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Unsere Kräuter

Voll von Vitaminen und Mineralien

Anfang April habe ich mein Hochbeet auf das Frühjahr vorbereitet, das Schutzvlies entfernt, aufgeharkt, gedüngt usw. Zu meiner großen Freude waren meine letztes Jahr gepflanzten Kräuter in bestem Zustand, noch klein, aber voll Vorfreude auf den Frühling. Bei diesem Anblick ist mir das Thema für den neuen Artikel eingefallen: jeder weiß, dass Obst und Gemüse viele Vitamine und Mineralien enthalten, aber dass das auch für etliche Kräuter gilt, ist oft nur wenigen bekannt. Deswegen möchte ich Ihnen diesmal Kräuter vorstellen, die „die Nase vorne“ haben, aber auch, welche Irrtümer es in dieser Hinsicht gibt. Dass die genannten Kräuter noch viele andere Wirkungen haben, steht natürlich außer Frage!

Vitamin C in Kräutern

Basilikum: Außer Vitamin C enthält er noch viel Vitamin A und entzündungshemmende Substanzen. Er ist auch ein idealer Helfer bei Sodbrennen und Blähungen und stärkt das Verdauungssystem. Auch das Nervensystem wird gestärkt, Migräne gelindert und er leistet gute Dienste in der Frauenheilkunde. Besonders zusammen mit Tomaten entfaltet er sein unvergleichliches Aroma, das nicht nur die Freunde der italienischen Küche zu schätzen wissen.

Gartenkresse: Eine wahre Vitamin- C-Bombe. Außerdem enthält sie entzündungshemmenden Schwefel. Hier kann sie auch im Bereich der Harnorgane eingesetzt werden. Sie regt Appetit und Stoffwechsel an und wirkt aufmunternd bei Frühjahrsmüdigkeit. Die Atmung erleichternd kann sie Asthma lindern. Am besten verwendet man Kresse mit ihrem würzig scharfen Geschmack frisch auf Brot, Salaten, Kräuterquark oder -butter.

Schnittlauch: Ein idealer Vitamin C- und Eisenlieferant, der gerade jetzt die Frühjahrsmüdigkeit vertreibt und das Blut reinigt. Frisch gegessen entfaltet er seine beste Heilwirkung, wobei auch die Blüten gegessen werden können z.B. im Salat. Ebenfalls eine ideale Pflanze für die Fensterbank.

Kerbel: Zur Familie der Doldenblütler gehörend, wird er gerne in Gärten angebaut. Seine feingliedrigen Blätter schmecken wie eine Mischung aus Petersilie und Anis. Sein hoher Gehalt an Vitamin C und A machen ihn auch zum Heilkraut, er kann Erkältungen lindern und wird bei Kopfschmerzen und Gedächtnisstörungen eingesetzt. Frisch verwendet wird er in Salaten oder Kräuterquarks, aber auch in der berühmten „Grünen Soße“ ist er zu finden. Getrocknet verliert er an Aroma und Wirkung. Auch in Brennnesseln, Giersch, Knoblauchrauke und vor allem im Scharbockskraut befindet sich sehr viel Vitamin C.

Vitamin A in Kräutern

Melde, weiße: Die weiße Melde ist eng mit dem Quinoa, dem Getreide der Inkas verwandt. Ein weiterer Verwandter ist auch der Gute Heinrich. Außer Vitamin A enthält sie auch Vitamin C, Calcium, Magnesium, Kalium und Proteine. Die Samen können leicht abführend wirken. Ein wohlschmeckendes Mischgemüse kann man zubereiten aus je 2 Handvoll Weiße Melde, Rübenblättern, Mangold und Spinat klein geschnitten, mit einer Zwiebel in Butter gedünstet, gewürzt mit Ursalz, Pfeffer und Muskat. Zum Schluss einen Löffel Vollkornmehl mit Sahne verrühren und unterheben.

Petersilie: Sicher eines der bekanntesten Küchenkräuter. Es gibt sie in der „krausköpfigen“ Form oder als Blattpetersilie. Sie gibt verschiedenen Gerichten ein erfrischendes, würziges Aroma, man denke nur an die beliebten „Petersilienkartoffeln“. Mit ihren Nährstoffen regt sie die Verdauung an. Außer Vitamin A enthält die Petersilie hohe Gehalte an Calzium, Eisen, Vitamin C und Kalium.

Calcium in Kräutern

Viele Menschen denken, dass es wichtig ist, für gesunde Knochen viele Milchprodukte zu sich zu nehmen, um Osteoporose vorzubeugen. Nur leider werden Milchprodukte im Körper zu Säuren abgebaut, die durch den Stoffwechsel wieder neutralisiert werden müssen. Deshalb ist es besser, als Calciumlieferanten reife Früchte, Gemüse, grüne Blattsalate, Kartoffeln und eben auch Kräuter heranzuziehen, die nebenbei dem Körper außerdem die so wichtigen Basen liefern. Bei der Vorbeugung und Behandlung von Osteoporose können helfen:

Brennnesseln: Sie optimieren die Aufnahme und Einlagerung von Calcium und sorgen für einen gesunden Mineralstoffwechsel. Sie enthalten außerdem Eisen, Kalium, Magnesium, Mangan, Kieselsäure, sowie Vitamin C (Brennnessel enthält 30 Mal so viel Vitamin C wie Kopfsalat), die Vitamine des B-Komplexes, Vitamin K (wichtig für die Blutgerinnung), Karotinoide und viele andere, für den Körper wichtige Stoffe mehr und stärken so den gesamten Organismus. Viel Calcium enthalten außerdem Dill, Petersilie, Löwenzahn, Schafgarbe, Giersch, Bärlauch, Schnittlauch und Basilikum.

