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Bäuerin und Beauty-Queen

Morgens Mistgabel, abends Model. Ein Kontrastprogramm, das Manuela Steiner ausgezeichnet miteinander kombiniert.

Gerade hier im Allgäu gibt es noch sehr viele landwirtschaftliche Betriebe, die größtenteils von Jungbauern betrieben werden. Ein knochenharter Job, keine Freizeit, stinkende Klamotten und in Gummistiefeln zum Shoppen gehen…ist das der wirkliche Alltag einer Bäuerin, wie man ihn auch aus diversen Fernsehsendungen kennt oder alles nur Klischee?

40 Kühe und 30 Stück Jungvieh geben jeden Tag um 6:00 Uhr den Ton an, wenn Manuela so früh am Morgen in den Stall Richtung Ussenburg fährt. In Rieden selbst, an ihrem Bauernhaus, gab es keine Möglichkeit zur Erweiterung und Modernisierung der Landwirtschaft, deshalb haben sie und ihr Mann vor einigen Jahren einen neuen Stall außerhalb des Ortes gebaut.

Fröhlich und gut gelaunt macht sich die 40-Jährige an ihre Arbeit und es scheint ihr auch noch richtig Spaß zu machen. Mit Gummistiefel, Latzhose und einer speziellen Stallmütze ausgerüstet, ist sie um diese Uhrzeit schon voll in ihrem Element, wenn sie sich liebevoll um die Tiere kümmert. Seit ich mich erinnern kann, wollte ich immer schon Bäuerin werden, sagt sie lachend und ich bin mir zuerst nicht ganz sicher, ob sie das wirklich ernst gemeint hat, da Manuela als gelernte Bürokauffrau auch in ihrer Kindheit keinerlei Berührungspunkte mit der Landwirtschaft hatte. „Doch, doch….es ist wirklich so, versichert sie mir. Es war schon  immer mein großer Traum, irgendwann einmal einen eigenen Bauernhof und ganz viele Tiere zu haben“.

Heutzutage „Bäuerin als Traumberuf“ zu sehen, überrascht mich doch sehr. Vor allem dann, wenn man Manuela kennenlernt, die irgendwie so gar nicht in die Schublade des vermeintlichen „Bauernklischee‘s“ hineinpasst.

Rötlich gelockte, wunderschöne lange Haare, strahlend blaue Augen und eine selbstbewusste modisch gekleidete Frau entsprechen nicht ganz dem vermeintlichen Bild einer Landwirtin. „ Ja, ja ich weiß schon“, wir Bauern werden immer noch als dumme und sehr einfach strukturierte Menschen dargestellt.  Aber das ist ihr egal, sie ist sowieso anders als andere. Ich frage sie, warum diese Vorurteile immer noch so stark in der Gesellschaft präsent sind und ob Fernsehsendungen, wie „Bauer sucht Frau“ völlig übertrieben dargestellt werden. Manuela lacht, weil sie die Serie natürlich „heimlich“ verfolgt und tatsächlich noch sehr viel Wahrheit in den Geschichten steckt, obwohl man das manchmal gar nicht glauben kann.
Die schwere Arbeit auf dem Hof ist trotz maschineller Erleichterung kein Zuckerschlecken und es bleibt kaum Zeit für die wirklich angenehmen Dinge im Leben, wenn der Alltag gerade im Sommer oftmals erst spät am Abend endet. Eigene Bedürfnisse müssen größtenteils hinten angestellt werden und kommen bei den meisten viel zu kurz, es sei denn, man heißt Manuela Steiner. Bei der zweifachen Mutter scheint das alles  ganz anders und mühelos zu funktionieren. Wahrscheinlich liegt es an der lebenslustigen und positiven Einstellung, mit der Manuela die landwirtschaftlichen Tätigkeiten mit Bravour meistert und ganz nebenbei auch noch zwei Ferienwohnungen betreut. Ihre Urlaubsgäste nimmt sie schon frühmorgens mit in den Stall und erklärt den „Städtern“ herzlich mit einer Engelsgeduld, woher die Milch wirklich kommt und dass die Kühe auch im Allgäu nicht lila sind. Nach der Stallarbeit ist es für sie eine Selbstverständlichkeit, erst einmal zu duschen, morgens und abends. Ihre langen Haare wäscht Manuela in der Regel nur einmal am Tag, da diese speziell konzipierten Stallmützen mittlerweile doch sehr viel Geruch fernhalten und sie dadurch etwas mehr Zeit für andere Hobbys hat.

Die dürfen bei ihr keinesfalls zu kurz kommen, vor allem, wenn es sich um ihre Theatergruppe Rieden handelt. 1993 wurde das Theaterspielen zur großen Leidenschaft und ihre Rollen sind sehr vielseitig, von der Geliebten bis hin zum Dorftrottel, „dea it ganz bacha isch“! Sie will die Leute zum Lachen bringen, nicht nur auf der Bühne, daher macht sie „o jeden Scheiß mit“. Das hat 2008 sogar der Fernsehsender SAT 1 mitbekommen und mit ihr kurzerhand eine Vorher-Nachher Reportage fürs Frühstücksfernsehen gedreht. Die Resonanz war riesengroß und irgendwie ist das Image der „Bäuerin und Beauty-Queen“ bis heute an ihr hängengeblieben. In Dänemark hat sie mit diesem Kontrastprogramm sogar einen Modellwettbewerb gewonnen, worauf sie wirklich stolz sein darf.

Eine Bäuerin, die ganz nebenbei, wenn es die Zeit erlaubt, auch noch modelt, ist eher außergewöhnlich. Das ist auch so ziemlich ihr größter Wehmutstropfen, dass die Zeit für sämtliche Freizeitaktivitäten sehr begrenzt ist und ihre Freundinnen viel zu kurz kommen. „Das macht mich manchmal schon ein wenig traurig, weil wir mit unserem Hof immer angebunden sind“. Sie würde so gerne wieder mal verreisen, aber das ist organisatorisch kaum zu bewältigen, weil so viele verschiedene Bereiche abgedeckt werden müssten und wir letztendlich dann doch meistens zu Hause bleiben. Ein Ziel lässt sie allerdings nicht aus den Augen. „Mein größter Wunsch ist es, einmal nach Irland zu fahren“, kommt es ihr fast schon etwas wehmütig über die Lippen und mit meinen Freundinnen ein Wellnesswochenende machen, wäre auch ganz toll. Einfach mal alles stehen und liegen lassen, nicht darüber nachdenken müssen, Koffer packen und weg. „Die Spontanität bleibt auf der Strecke, aber dafür bin ich jeden Tag trotz allem mein eigener Chef und das ist mir noch mehr wert“, sagt sie mit voller Überzeugung. Wenn ich Entspannung brauche, gehe ich zum Wildkräuter sammeln in den nahe gelegenen Wald oder fahre einfach mal auf einen Cappuccino in die Stadt, aber niemals in Jogginghosen, lacht sie. Das ist für die quirlige Bäuerin undenkbar, wo sie doch sehr viel Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild legt und ein Faible für Schuhe und Schmuck hat.
„Ich bin glücklich mit meinen ganzen Tieren und der vielen Arbeit auf unserem Bauernhof“, versichert sie mir und ich bin mir sicher, dass das kein Märchen ist, auch wenn Manuela zusätzlich ausgebildete Märchenerzählerin ist.

Text: Tanja Hiebsch · Bild: Sabina Riegger

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