen halfen, gut durch die Herbst- und Winterzeit zu kommen. Diese Pflanzen finden sich in der freien Natur, aber auch in vielen Gärten und warten nur darauf, Beschwerden vorzubeugen oder sie zu lindern.

Hagebutte – Heckenrose
(Rosa canina)

Die auch Wildrose oder Apfelrose genannte Hagebutte gehört zur Familie der Rosengewächse und hat eine lange Tradition als Heilpflanze. Nicht nur die Tiere in der Natur haben diese „Powerfrüchte“, die auch oft wild an Weg- und Waldrändern wachsen, als Nahrung für sich entdeckt, sie werden bereits seit dem Mittelalter sowohl für medizinische als auch für kosmetische Zwecke  verwendet. In der griechischen Mythologie wird sogar besagt, dass die Liebesgöttin Aphrodite ihre Schönheit der Hagebutte zu verdanken hatte. Gesammelt wird sie am besten nach dem ersten Frost von November bis Januar. Sie enthält mehr Vitamin C als Zitronen und stärkt dadurch die Abwehrkräfte und schützt so den Körper vor grippalen Infekten. Die Gerbstoffe in der Hagebutte wirken auch positiv im Magen- und Darmbereich, zusätzlich besitzt sie eine harntreibende und blutreinigende Wirkung und unterstützt die Funktionen von Galle, Niere und Blase, da sie noch viele andere Vitamine und Mineralstoffe beinhaltet.

Der sekundäre Pflanzenstoff Galaktolopid kann die Bildung von neuem Kollagen und die Funktion des Knorpels positiv beeinflussen und wirkt gleichzeitig entzündungshemmend. Dies hilft vorbeugend bei Gelenkproblemen und kann Rheuma und Arthrose lindern. Neue Studien belegen hier die Wirkung eines standardisierten Extraktes ergänzend zur Schulmedizin, sogar bei chronischen Schmerzen.

Natürlich gibt es den Hagebuttentee aus den ganzen Früchten der Heckenrose und der als schmackhaftes Getränk zu jeder Tageszeit gilt (die „typische“ tiefrote Farbe kommt übrigens durch die  Beimischung von Malve oder Hibiskus, pur ist er eher blasser). Aber er kann auch äußerlich in Form von Aufgüssen, Umschlägen und Wickeln gegen Entzündungen der Gelenke eingesetzt werden. Bekannt ist auch der sogenannte „Kernlestee“, der gerade bei Erschöpfungszuständen seine Wirkung entfaltet. Zur allgemeinen Stabilisierung der Gesundheit empfiehlt es sich, eine 14 – tägige Kur mit dem Hagebuttentee zu machen. Die Kerne der Hagebutte werden gerne zu dem auch sogenannten „Wildrosenöl“ verarbeitet, das ein beliebter Bestandteil von vielen Cremes, Salben und Lotionen ist und die Regenerationsfähigkeit der Haut fördert.

Hagebutten-Rezept:
Hagebutten-Likör
Die gezuckerten Früchte eine Nacht durchziehen lassen. Anschließend kommen sie für 2 Monate zusammen mit der entsprechenden Menge Branntwein in ein größeres Gefäß. Danach kann man den Likör abfiltrieren und in kleinere Flaschen
füllen.

Thymian
(Thymus vulgaris)

Der Thymian ist bei uns hauptsächlich als Gewürz, besonders im Bereich der mediterranen Küche (z. B. Als Bestandteil der Mischung „Herbes de Provence“) bekannt. Aber seine Heilkräfte sollten nicht unterschätzt werden. Nicht umsonst gibt es den alten Spruch: „Der nächste Schnupfen kommt bestimmt, doch nicht zu dem, der Thymian nimmt“.

Bereits im Altertum war der Thymian sehr beliebt, da er einen aromatischen Geruch und eine keimtötende Wirkung hat. Aus diesem Grund benutzten ihn bereits die alten Ägypter zur Einbalsamierung ihrer Toten. Sowohl die Griechen als auch die Römer opferten ihren Göttern Thymian. Als Räucherung sollte er körperliche Kraft verleihen – der Name des Thymians kommt vom griechischen „thymos“, was so viel bedeutet wie „Mut, Stärke, Tapferkeit“. Deshalb nahmen die Legionäre vor einer Schlacht ein Bad in Thymian.  Aber auch nach dem Kampf, wenn Verletzungen behandelt werden mussten, kam der Thymian zum Einsatz, jetzt aufgrund seiner keimtötenden Wirkung. Seine ätherischen Öle wirken gegen Bakterien, Viren und Pilze. Die gleiche Wirkung machte man sich auch im Bettstroh von Wöchnerinnen zunutze, denn in Zeiten, in denen viele Mütter und Kinder nach der Geburt starben, war ein solches Mittel Gold wert.
Mönche brachten den Thymian aus dem Mittelmeerraum mit in unsere Breiten, seitdem ist er auch bei uns heimisch.

Gesammelt wird das Kraut während der Blütezeit und enthält neben vielen anderen  Wirkstoffen ätherisches Öl mit dem Hauptbestandteil Thymol, der mit dem Phenolfaktor 20 (einer Maßeinheit für den Grad der Keimhemmung) zu den am stärksten antibakteriell und antiviral wirkenden Substanzen zählt. Eingesetzt wird der Thymian hauptsächlich bei Erkrankungen der Atemwege und des Rachenraumes u.a. in Form von Tees, Tinkturen, Extrakten oder Bädern, die reizstillend, aber auch lösend wirken können,und auch bei Erkrankungen des Magen-Darm-Kanals, hier besonders bei krampfartigen Zuständen. Gerne wird er hier auch mit anderen Heilkräutern kombiniert. Äußerlich kann er als Waschung bei Wunden oder  Hauterkrankungen angewendet werden, da er schmerzlindernd, juckreizstillend und antiseptisch wirkt.

Brunnenkresse
(Nasturtium officinale)

Die auch Bitterkresse oder Wasserkresse genannte Pflanze verrät bereits ihre Eigenschaften: den bitter und senfig-scharfen Geschmack und den Fundort an Quellen, Flüssen oder Bächen mit fließendem, gemäßigt temperiertem und sauberem Wasser. Sie ist überall auf der Welt heimisch. In den Kräuterbüchern des Mittelalters wird sie erwähnt als wurmtötendes, blut- und harntreibendes Mittel. Was wir aber wissen, ist, dass sie durch ihre Senfölglykoside eine keimheimende und desinfiziernde Wirkung besitzt und gleichzeitig einen hohen Gehalt an Vitamin C enthält, warum sie auch in früheren Zeiten zur Behandlung von Skorbut eingesetzt wurde. Deshalb ist sie noch besser geeignet als Frühjahrskur, denn getrocknet verliert sie leicht ihren scharfen Geschmack.

Vorsicht ist allerdings geboten bei Magen-Darm-Erkrankungen, bei entzündlichen Nierenerkrankungen und bei der Einnahme von Blutgerinnungshemmern, außerdem sollten Kinder unter 5 Jahren sie nicht konsumieren.

Mit den besten Wünschen für eine schöne und gesunde Winterzeit,

Ihre Apothekerin Simone Wagner

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