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Ein Füssener Fachgeschäft hört auf

„Alles hat seine Zeit“

Es muss 1959 gewesen sein, vielleicht aber auch 1961, als Max Eichhorn mit dem  Musikgeschäft in der Schwangauer Straße anfing. Jetzt, nach 54 Jahren, zieht sich der 86-jährige Musiker aus dem Geschäftsleben zurück. „Alles hat seine Zeit“, sagt er und schaut auf die Musikinstrumente. Ganz leicht, fast unbemerkt streicht er über das Gehäuse einer Gitarre und meint: „Die Leute kaufen im Internet. Da kann ich nicht mithalten.“

„Das Eichhorn“ schaut immer noch so aus wie in den guten alten Tagen. Die grüne Eingangstüre ist immer einen Spalt breit geöffnet. Hier gaben sich die Musiker die Klinke in die Hand. Das Geschäft hat einen eigenen Charme mit dem quietschenden Boden, der niedrigen Decke und dem kleinen Fenster, mit dem Blick auf den Lech und das Hohe Schloss. Die Zeit ist hier stehen geblieben. „Es waren tolle und aussergewöhnliche Jahre, in denen ich viel lernen durfte“, erzählt er lachend. Um so schwerer fiel ihm der Gedanke, sein Geschäft aufzugeben. „Doch jetzt freue ich mich darauf. Ich werde nach wie vor Musik machen und weiter Malen. Erst vor kurzem habe ich wieder zwei Aufträge für meine Portraitmalerei bekommen.“ Für den 86-jährigen hatte das Geld nie eine große Bedeutung gehabt, denn sonst hätte er sein Geschäft schon früher schließen müssen. „Zahlen sind belanglos, was zählt ist das Hier und Jetzt“. Eine Einstellung, die dem gebürtigen Schweizer geholfen hatte, dem Leben positive Seiten abzuschauen.  „Jeder Tag ist anders und man muss ihn nehmen wie er kommt“, sagt er lächelnd. „Jammern können wir dann immer noch später.“

„Noch ist viel zu tun. Die Ware muss ausgezeichnet werden. Eine gute Freundin hilft mir dabei.“ 50 Prozent Rabatt bietet er auf alles an. „Es muss alles raus“, sagt er etwas besorgt. Denn so ganz wohl ist es ihm bei diesem Gedanken nicht. Später, wenn der Ausverkauf vorbei ist, dann will er ein kleines Konzert geben, vielleicht sogar in seinem Geschäft so als „Ladenabschlusskonzert“ wie er meint, mit einigen guten Freunden. Viele Musiker haben ihn eine Zeit lang auf seinem Weg begleitet. Catherina Valente, Hugo Strasser, Max Greger, … die Namen sind großartig und ihre Musik auch. Abgehoben ist Max Eichhorn dennoch nie. „Es hat mich beflügelt, ich war stolz, dass ich mit jemandem spielen durfte, der so berühmt war.“ Heute ist er das auch. Kaum einer im Füssener Land und Ausserfern, der ihn nicht kennt. Immer noch kommen die Fans, um ihn und seine Max Eichhorn Combo zu hören. Dann sind wahrscheinlich andere stolz, wenn sie sagen: Ich habe mit Max Eichhorn spielen dürfen.

 

Text · Bild: Sabina Riegger

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