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Eine Hommage an die Herausforderung des Lebens

„Weil i so bin wie i bin“

Wo sie auch hingeht, sie fällt auf. Es sind die blitzenden und wachen Augen, mit welchen sie neugierig ihr Gegenüber mustert, ein wenig schelmisch, vielleicht sogar belustigend.  Sie ist ein Allgäuer Temperamentsbündel, die Dialekt spricht, weil es so schöner ist „gmiatlicher und weil i so bin wie i bin“, meint sie lachend.

Die Tourismuschefin in Roßhaupten, der Gemeinde mit dem Drachen, den der Heilige Magnus um das Jahr 750 tötete, ist fasziniert von der Geschichte ihres Dorfes. Sie will einiges vorantreiben, Roßhaupten in der Masse von touristischen Angeboten besser positionieren. Kultur und Geschichte, aber vor allem Menschen haben Ursel Jörg immer schon begeistert. „Ich brauche diesen Kontrast und die Herausforderung Neues zu erleben und zu sehen. Mich begeistert einfach so vieles“, schwärmt die 51-Jährige. Sie ist das was man einen emotionalen Menschen nennt.

Lachen und Weinen liegen bei der Allgäuerin dicht beieinander.

„Meine Eltern waren für mich Wärme und Emotionen. Sie haben mich zu dem gemacht, was ich bin.“ Es ist kein ungewöhnlich Satz. Schließlich sagen das viele Kinder über ihre Eltern. Man wird als Kind geprägt von der Umgebung, von den Menschen, die einem ganz nah sind. „Ich habe Glück gehabt, dafür bin ich dankbar“, sagt sie ernst. Sie war das „Türkenweib“ in der Schule, weil sie dunkles, krauses Haar hatte und dunkler war als andere. „Kinder sind einfach direkt, um nicht grausam zu sagen. Wenn ich nicht will, dass jemand meine Gefühle sieht, dann bin ich ein Meister, sie zu verstecken.

Das habe ich früh gelernt“. Für ihre Eltern war sie „ihre Ursel“, das Wunschkind. Es war ihnen egal, dass ein Teil ihrer Wurzeln in Afrika ist. Zuhause ist da, wo sie waren, in Füssen, als das Gastwirte-ehepaar vom „Soldatenheim“.

„Ich bin im Lokal mit aufgewachsen. Wenn man Eltern in  der Gastronomie hat, dann lernt man das Arbeiten. Das hat mich schon geprägt, aber nur positiv. Ich hatte immer Geld.

Außerdem lernt man die Dienstleistung und die Menschen besser kennen und dass ein Lächeln mehr bewirken kann als Zorn. So nach der Art „Gib dem beasen Hund zwei Brocka“, wobei ich sagen muss, dass ich manchmal mit meiner Art hart an der Grenze des Zynismus bin. Aber so bin ich“, lacht sie wieder und man versteht sofort was sie meint, als sie sagt: „Ich bin schwarz und katholisch erzogen, aber viel ist nicht geblieben“. So ganz stimmt das nicht, denn der Glauben gibt der 51-Jährigen einen gewissen Halt. Es ist „ihr“ Gott, dem sie als Kind mit einer Frömmigkeit begegnet ist und eine ganz eigene Sichtweise erhalten hat.

Für Ursel Jörg erübrigt sich die Frage, ob sie zufrieden ist. „Ich habe alles – das ist meine Familie und gute Freundschaften. Für mich ist das Lebensqualität. Ohne geht es nicht. Manchmal gibt es auch Zeiten wo nicht alles so bequem ist, wie man sich das vorstellt. Doch was ist schon bequem? Es ist eine wunderbare Herausforderung und das macht es so furchtbar spannend“.

Text · Bild: Sabina Riegger

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