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Der Depression davonlaufen

Mit Ausdauertraining Lichtblicke schaffen

Depressive Erkrankungen müssen heute zu den großen Zivilisationskrankheiten gezählt werden. Nach Schätzungen der WHO werden Depressionen im Jahr 2020 die zweithäufigste Krankheit weltweit (nach ischämischen Herzerkrankungen) sein. In den sogenannten entwickelten Staaten sogar die häufigsten. Schon jetzt sind Depressionen die häufigste Ursache für Lebensjahre, die mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung verbracht werden. Neuere Erhebungen des Robert Koch-Institutes zeigen, dass in Deutschland fast jede siebte Frau und jeder zwölfte Mann im Laufe eines Jahres eine depressive Phase durchlebt. Auch wenn es sich in den meisten Fällen um eine sogenannte „leichtere“ Störung handelt, bedeutet dies nicht, dass sie nicht  behandlungsbedürftig und ohne Folgen für die Lebensqualität des Betroffenen und die Gesellschaft ist.

Inzwischen wissen wir, dass depressive Erkrankungen enorme Kosten im Gesundheitswesen verursachen, da sie zu einer besonders hohen Inanspruchnahme medizinischer Einrichtungen führen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes beliefen sich die direkten Kosten für depressive Erkrankungen in Deutschland im Jahr 2002 auf insgesamt vier Milliarden Euro. Die indirekten Kosten dürften die direkten Kosten noch erheblich übersteigen. Depressionen sind auch ein relevanter Risikofaktor für die Chronifizierung anderer Krankheiten wie Koronare Herzkrankheit und Diabetes mellitus, und sie können Heilungs- oder Rehabilitationsprozesse zum Beispiel nach Schlaganfällen beeinträchtigen. Auch sind sie häufig der Grund für Arbeitsunfähigkeit oder sogar Frühverrentungen. Die Krankheitslast einer Depression für die Betroffenen ist erheblich und führt teilweise zum Suizidversuch beziehungsweise Suizid. So suizidiert sich etwa einer von sieben schwer depressiven Patient(inn)en. Auffällig ist, dass mehr Suizidversuche von Frauen unternommen werden, während vollendete Suizide häufiger bei Männern vorkommen.

Glückshormone selbst produzieren
Wie bereits erwähnt zählen Depressionen und Burnout zu den Volkskrankheiten Nummer eins. Wer unter Depressionen leidet, merkt sehr schnell, wie das alltägliche Leben dadurch beinflusst wird. Beziehungen und Freundschaften leiden darunter. Den Betroffenen fehlt Antriebskraft und Motivation – sie befinden sich im „Tal der Traurigkeit“, haben Konzentrationsprobleme und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit. Ein nicht verschreibungspflichtiges „Medikament“ rückt seit einigen Jahren immer mehr in den Fokus von Therapeuten und Wissenschaftlern: Ausdauersport wie zum Beispiel Joggen Radfahren, Indoorcycling, … Viele Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Bewegung neben Antidepressiva gegen Depression helfen kann. Sport soll Wunder bewirken. Eine klare Sache, denn während der sportlichen Betätigung werden Glückshormone frei, die sogenannten Neurotransmitter. Sie sorgen für unser Glücksgefühl genauso wie die Endorphine. Letztere wirken wie Stimmungsaufheller und helfen dabei, Stress und Anspannung abzubauen.
Doch mit einmal in der Woche ist es nicht getan. Um längerfristig einen positiven Effekt zu erzielen, ist die Regelmäßigkeit wichtig. Mindestens drei Mal in der Woche sollten Betroffene Ausdauertraining betreiben. Dass durch den Ausdauersport auch die körperliche Fitness gefördert wird, steht außer Frage. Viele Ärzte empfehlen Bewegung mit Freunden oder Gleichgesinnten. Dadurch steigt nicht nur die Motivation, sondern auch die sozialen Bindungen, die bei depressiven Menschen oft nicht mehr gegeben sind. Fakt ist allerdings auch, dass bei schweren Depressionen Ausdauersport alleine nicht mehr helfen kann.

Füssen aktuell sprach mit Dr. Klaus Senftl, Oberarzt  in der Psychosomatischen Klinik Buching.

Welche Effekt von Bewegung auf die Psyche gelten heute als gesichert?
Der positive Wirkeffekt von körperlichem Ausdauertraining in der Behandlung Depressiver Störungen ist seit mindestens 30 Jahren wissenschaftlich gut belegt und eindeutig nachgewiesen. So liegt die statistische Ansprech- oder Heilungsrate genauso hoch wie bei Psychotherapie oder einer med. antidepressiven Behandlung, nämlich bei ca. 60 %. Diese Zahlen decken sich mit meiner knapp 20 jährigen Erfahrung in der Behandlung im stationär- psychiatrischen bzw. -psychosomatischen Bereich.

Was bewirkt Bewegung im Gehirn?
Körperliches Ausdauertraining in einer bestimmten Dauer und Form hat einen nachgewiesenen positiven Effekt in der Steuerung und Regulation von bestimmten Botenstoffen im ZNS : Serotonin, Noradrenalin und Dopamin, die ihrerseits entscheidenden Einfluß auf das Entstehen einer depressiven Erkrankung haben.

Setzen Sie Bewegung in der Therapie von Depressionen auch als „Medikament“ ein?
Körperliches Ausdauertraining im Prinzip in jeder Form; bei uns in der Klinik haben wir besonders gute Erfahrung mit spezieller med.- therapeutischer Trainingtherapie im sogenannten aeroben Bereich
(Herzfrequenz zw. 120 u. 140 / min).

Welche Form der Bewegung empfehlen Sie?
Allgemein gesprochen ist Bewegung immer sinnvoll in der Behandlung depressiver Störungen. Bei besonders schweren Verlaufsformen können jedoch bestimmte Symptome  (z.B. Antriebsstörung oder Lustlosigkeit) so ausgeprägt sein, dass eine zusätzlich unterstützende Behandlung mit Medikamenten (spez. Antidepressiva) notwendig oder zumindest sehr hilfreich erscheint.

Wann gilt ein Mensch als depressiv?  
Hierfür gibt es genaue Einschlußkriterien, die schriftlich von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) festgelegt und dort auch für jedermann zugänglich und nachlesbar sind.

Text: FA,  Bild: Hubert Rieggerr

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