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„Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung war nicht immer einfach“

Im Gespräch mit Klaus Keller

Klaus Keller war 30 Jahre erster Vorsitzender der Werbegemeinschaft Füssen. Am 21. Februar 2013 finden die Neuwahlen statt, allerdings ohne der Kandidatur von Klaus Keller. Frischer Wind soll nun das „eingestaubte Image“, so nannte es ein Vorstandsmitglied der Werbegemeinschaft, zu einem modernen und zukunftsorientierten Verein führen. Füssen aktuell sprach mit Klaus Keller über die Vergangenheit und die Spannung zwischen ihm und der Verwaltung, aber auch über die Zukunft des Vereines.

Sie wollen nicht mehr kandidieren, weil Sie den „Jungen“ den Vortritt lassen wollen. Ist das wirklich der eigentliche Grund?
Es gibt verschiedene Gründe, die mich bewegen, für dieses Amt nicht mehr zu kandidieren.
a) 30 Jahre Arbeit in der Vorstandschaft ist sicherlich genug.
b) Meine gerade direkte Art ist mancher Führungskraft in der Verwaltung unangenehm, darum ist die Zusammenarbeit mit ein paar wenigen Führungskräften der Verwaltung nicht immer einfach. Ein Wechsel könnte das verbessern.
c) Ich kann mir vorstellen, dass meine sicherlich veralteten Vorstellungen einer Stadtentwicklung und der Führung einer Interessenvertretung in jüngeren Händen besser aufgehoben ist.

Sie haben immer wieder moniert, dass die Werbegemeinschaft nicht wirklich seitens der Stadt den Stellenwert bekommen hat, den sie verdient. Was meinen Sie damit genau?
Einer der wichtigsten Faktoren, der Handel, der für eine lebendige Innenstadt steht, wurde zwar immer wieder mal angehört, aber dabei blieb es dann meist auch.

Das heißt, die Werbegemeinschaft war eher das Stiefkind als ein Partner für die Stadt?
Einige in der Verwaltung sehen in der Werbegemeinschaft häufig nur einen Bremsklotz und sie wurde nie als Partner und Stadtentwickler anerkannt. Man sollte sich auch einmal bewusst machen: Handel ohne Stadt ist möglich, aber Stadt ohne Handel ist undenkbar. Stellen Sie sich vor, der komplette Handel würde ins Allgäuer Dorf umsiedeln, was dann mit der Innenstadt passieren würde!

Bereits vor einem Jahr hörte man aus den Reihen der Werbegemeinschaft, dass es besser wäre, diese aufzulösen. Was würde passieren, wenn sich kein geeigneter Kandidat für den Vorstand findet? Wird dann aufgelöst?
Wenn sich keine Vorstandschaft finden wird, muss die alte Vorstandschaft eine weitere Sitzung einberufen bei der entschieden wird, ob aufgelöst wird, oder ob es einen ruhenden Verein gibt, sprich eine Karteileiche, die dann irgendwann von einer neuen Vorstandschaft zum Leben erweckt werden kann.

Einige Mitglieder schimpften über die altmodischen Werbemethoden und gingen soweit zu sagen, dass es besser wäre, eine kompetente Marketingfachkraft für die Werbegemeinschaft einzustellen. Sind das Hirngespinste oder wäre das finanziell machbar?
Diese Kritiker haben absolut recht. Nicht umsonst hatten wir damals mit unserem Bürgermeister Dr. Wengert nach einer Lösung gesucht und dabei kam Füssen Tourismus und Marketing heraus. Aber FTM ist mit den Tourismusaufgaben voll ausgelastet und somit stehen wir immer noch alleine da. Es wurde uns aber immer eine Verbindungsperson zu FTM bzw. Verwaltung zur Verfügung gestellt. Damit ist aber die Aufgabe Werbung noch nicht gelöst. Meine Frage an die Kritiker lautet: Wie ist Ihr Finanzierungsplan für einen Werbefachmann und die daraus resultierenden Aktionen, wenn der Jahresetat der Werbegemeinschaft bei ca. 25.000 Euro liegt? Würde man wie bei einem Einkaufszentrum pro qm Verkaufsfläche 3 Euro pro Monat Werbekostenzuschuss verlangen, wäre diese Idee sicherlich machbar. Wenn die Kritiker sich als Vorstände wählen lassen und dies umsetzen können, wäre ich hellauf begeistert.

Herr Keller, inwieweit stimmt das Gerücht, dass Wilhelm Schwecke für den Vorsitzenden vorgeschlagen wurde?
Dieses Gerücht habe ich wohl gehört, wurde aber nie von Herrn Schwecke bestätigt. Vielleicht wäre ein „Wadelbeisser“  wie Herr Schwecke einer ist, eine sehr gute Alternative zu mir, da meine Kompromissbereitschaft  oft eher nachteilig war.

Warum ist es so schwer, jemanden passenden für dieses ehrenamtliche Amt zu finden?
Für andere ehrenamtlich zu arbeiten und speziell Füssen nach vorne zu bringen und etwas zu bewegen macht Spaß. Der Spaß wird aber leider oft durch fehlende Akzeptanz etwas getrübt. Eine andere Meinung zu haben, wird leider als Feindschaft ausgelegt. Destruktiver von konstruktiver Kritik auseinander zu halten ist das Wichtigste und man darf nichts persönlich nehmen und gerne diesen Job machen. Aber genau das ist das Problem. Man arbeitet ehrenamtlich für andere und wird dann dafür auch noch dumm angesprochen, das vertragen Viele nicht und ist auch nicht immer leicht.

Eine Frage zum Abschluss: Gehen Sie mit einem lachenden Auge oder auch mit einem weinenden?
Viele glauben, ich klebe an diesem Posten, das ist mit Sicherheit nicht der Fall. Ich habe sehr gerne für die Kollegen gearbeitet und meinen Kopf dafür hingehalten und war der Buhmann. Ich wäre traurig, würde die Werbegemeinschaft aufgelöst werden, aber erst dann würden Viele sehen, was wir geleistet haben. Das wäre das weinende Auge. Das lachende Auge sagt mir: jetzt habe ich mehr Zeit für andere, sprich private Aufgaben.

Text · Bild: Sabina Riegger

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