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„Wir brauchen ehrenamtliche Mitarbeiter“

Jugendliche haben weniger Zeit, um sich sozial zu engagieren

Soziales Engagement ist heutzutage wichtiger denn je. Kaum eine soziale Institution kommt ohne die „freiwilligen Helfer“ zurecht. Doch so einfach, wie es sich anhört, ist es nicht. Sozial engagierte Menschen sind rar. Insbesondere die Zahl der Jugendlichen im Ehrenamt geht zunehmend zurück. Der Grund:  Schüler müssen heutzutage immer besser und schneller sein, sie müssen auf die wirtschaftlichen und bildungspolitischen Anforderungen reagieren, wie zum Beispiel die Umstellung auf  Bachelor- und Masterabschluss. Nach einer Studie des Forschungsverbundes Deutsches Jugendinstitut und der Technischen Universität Dortmund haben 73 Prozent der Jugendlichen keine Zeit, sich ehrenamtlich zu engagieren.  Etwa 46 Prozent fühlen sich durch ehrenamtliche Arbeit gestresst.

Dass sich diese Zahlen in vielen Bereichen bereits bemerkbar  gemacht haben, sind nicht von der Hand zu weisen. Auch im Seniorenheim St. Michael in Füssen fehlen sozial engagierte Helfer. Füssen aktuell sprach mit Mathias Stroeher, dem Einrichtungsleiter des Seniorenheimes über die Notwendigkeit Ehrenamtlicher.

FA_12_13_StroeherEs gibt fast keine Institution, die nicht auf das soziale Engagement der Bürger und Bürgerinnen angewiesen ist. Wie stark ist das Ehrenamt bei Ihnen im Haus ausgeprägt?
Das Engagement ist im BRK traditionell sehr groß, seit einigen Jahren fällt dieses auch im St. Michael erheblich ab. Es lassen sich kaum noch junge Generationen hierfür gewinnen.

Woran kann es liegen, dass Sie zur Zeit keine Freiwilligen finden, die sich im Seniorenheim St. Michael sozial engagieren wollen?
Ich denke, es liegt im Wesentlichen an zwei Gründen: 1. Menschen, die sich sozial engagieren möchten, tun dies zwar unentgeltlich, jedoch fordern sie zu Recht ein hohes Maß an Aufmerksamkeit von hauptamtlichen Mitarbeitern ein. Grund 2. ist, dass die Rahmenbedingungen von Arbeit in sozialen Bereichen , und in der Altenpflege erst recht, immer enger werden, so dass keiner mehr seine Arbeit an den und mit den uns anvertrauten alten Menschen gut und gewissenhaft erbringen kann – Gewissenskonflikte – Zeitdruck – Unzufriedenheit. Und dann ist da noch der Ehrenamtliche, dem Lob zugesprochen werden muss und auch soll, obwohl man dieses eigentlich selbst einmal wieder verdient hätte. Ein kleiner Teufelskreislauf, der sich nur auflösen lässt, indem man fest angestellte Mitarbeiter ausschließlich zur Betreuung, Planung, und Begleitung der ehrenamtlichen Mitarbeiter freistellt. Diese Stellen gewährt uns in Deutschland keiner, auch wenn es klug wäre. Vielleicht jemand, der ehrenamtlich die Ehrenamtlichen koordiniert?

Im benachbarten Tirol gibt es hauptberufliche Mitarbeiter, meistens ist es der Soziale Dienst, der sich um die Ehrenamtlichen kümmert. Sie planen, koordinieren und sind Anlaufstelle, wenn sozial Engagierte Fragen haben oder wenn sie mit einer Situation nicht klar kommen. Wie ist das in Ihrem Haus?
Bei uns gibt es hier keine Vorschriften, wer das tun soll, in der Regel ist es der Soziale Dienst, dessen MA heute allerdings so viele Pflichtvorgaben zu erfüllen haben, dass eine stressfreie, Zeit zur Verfügung stellende Betreuung nicht denkbar ist.

Gibt es eine professionelle Hilfe bei der Einarbeitung?
Die gibt es! Wir versuchen, die ehrenamtlichen Mitarbeiter nach unseren professionellen Konzepten zu begleiten.

Ab welchem Alter ist es möglich, sich bei Ihnen im Haus zu engagieren?
Ohne Altersbeschränkung!

Welche Tätigkeitsfelder bieten sich dem sozial Engagierten im St. Michael an?

Projektarbeit
Ehrenamtlichkeit auf Zeit Mitarbeit bei konkreten Projekten, wie: Bauliche Projekte (Garten, Aufenthaltsbereiche – Milieugestaltung / Lebenswelten Betreuung ausschließlich eines bestimmten Heimbewohners, Kooperation mit Schulen

Einzelbegleitung: Gespräche, Spaziergänge, Einkaufsbegleitungen ( Stadt, Markt, etc.), Arztbegleitungen, Behördengänge ( Hilfsstellung bei behördlichen Anträgen…), Ausflüge, Individualreise

Gruppenbegleitung: Bewegung:( Bedeutung zur Demenzverbeugung!), Gymnastik, Wandern, Yoga, Qi – Gong, andere Sportangebote Musik: gemeinsames Singen, gemeinsames Musizieren, Musik vorspielen, Chor, Wunschkonzert (Schallplatten) Tanzen/Theater/Malen/Meditation Gartenprojekte ( Demenz-gerechte Architektur, Brunnen, Teich…) Tierprojekte ( Tierbesuche, Betreuung von hauseigenen Tieren, Ställe fertigen Ausflüge ( Cafeausflüge, kulturelle Veranstaltungen, Orte der persönlichen Erinnerung, …) Video, – Filmvorführungen, Diavorträge… Erstellen von hauseigenen Videofilmen Literaturlesungen, erzählen, vorlesen Einfach da sein!

Frauen-spezifisch: Stammtisch, handarbeitliche Tätigkeiten ( nähen, sticken, basteln, Wäsche legen & bügeln, etc….) Vorbereitung für Weihnachts-, Osterbasare, kochen und backen

Männer-spezifisch: Stammtisch ( Bierstüble im Keller) Sportschaurunde / Sportrunde (gemeinsames Erleben von Sportereignissen am Fernseher), Karten- / Wirtshausrunden handwerkliche Betreuung

Text · Bild: Sabina Riegger

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