Menschen

„Mein Leben ist mein Hobby“

Ein politisch engagierter, junger Mann erzählt über sein Leben

Unterhalte dich immer mit älteren Menschen. Sie wissen vieles, was du nicht weißt und du weißt vieles, was sie nicht wissen! Diese Erfahrung macht die Reife aus!“ Diesen Satz hat sich Sven Karwath zum Lebensmotto gemacht. Etwas ungewöhnlich für einen 19-jährigen Abiturienten, der so ganz anders ist als Jugendliche in seinem Alter.

Vor über einem Jahr trat er in die SPD ein.  Auf diese kam er durch einen Freund, der zu dieser Zeit schon Mitglied war. Er merkte nach und nach, dass die Mitglieder der Partei deckungsgleiche Ideale und Vorstellungen hatten, wie er. Ein weiterer Grund, den Weg in die Politik einzuschlagen, war für Sven Karwath die gute Beziehung zu seiner Mutter. Als Sohn einer alleinerziehenden Frau hatten es beide nicht immer ganz leicht. Viele verschiedene Jobs machten es der Alleinerziehenden nicht immer leicht, ständig für ihren Sohn da zu sein. Sven Karwath lernte früh, Entscheidungen zu treffen. „Natürlich hat mich das alles geprägt, ich bin selbständiger geworden“, blickt er zurück. Das innige Verhältnis zu seiner Mutter ist immer noch da, trotz der räumlichen Distanz: Sie in Stuttgart und er hier. „Früher dachte ich immer, man muss später einfach ganz viel arbeiten, um viel Geld zu verdienen. Allerdings weiß ich heute, dass das ein Quatsch ist. Ich sehe es ja an meiner Mutter: Sie arbeitet sehr viel und hat auch mehrere Jobs gleichzeitig und trotzdem wird sie später einmal eine Rente bekommen, mit der sie an der Armutsgrenze leben wird. Das ist unfair.

Um etwas zu ändern, muss man viel sozialer denken, die sozialen Umstände müssen geändert werden“. Um genau das zu erreichen, trat der engagierte Pflegehelfer und Abiturient Ende 2012 der Partei der SPD bei und vertritt seither dort seine politischen Ideale. „Am wichtigsten in der Politik ist für mich der Grundrespekt. Man sollte die Menschen und Wähler durch eigene Argumente, Stärken und Ideen überzeugen können und nicht durch das Aufzeigen der Schwächen oder Fehler anderer. Das macht für mich die Verantwortung aus“. Diese Verantwortung zu tragen ist seiner Meinung nach auch für die aktuelle große Koalition sehr wichtig: „Wenn man schon die Chance hat, zu regieren, sollte man diese auch nutzen, aber auch die Verantwortung dafür übernehmen!“

Dass sich immer mehr Menschen gegen eine Wahlbeteiligung aussprechen, findet er sehr schade. „Ich möchte doch später mal nicht in einem Land leben, in dem die Wahlbeteiligung 50 Prozent beträgt. Das ist ein Armutszeugnis für die Demokratie!“. Seiner Meinung nach sollte man auch ein Jugendparlament in Füssen einführen, um das Interesse an der Politik weiter anzukurbeln.

Und was denkt der gebürtige Landsberger iüber einen Beitritt in den Stadtrat? „Wenn man mich fragen würde, ob ich dem Stadtrat beitreten möchte, würde ich Ja sagen. Sicher nicht weil ich denke, dass ich das nötige Know-How besitze. Ich finde nur, dass es viel zu viele festgefahrene Strukturen gibt, denen ein bisschen jugendliche Objektivität und junges, unverbrauchtes Denken nicht schlecht tun würde. Ein 50-Jähriger tut sich sicherlich schwer, sich in einen heutigen 15-Jährigen hinein zu versetzen, andersrum genau so. Am Besten fände ich deshalb eine Kombination aus „Jung und Alt“ im Stadtrat.“

Doch was macht Sven Karwath eigentlich, wenn er nicht gerade über politische Dinge nachdenkt? „Mein Traumberuf ist Fußballreporter“, lacht der 19-Jährige, „ich spiele selbst sehr gerne Fußball und kenne mich deshalb auch gut damit aus. Ich würde zu so einem Spiel einfach mal gerne meine Meinung sagen!“ Doch momentan bleibt das Fußball spielen nur ein Hobby.

„Ich bin zur Zeit Pflegehelfer in einem Altenheim. Ich finde es wichtig, mein eigenes Geld zu verdienen. Mein Abitur habe ich, wenn ich ehrlich bin, aus Faulheit nicht geschafft, deshalb ginge es gegen meine Prinzipien, wenn der Staat beispielsweise durch BAföG dafür aufkommen müsste“. Der junge Mann muss aus diesem Grund momentan zwar mit weniger Geld auskommen, trotzdem aber nicht auf vieles verzichten: „Ich habe mir schon während der Schulzeit die für mich wichtigsten Dinge durch Ferienjobs geleistet, weshalb ich jetzt nicht auf sie verzichten muss. Und darauf bin ich heute auch sehr stolz!“ Den wirklich richtigen Beruf für sich selbst hat er allerdings noch nicht gefunden: „Mir fällt es schwer, mich im Moment schon endgültig festzulegen. Ich finde es schwer, mit 20 schon zu entscheiden, was man vielleicht mit 40 immer noch machen muss!“ Und was ist mit seinen Hobbys? „Ich würde sagen, alles, was ich in meinem Leben mache, mache ich aus Überzeugung und weil es mir Freude bereitet. Man könnte also sagen, mein Leben ist mein Hobby!“

Text: Jessica Schwarz · Bild: Sabina Riegger

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