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Auberginen und Honigmelonen – made in Aitrang und in Füssen verkauft

Mit einer cleveren Idee und viel Idealismus gelingt es Daniel Oettermann ungewöhnliche Obst- und Gemüsesorten auf seinem Biobauernhof zu ziehen. Die unter den strengen Vorgaben von Demeterverbandes auf dem Grasserhof produzierten Lebensmittel werden dann über regionale Bioläden wie Naturkost Möller in Füssen vertrieben. Vom Feld in den Einkaufskorb, eine Geschichte, die in Zeiten der immer wiederkehrenden Lebensmittelskandale Mut macht.

Kurz hinter Aitrang, weite Felder. Salat, Kohl und Kohlrabi sind auf den ersten Blick erkennbar. Mittendrin liegt idyllisch der Grasserhof. Daniel Oettermann hat diesen seit 2008 gepachtet und seinen Traum vom eigenen Biobauernhof verwirklicht. „Angefangen haben wir mit ein paar gängigen Obst- und Gemüsesorten. Inzwischen pflanzen wir alle zwei Wochen 7.000 Setzlinge und die Produktpalette ist breiter geworden. Salate, Kohl, Zucchini und Kräuter aller Art wachsen auf sieben Hektar Fläche“, erzählt der gebürtige Kasseler stolz. 2009 entstand die Idee, die Wärme, die als Abfallprodukt auf der auf dem Hof vorhandenen Biogasanlage entweicht, zu nutzen und Daniel Oettermann kaufte sein erstes Gewächshaus. Über einen Zulauf wird die Wärme in die inzwischen drei Gewächshäuser mit insgesamt 2500 Quadratmeter abgegeben. Auberginen, Tomaten, Honigmelonen, Gurken und Paprika wachsen hier. „Die Pflanzen gedeihen prächtig und gegen Schädlinge werden gezielt Nützlinge ausgesetzt. Die strengen Auflagen von Demeter und der EU für die Biozertifizierung verbieten den Einsatz von Chemikalien jeglicher Art. Mindestens einmal im Jahr wird der Betrieb kontrolliert“, erklärt der überzeugte Biobauer. Bio liegt Daniel Oettermann im Blut. Bereits seine Eltern haben seit 1982 einen Biobauernhof unter dem Siegel von Demeter.

„Für mich ist Bio die einzige Wahl. Wenn man weiss, was in der konventionellen Lebensmittelherstellung gemacht wird, denkt man anders. Klar esse ich auch gerne mal Fastfood, aber nach dem Essen komme ich ins Grübeln, was ich da eben gegessen habe“, sagt Daniel Oettermann kritisch. Seine Kunden geben ihm recht. Inzwischen fährt der Lieferservice, der von seiner Lebensgefährtin geleitet wird, fast täglich in die unterschiedlichen Regionen des Allgäus und beliefert Privatkunden und Wiederverkäufer. Auch der Hofladen kann sich über steigende Resonanz freuen. „Ich biete meinen Kunden inzwischen über 7.000 Artikel in Bioqualität in unserem Biomarkt in Marktoberdorf an. Auch die Preise überraschen viele Kunden. Beim direkten Vergleich sind wir nicht viel teurer als übliche Supermärkte. Mit den Discountern können wir nicht mithalten, aber hier muss man sich auch im Klaren über die Qualität, die Herkunft und die Entstehung der Produkte sein“, so Daniel Oettermann.

Der Boden darf nicht auslaugen

Ein Punkt liegt dem mutigen Biobauern besonders am Herzen – die Pflege des Bodens. „Der Boden schenkt dem Obst und Gemüse Nährstoffe damit es gut gedeiht. Also muss dem Boden im Gegenzug immer wieder Material zugeführt werden. Ich pflanze zum Beispiel nährstoffreiche Pflanzen und arbeite diese nach der Ernte in den Boden ein. So dünge ich natürlich. Auch ein Pflanzplan ist wichtig, damit der Boden nicht auslaugt. Dieser wird von Demeter streng kontrolliert“, sagt er verantwortungsbewusst. Auf die Frage, wie er seinen Betrieb in Zukunft gestalten will, hat Daniel Oettermann eine umwerfende Antwort parat: „Einfach machen! Der Boden und die klimatischen Verhältnisse werden mir die Grenzen des Möglichen schon aufzeigen. Natürlich muss dies in einem wirtschaftlich vertretbarem Rahmen geschehen, aber ich bin schon sehr neugierig, was z.B. in den Gewächshäusern noch angebaut werden kann“, erzählt er freudig.