Magnesium in Kräutern

Magnesium ist ein für uns sehr wichtiger Mineralstoff mit weitreichenden Wirkungen. Nicht nur bei Wadenkrämpfen wird er eingesetzt, sondern auch wegen seiner entzündungshemmenden Eigenschaften bei Herzerkrankungen (Ablagerungen an den Arterienwänden) und anderen entzündlichen Prozessen. Kräuter mit einem besonders hohen Magnesiumgehalt sind:

Majoran: Die ursprünglich aus Südeuropa und Nordafrika stammende Pflanze war schon im Altertum als Heilpflanze bekannt. Bei uns wächst er kultiviert in Gärten und wird vorwiegend als Gewürz in der deftigen Küche verwendet. Er hilft, schwere Speisen zu verdauen, denn er stärkt die Verdauungsorgane. Außerdem kräftigt er die Menstruation und hilft gegen Erkältungen. Äußerlich angewandt kann er die Hautheilung fördern und Kopfschmerzen lindern, die traditionelle Majoran-Salbe wird bei Babys mit Blähungen und Schnupfen eingesetzt.

Salbei: Eigentlich im Mittelmeerraum heimisch, gedeiht er aber auch bei uns recht gut. Sein Spezialgebiet ist die zusammenziehende und desinfizierende Wirkung. Deswegen wird er häufig bei Halsentzündungen (hauptsächlich als Tee oder Salbeibonbons) eingesetzt und hat außerdem eine ausgesprochen schweißhemmende Wirkung. Auch fördert er den Stoffwechsel, hilft bei der Verdauung und stärkt den Magen. Wer es lieber kulinarisch mag, dem sei das wunderbare italienische Rezept des „Saltimbocca“ – Schnitzel mit rohem Schinken und Salbeiblatt ans Herz gelegt.
Auch der oben bereits genannte Basilikum verfügt über einen hohen Gehalt an Magnesium.

Eisen in Kräutern
oder die „Spinat-Lüge“

Generationen von Kindern wurde erzählt, dass Spinat besonders viel Eisen enthält, wozu auch der muskelbepackte Seemann „Popeye“, der sich mit Spinat in Form brachte, beigetragen hat. Leider stimmt es nicht, denn Spinat enthält nur etwa 2,2 Milligramm auf 100 Gramm. Der Irrtum entstand dadurch, dass von getrockneter Ware anstatt von Frischpflanzen ausgegangen wurde. Es gibt also Kräuter mit einem wesentlich höheren Eisengehalt:
Die schon vorher erwähnte Brennnessel enthält viel Eisen, ist also vitamin- und mineral-mäßig ein wahrer Tausendsassa. Auch der beliebte Basilikum ist ein guter Eisenlieferant, genauso wie der Kerbel.

Thymian: Der Name Thymian kommt möglicherweise von dem altägyptischen Wort „Tham“, das eine stark duftende Pflanze bezeichnete, die zur Einbalsamierung verwendet wurde. Der Thymian ist nicht nur eine interessante Gewürzpflanze, gerade in der französisch-provencalischen Küche ist er nicht wegzudenken, sondern auch eine wichtige Heilpflanze bei Erkrankungungen der Atmungsorgane und zur Desinfektion. Aber auch zur Stärkung der Verdauungsorgane, in der Frauenheilkunde, zur Beruhigung des Nervensystems, äußerlich bei Problemen des Bewegungsapparates und bei Hautproblemen ist er einsetzbar.

Sauerampfer: Der Sauerampfer gehört zu den Knöterichgewächsen. Er ist eine ausdauernde Pflanze mit einer langen Pfahlwurzel. Zur Verwendung in der Küche werden nur die Blätter sparsam verwendet, als Eisenlieferant dient aber die Wurzel, die außerdem Gifte aus dem Körper leiten kann. Dies geschieht sowohl über die Leber als auch über die Haut. Eingesetzt wird sie bei Akne, Ekzemen und anderen Hautkrankheiten und eben auch bei Blutarmut. Da es sehr mühsam ist, die Wurzel auszugraben, kann man sie sich auch getrocknet in der Apotheke kaufen.

Das kann natürlich nur ein kleiner Ausschnitt dessen sein, was unsere Kräuter alles zu bieten haben, aber ich hoffe, dass es Sie dazu anregt, sie noch vielfältiger, öfter und bewusster einzusetzen, denn sie haben so viel mehr zu bieten, als nur zu würzen oder sie als Gemüse zu verwenden. Und: Frische Kräuter aus dem eigenen Garten sind selbstverständlich ideal, aber auch der Balkon oder die Fensterbank sind nicht zu verachten. In diesem Sinne: Viel Spaß bei einer gesunden, vitaminreichen und schmackhaften Küche!

Text: Apothekerin Simone Wagner · Bild: Fotolia

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