Menschen

Offene Gruppe für pflegende Angehörige

Hilfe für die Helfer

Füssen.    Viele pflege- oder betreuungsbedürftige Menschen werden in der Familie versorgt. Anfangs sind meist nur kleine Hilfestellungen nötig, doch mit dem Fortschreiten der Pflegebedürftigkeit oder einer Demenz sind die pflegenden Angehörigen recht schnell rund um die Uhr gefordert. Wie geht man nun mit dieser Situation um, in der die eigenen Interessen und das eigene soziale Leben permanent in den Hintergrund rücken, in der jede freie Minute für die Pflege des geliebten Menschen aufgeopfert wird? Genau hier springt das Angebot des BRK ein. Seit Juli 2011 wird vom Bayerischen Roten Kreuz in Füssen ein offener Gesprächskreis für pflegende Angehörige angeboten.

Jeden zweiten Dienstag im Monat veranstaltet Initiatorin Annett Krüger um 19 Uhr im Rotkreuzhaus Füssen ein Gruppentreffen. „Die BRK-Fachstelle für pflegende Angehörige betreut in Marktoberdorf seit vielen Jahren erfolgreich eine solche offene Gruppe. Dazu kommen noch eine Betreuungsgruppe für Demenzkranke sowie ein Helferkreis, der pflege- und betreuungsbedürftige Menschen daheim stundenweise unterstützt“, erklärt die Pflegesachverständige des BRK. „Als es uns gelang, auch in Füssen einen Helferkreis aufzubauen, wollten wir hier ebenfalls unser Angebot komplettieren und widmeten uns somit dem Aufbau einer Offenen Gruppe für pflegende Angehörige.“

Im Pflegeversicherungsgesetz wurde ursprünglich festgelegt, dass die ambulante Pflege daheim einer stationären Betreuung vorzuziehen sei. Dies entspricht auch dem überwiegenden Wunsch der pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen, die lieber in der gewohnten häuslichen Umgebung verbleiben möchten. Viele pflegende Angehörige wollen diesem nachvollziehbaren Wunsch gerecht werden, doch geraten sie durch die zeitaufwendige Pflege schnell in eine ungewollte Isolation. Freundschaften und Bekanntschaften können kaum noch gepflegt werden, die Zeit für Hobbies und Familie wird vernachlässigt.
Um dem entgegenzuwirken und den Umgang mit der ungewohnten Situation zu erleichtern, ist das Konzept der Offenen Gruppe für pflegende Angehörige eingeführt worden. Hier soll pflegenden Angehörigen, aber auch Interessierten, die vielleicht in absehbarer Zeit einen Angehörigen pflegen werden, eine Anlaufstelle geboten werden. „Die Gruppe ist keine Selbsthilfegruppe. Wer nichts sagen will, muss auch nichts sagen“, betont Annett Krüger. „Vielmehr dient das Treffen dem Austausch von gemeinsamen Erfahrungen, Anregungen und Tipps. Im geselligen Beisammensein erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich ungezwungen miteinander auszutauschen. Das Treffen dient vor allem dem Informationsaustausch, Abbau der persönlichen Isolation, dem Aufbau neuer sozialer Kontakte und der Stärkung der eigenen Handlungskompetenz. Die Teilnehmer sollen einfach mal wieder Zeit für sich haben und lernen, wie sie mit der Belastung besser umgehen können.“ Dazu ergänzend lädt Annett Krüger zu jeder Sitzung einen neuen Referenten ein, der zu interessanten Themen einen Vortrag hält. Im Anschluss erhalten die Teilnehmer die Möglichkeit, Fragen an den Referenten zu stellen und Gespräche mit den anderen Teilnehmern zu führen. Ein Treffen dauert in der Regel 1 ½ bis 2 Stunden. „Die Teilnahme ist nicht verpflichtend und selbstverständlich kostenlos. Neue Teilnehmer sind jederzeit gerne willkommen. Wie freuen uns über jeden, der dazu kommt“, ergänzt sie. „Wenn die Pflegenden während der Zeit des Gruppentreffens eine Betreuung ihrer Angehörigen benötigen, kann bei rechtzeitiger Bekanntgabe eine Betreuung in der eigenen Wohnung von der Fachstelle organisiert werden. Die Kosten dafür können gegebenenfalls über die sogenannten „Zusätzlichen Betreuungsleistungen“ der jeweiligen zuständigen Krankenkasse laufen.“
Der Termin für das jeweilige nächste Gruppentreffen wird immer in der Zeitung bekannt gegeben. Auch kann eine persönliche Einladung auf dem Postweg erfolgen, wenn dies gewünscht wird. Die Fachstelle wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen gefördert.

Übrigens: Wenn die Pflege daheim nicht mehr ausreichen sollte, bieten sich in Füssen mit dem St. Michael und dem St. Martin zwei kompetente Einrichtungen an, die sich gern den Pflegebedürftigen mit Liebe und Hingabe annehmen.

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