GesundheitLeben

„Hilfe von Betroffenen für Betroffene“

Der Förderkreis für krebskranke Kinder im Allgäu e.V.

Wenn Kinder Krebs bekommen bricht, eine Welt zusammen. „Ich dachte mir damals, anderer Leute Kinder bekommen Krebs, nicht meins. Das kann nicht sein“, erzählt eine Mutter. 1997 erkrankte ihr Kind an Krebs „und ich habe in dem Augenblick nichts verstanden. Alles was ich vernommen habe, drang zu mir wie durch einen Nebelschleier. Meine Beine konnten mich nicht mehr halten, ich sackte zusammmen“, erzählt sie heute. Damals war ihre Tochter sechs Jahre alt – viel zu jung zum Sterben. „Wo ist dieser Gott“, fragte sie sich damals.

Hermann Härtl kennt diese Situation der Machtlosigkeit, das Gefühl zu haben, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Heute geht es seinem Kind gut. Hilfe bekam er damals vom Förderkreis für krebskranke Kinder im Allgäu e.V., den es seit 1987 gibt.  Mittlerweile ist der gebürtige Füssener in der Vorstandschaft und setzt sich für andere betroffene Familien ein.

„Wird ein Kind krebskrank, bricht die ganze Familienstruktur zusammen. Es breitet sich Angst und Hilflosigkeit aus“, erzählt Hermann Härtl. Manche Familien zerbrechen an dieser, wie sie es oft nennen „unwirklichen Realität“, sie können nicht damit umgehen und benötigen Hilfe. „Doch viele Eltern trauen sich nicht, diese Hilfe anzunehmen, es ist eine Barriere da“, schildert Härtl. Hinzu kommen oft die finanziellen Engpässe. Nicht selten passiert es, dass ein Elternteil seinen Arbeitsplatz kündigen muss, damit das Kind versorgt werden kann. „Es ist eine schwierige Zeit. Unser großer Vorteil ist es, dass wir sehr unbürokratisch helfen können. Wir arbeiten alle ehrenamtlich, so dass jeder Cent für die betroffenen Familien verwendet werden kann“. Hermann Härtl erzählt über den 16-Jährigen Jungen, der Krebs hat und seine Spermien einfrieren lassen möchte. Das zahlt die Krankenkasse nicht.Vielleicht, wenn er gesund ist, möchte er mal Kinder haben – so hätte er die Chance dazu. „Es gibt Kinder die austherapiert sind (palliativ), dann zahlt die Krankenkasse vieles nicht, weil das Kind im Sterben liegt. Wir haben einen Fall, da gilt das Mädchen seit elf Jahren als austherapiert. Sie ist wie ein zartes Plänzchen und kann kaum selbst etwas machen und benötigte einen elektrischen Rollstuhl. Die Krankenkasse wollte es nicht zahlen, dann haben wir die Kosten übernommen. Das Mädchen ist 14 Jahre alt“. Noch viele andere Fälle listet Hermann Härtl auf. Die Schicksale sind traurig und berühren.

Einmal im Monat ist der Förderkreis für krebskranke Kinder im Allgäu e. V. auf der onkologischen Station in Augsburg. „Dort findet unser Familiencafé statt. Das heißt, wir bieten Kaffee und Kuchen an. Für die betroffenen Eltern ist es einfacher, mit jemanden zu sprechen, der das Gleiche erlebt hat, als mit jemanden, der geschult worden ist. Es ist eine ganz andere Basis da und vor allem Verständnis“. Härtl spricht von Isolation der Familien: „,In dieser Situation  sieht man, wer die wahren Freunde sind, und die „Schönwetter-Freunde“ fallen weg, weil es ihnen zu anstrengend wird, und weil es ein unangenehmes Thema ist. Es interessiert nicht, auf welche Schule ein Kind wechselt, oder ob es ein Problem mit einem Lehrer hat oder sonst irgendwas. Es relativiert sich alles in der Zeit“, erläutert der Familienvater. Mehr als 400 Familien konnten bislang vom Förderkreis unterstützt werden, doch nicht jede betroffene Familie kennt der Verein, der sich hauptsächlich durch Spenden und eigene Arbeit finanziert.

Die Sozialarbeiter in den Zentren arbeiten eng mit dem Förderkreis zusammen. Die Eltern werden während des Krankenhausaufenthaltes von ihnen betreut, danach kümmert sich der Verein um sie, auch um verwaiste Eltern, die ihr Kind durch die Krebserkrankung verloren haben. Monika Panzer, 1. Vorsitzende des Förderkreises für krebskranke Kinder im Allgäu e. V., hat die Ausbildung zur Trauerbewältigung gemacht. Nach dem Motto „Hilfe von Betroffenen für Betroffene“

www.foerderkreis-krebskranker-kinder-allgaeu.de
Infotelefon: 0157 303 222 90
Spendenkonto : 24023
Allgäuer Volksbank, BLZ 733 900 00

Text: Sabina Riegger· Bild: privat

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