Menschen

„Es gibt immer einen Ausgleich“

Hoppes Hockey-Outlet

Begegnungen mit Thomas Hoppe haben etwas ganz Spezielles an sich. Verschiedene Gefühle kommen gleichzeitig in einem hoch, und sie lassen sich nicht so gleich ordnen. Es ist, als ob alles in einem ist: Faszination, Anziehung, Unsicherheit, Neugier, … doch nur ein Anblick taucht bei ihm nie auf: Langeweile. Thomas Hoppe passt in keine Schublade rein – er ist etwas ganz eigenes, ein besonderer, eigensinniger Mensch – etwas geheimnisvoll, raubeinig und mit einer exzentrischen Art. Er ist Franke, in Aschaffenburg geboren und seit seinem 12. Lebensjahr in Füssen. „Es war für mich schwer hier Freunde zu finden oder überhaupt Anschluss“, erinnert er sich zurück. Das war 1967, keine leichte Zeit für den Blondschopf, der kurz zuvor seine Mutter Liliane an Multiple Sklerose verlor. „Sie war 37 Jahre alt und hinterließ sechs Kinder“, sagt er nahezu leise.

Als sein Vater, ein Unternehmer aus Aschaffenburg, nach Füssen kam, wurde er Gastronom und übernahm zunächst den Gasthof Mohren in der Reichenstraße, bevor er dann einige Zeit später das neu erbaute Soldatenheim pachtete. Thomas Hoppe fühlte sich in Füssen zunächst nicht wohl. „Saupreiß“ nannte man ihn in der Schule. „Das hat mir sehr weh getan. Ich fühlte mich verlassen und habe mich dann immer mehr zurückgezogen. Ich wollte mir selbst beweisen, das ich wer bin“. Wenn man ihn so sieht, weiß man, dass es nicht nur Phrasen sind, sondern dass  er das tut was er sagt. Vielleicht etwas derb oder hart im Umgang mit sich selbst, aber nur so hat er letztendlich das geschafft was er wollte: Von niemanden abhängig sein und sein Leben leben. Thomas Hoppe machte sein Abitur, ging zur Bundeswehr, brachte es bis zum Hauptmann, studierte Wirtschaftswissenschaften, absolvierte eine Einzelkämpfer- und Fallschirmspringerausbildung. Nicht zuletzt wurde er ein erfolgreicher Eishockeyspieler und Taekwondo-Kämpfer. „Ich wollte immer der Beste sein, weil ich es nicht ertrug, kritisiert zu werden“.

1979 wurde sein Ehrgeiz jäh unterbrochen. Es war kurz vor Weihnachten in Ulm. „Ich stand vor meinem Wagen am Straßenrand, als ein LKW um die Ecke bog und mich erfasste“. Thomas Hoppe wurde so schwer verletzt, dass man ihm keine Überlebenschancen mehr einräumte. Wie sollte jemand mit Schädelbasisbruch, Gehirnquetschungen und inneren Verletzungen jemals gesund werden? Jemand anderes hätte es wahrscheinlich nicht geschafft, Thomas Hoppe schon. Sein Überlebenswille war so stark, dass er nach 13 Monaten aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte, allerdings nicht ohne „Nebenwirkungen“, wie er heute sagt. Depressionen und Gleichgewichtsstörungen sind seine Begleiter.

Nichtsdestotrotz schrieb er gleich nach dem Krankenhausaufenthalt ein Buch. Es hieß „Die Situation des Deutschen Eishockey-Schiedsrichters“, und umfasste ein 150-seitiges Werk, eine wissenschaftliche Auswertung der seelischen und körperlichen Belastung der Schiedsrichter. Sein Buch machte große Furore, so dass Thomas Hoppe von Prof. Dr. Oswald Neuberger von der Uniklinik Augsburg die Möglichkeit bekam, eine Doktorarbeit  zu schreiben zum Thema „Handeln unter sozialem Druck und Zeitdruck“. Aus der Doktorarbeit wurde nichts und Thomas Hoppe  entschloss sich seiner körperlichen Genesung zu widmen. 1986 quittierte er das Soldatenleben im Range eines Hauptmanns der Reserve. Erst 1989 sollte seine Geschäftsidee endlich Früchte tragen. Er machte das, was er gut konnte und vor allem, wovon er eine Ahnung hatte: den Vertrieb von Eissportartikel. Seit 25 Jahren ist seine Firma ein Begriff unter den Eissportfans. Erst am Lagerhaus am Füssener Bahnhof, dann hinter der Post, dann am Kobelhang und jetzt direkt an der Arena. „Hockey Outlet“ heißt sein neues Geschäft, dass er erst vor kurzem eröffnete. „Ich habe wieder ein Ziel vor mir. Das brauche ich“, sagt er in seiner etwas schroffen, doch nicht unfreundlichen Art. Eishockey ist noch ein Teil seines Lebens geblieben. „Es ist das was mir immer noch Spaß macht“. Er kennt sich bestens mit den Materialien aus, weiß was ein Eishockeyspieler braucht. „Wir haben hier alles für den schnellen Sport. Es sind Top-Markenwaren“. Vieles ist in seinem Leben nicht so gelaufen, wie er sich das vorstellte. Außer seinem bislang größtem Erfolg „das ist mein Sohn Tiago. Für ihn bin ich dankbar. Er ist ein ganz toller Junge“.  Für seinen fast zwanzigjährigen Sohn  ist Thomas Hoppe stark, reißt sich am Riemen und lebt nach dem Motto: “Tue Gutes und dann wird dir Gutes widerfahren – und umgekehrt“. Sein Sohn wird bald seine Zahntechnikerlehre beenden, bevor er dann Zahnmedizin studiert. „Wenn man Liebe beschreiben könnte, dann sind es mein Sohn und ich“, sagt er zärtlich. Mit der Mutter seines Sohnes hat er immer Kontakt: Adriana, eine schöne Brasilianerin.

Thomas Hoppe hat die Polaritäten des Seins wie kaum ein anderer am eigenen Leib erfahren. „Für mich ist die Welt ein Geben und ein Nehmen, ein Heben und Fallen, ein permanentes Auf – und Ab. Es ist wie beim Sport. Einmal ist man der Gewinner und einmal der Verlierer. Es gibt immer einen Ausgleich“.

Text: Sabina Riegger · Bilder: privat

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