Ökologisch vertretbare Wege

Ortswechsel – Füssen, Augsburger Strasse. Am frühen Morgen fährt ein Lieferwagen vor und entlädt Obst und Gemüse frisch vom Feld. Christian Möller steht bereits parat, um die frische Ware in Empfang zu nehmen. Sechs Mal die Woche kommen Lieferungen aus der Region, unter anderem vom Grasserhof in Aitrang. „Im Sommer beziehe ich 60 Prozent der Frischwaren aus der Region Marktoberdorf, Getreide kommt aus Buchloe und der Käse aus der Region. Kiwi, Kirschen und zum Teil die Aprikosen bekomme ich von meinem Bruder Michael Wasler aus Südtirol. Mir ist wichtig, dass unser Obst und Gemüse einen ökologisch vertretbaren Weg hinter sich hat. Alle Produkte, die ich verkaufe, müssen biozertifiziert sein – bio und basta, etwas anderes verkaufe ich nicht“, sagt Christian Möller aus vollster Überzeugung heraus. Für ihn ist die EU-weite Regelung von Bioprodukten durch das Biosiegel sinnvoll. „Der Kunde weiß auf einen Blick, dass er sich auf die Qualität der Produkte verlassen kann. Auch wenn saisonbedingt Produkte aus dem Ausland zum Verkauf angeboten werden, ist eine verlässliche Basis gegeben. Zusätzlich geben die strengen Vorschriften der Anbauverbände, wie zum Beispiel Demeter, dem Kunden Sicherheit und Vertrauen“, so Christian Möller. Seine Kunden geben dem engagierten Geschäftsmann recht.

Seit nunmehr über 20 Jahren gibt es Naturkost Möller und inzwischen ist sogar ein kleines Café angeschlossen. Dies liegt Christian Möller sehr am Herzen, da es seinen Kunden Raum gibt, sich zu auszutauschen. Den persönlichen Kontakt zu seinen Kunden und Lieferanten pflegt er bewusst. „Die Bestellungen der Frischware übernehme ich immer persönlich. So weiß ich über das Angebot der Lieferanten Bescheid und kann bei eventuellen Kundenreklamationen helfen. Auch freue ich mich über persönlichen Kontakt zu meinen Kunden. Mein Team und ich bekommen viel positives Feedback und das motiviert.“

Ebenso wie Daniel Oettermann liegt Christian Möller als diplomiertem Agraringenieur die Gesunderhaltung der Landwirtschaft  sehr am Herzen. Er schätzt die antroposophische Denkweise, die zum Beispiel  auf dem Grasserhof umgesetzt wird. „Wer aus der Natur etwas nimmt, muss es ihr auch wieder zurückgeben. Schließlich sollen noch viele Generationen auf dieser Erde glücklich leben. Gedanken, wie dies gelingen könnte, mache ich mir oft“, sagt Christian Möller nachdenklich. Der Illusion, dass Bio automatisch eine „heile Welt“ bedeutet, sollte man sich nicht hingeben. „Auch konventionelle Bauern handeln verantwortungsbewusst, aber gehen eben einen anderen Weg. Es wäre falsch und in der heutigen Zeit schwer umsetzbar, sich radikal auf Bio zu versteifen.“ In diesem Punkt sind sich Daniel Oettermann und Christian Möller einig. Ihre Kinder werden zu einem bewussten Umgang mit Lebensmitteln in Bezug auf deren Entstehung und Herkunft erzogen. Aber es ist auch in Ordnung, wenn zum Beispiel auf Kindergeburtstagen oder bei Oma und Opa keine Biolebensmittel verzehrt werden. „Die Liebe und Hingabe zu biologischen Lebensmitteln sollte die Lebensqualität und Lebensfreude nicht einschränken, sondern ergänzen. Wenn man sich zu etwas gezwungen fühlt, versucht man über kurz oder lang auszubrechen.“ Und so trifft man Christan Möller auch mal im Restaurant und Daniel Oettermann beim Burgeressen in einer Fastfoodkette.

Text: Stephanie Derday · Bilder: Sabina Riegger

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