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„Ich bin geerdet“

Maria Rita Zinnecker im Gespräch mit Füssen aktuell

Sich für den Posten als Landrat zu bewerben, erfordert viel Mut, Wissen und vor allem Fachkompetenz. Für Maria Rita Zinnecker ist es eine Herausforderung, die sie annehmen will. Nominiert wurde sie von ihrer Partei, der CSU und was für sie am allerwichtigsten ist, von ihrer Familie. Der Großteil ihres Umfeldes hat ihr Mut gemacht. „Meine Mitarbeiter haben zwar vollstes Verständnis, nur lassen sie mich ungern gehen. Sie wollen mich behalten und das freut mich sehr. Dann hab ich wohl einiges richtig gemacht“, sagt sie im Gespräch. Die studierte Ökotrophologin leitet seit 2010 das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kaufbeuren. Sie war vor ihrem Wechsel nach Kaufbeuren unter anderem im Gesundheits- und Landwirtschaftsministerium in München tätig.

Mit ihrem Wahlbus ist die 49-Jährige viel unterwegs. Sie will sich vorstellen, mit den Menschen reden. Dass sie in den vergangenen Jahren die Kreispolitik im Ostallgäu nicht mitgeprägt hat, scheint die Bürgerinnen und Bürger nicht zu stören. Im Gegenteil, das scheint eher von Vorteil zu sein. Sie wollen ihr ihre Sorgen und Nöte erzählen, sie um ihre Meinung fragen, sie wollen Lösungen und Ideen von ihr wissen. Maria Rita Zinnecker fällt es nicht schwer Kontakte zu knüpfen und mit Menschen zu reden. Sieben Jahre lang pendelte sie durch ganz Bayern und musste sich immer wieder neu orientieren. „Meine Arbeit hat es erfordert. Und ich habe viel daraus für mich persönlich entnehmen können“, so die Ökotrophologin. Damals schwankte Maria Rita Zinnecker zwischen Medizin-, Landwirtschaft-, Lehramt- und Ökotrophologie-Studium, bis sie sich letztendlich für das letztere entschied, weil es im Studium so breitgefächert war. Zinnecker ist noch kein Polit-Profi. Sie redet offen und direkt von ihren Wünschen und das, was sie erreichen will. Geprägt hat sie ihr Vater, ein engagierter Mann in der Gemeinde und den Vereinen. Als junges Mädchen arbeitete sie mit auf dem Milchviehbetrieb. Sie weiß, wo ihre Wurzeln sind.

Ihre berufliche Laufbahn begann sie 1992 nach Referendarzeit und Staatsprüfung an der Regierung von Mittelfranken. Anschließend war sie acht Jahre an den Landwirtschaftsämtern in Höchstadt, Forchheim und Mindelheim tätig. 2001 wechselte Zinnecker als Ernährungsreferentin an die Regierung von Schwaben, 2004 in gleicher Funktion ans Gesundheitsministerium. 2009 leitete sie im Landwirtschaftsministerium das Referat „Ernährungsstandards und Qualitätssicherung“. Maria Rita Zinnecker hat bewiesen, dass sie Ämter leiten und aufbauen kann. „Sie ist ein warmherziger Mensch“, so Landtagsabgeordnete Angelika Schorer über die Unterallgäuerin. Manfred Zinnecker ist der starke Mann an ihrer Seite. Seit 20 Jahren ist der Franke mit der Landratskandidatin verheiratet. Sie haben sich in Weihenstephan kennen gelernt und teilen ihre Liebe unter anderem zur Natur, Reisen, Bergwandern… und ihren beiden Katzen Sissi und Ramses.

Im Gespräch mit Maria Rita Zinnecker:

Wie reagierte Ihr Mann auf die Landratskandidatur?
Mein Mann kennt mich sehr gut. Er meinte, probier’s, sonst bedauerst du es noch in 20 Jahren. Natürlich hat man während des Wahlkampfes Höhen und Tiefen. Umso glücklicher bin ich, dass er an den Wochenendterminen häufig mit dabei ist.

Wie ehrlich muss die Politik sein?
Ich bin ein sehr ehrlicher Mensch. Man muss diplomatisch sein, Moderation und Interessenausgleich sind ganz wichtig und natürlich auch Transparenz. Und wenn mal was nicht geht, sollte man es sagen und nicht einfach wegstecken. Leider vertragen manche Menschen keine Ehrlichkeit.

Kann eine Frau anders leiten als ein Mann?
Nicht nur in der Politik. Ich behaupte mal, dass Frauen mehr Sozialkompetenz haben.

Wie sieht ihre Sozialkompetenz aus?
Ich habe das Prinzip „der offenen Tür“. Ich mag mittendrin sein und nicht darüber thronen. Ich will gemeinsam mit anderen bewegen. „Wer selber glänzt, kann auch andere glänzen lassen“ – das ist vielleicht ein schon weiblicher Spruch. Nur wegen des Geldes sollte man eine Position nicht übernehmen, das wäre für mich sekundär. Es sind die Aufgaben, die mich reizen.

Sie sagen, Sie sind bürgernah, wie definieren Sie das?
Ich rede mit den Leuten, höre sehr gerne zu. Ich nehme die Gespräche sehr ernst, denn den meisten geht es um ihre Sorgen und Nöte.

Das Ostallgäu ist ziemlich groß, kennen Sie den Landkreis gut?
Geographisch kenne ich ihn sehr gut. Mein Amt ist für das gesamte Ostallgäu zuständig, deswegen kenne ich auch die unterschiedlichen Strukturen. Die Bedürfnisse im Norden sind ganz anders als im Süden. Jeder schaut auf seine Interessen, das ist aber völlig normal.

Was reizt Sie am Ostallgäu?
Es ist die Struktur und die Menschen. Das Ostallgäu ist interessant und abwechslungsreich. Wenn man vom Allgäu spricht, dann ist für mich das Ostallgäu am schönsten.

Würden Sie sich als bodenständig bezeichnen?
Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen, ich bin in Vereinen aktiv – das hat mich geerdet, wenn Sie das meinen.

Das Interview führte Sabina Riegger
Bild: privat

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