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Mit Stricknadeln gegen den Alltagsstress

Die Meisten von uns sind im Alltag durch Beruf, Haushalt und Familie immer größeren Belastungen ausgesetzt und oft bringen selbst unsere Freizeitgestaltung und Hobbies eher noch mehr Stress als Entspannung. Wir hetzen von einem Termin zum nächsten und sehnen uns nach mehr Ruhe, Zeit und einem einfacheren Leben. Stressbedingte Krankheiten wie Burnout nehmen immer mehr zu, wir stehen oft hilflos da, wenn es darum geht, endlich wieder an uns selbst zu denken und uns darauf zu besinnen, was uns wirklich Freude bringt und uns glücklich macht. Oft sind es die kreativen Tätigkeiten, die uns alles um uns herum vergessen lassen und das ersehnte Wohlbefinden bringen. So auch das Stricken:

Für Menschen die stricken ist es wunderschön, aus einem Faden und zwei Nadeln mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen. Sie haben ein Ziel vor Augen und sehen es in ihren Händen langsam wachsen, sie empfinden Stolz, das fertige Produkt zu tragen oder zu verschenken. Das Stricken zu erlernen erfordert anfangs etwas Geduld und Konzentration, aber es lohnt sich: Beide Gehirnhälften werden trainiert, das Erinnerungsvermögen geschult und vor allem Stress abgebaut. Laut diverser Studien aus den USA senkte Stricken bei Probanden den Blutdruck und die Pulsrate, bei magersüchtigen Mädchen verringerte es die Angst und beruhigte sie. Sogar im Gefängnis in Baltimore erlernen Insassen das Stricken zur Aggressionsbewältigung.

Die Wiederholung einer langsamen Handlung beruhigt und hilft, die innere Ruhe zu finden. Die Hände sind beschäftigt, der Verstand auf die Strickarbeit konzentriert, trotzdem können die Gedanken lose umherschweifen. Dies hat eine therapeutische, meditative Wirkung. In der Ergotherapie ist Handarbeit schon lange Teil der Behandlung. Oft wird auch Patienten mit Depressionen die Arbeit mit Nadel und Faden empfohlen.
Dabei hat Stricken heute eine andere Qualität bekommen als zu Großmutters Zeiten. Von einer lästigen Pflicht aus einem alten aufgeribbelten Pullover etwas Neues zu stricken, ist keine Rede mehr. Heute locken farbenfrohe, edle Strickgarne aus beispielsweise Merinowolle oder Cashmere und hochwertige Mischgarne in allen erdenklichen Qualitäten und Farben. Die modernen Strickhefte sind aufgemacht wie französische Designerkataloge.
Auch die großen Designer zeigen viel Strick, der zuhause einfach und preisgünstig nachgestrickt werden kann. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt! Auch immer mehr Jugendliche und sehr junge Frauen fangen an zu stricken. Es empfiehlt sich, mit einer einfachen Anleitung und großen Nadeln anzufangen, damit sich schnell Erfolg einstellt. Zudem ist es ratsam, sich anfangs im guten Fachgeschäft beraten zu lassen und das in der Anleitung empfohlene Originalgarn zu verwenden, bevor man sich an komplizierte Experimente heranwagt. Schon bald entstehen handgefertigte Unikate zusammen mit Stolz und Zufriedenheit mit sich selbst. Wenn es einmal nicht klappt, gibt es zahlreiche Schritt-für-Schritt Anleitungen im Internet.
Stricken hat nichts mit langweiligen Hausmütterchen und Öko-Image zu tun, sondern mit Kreativität und Individualität. Viele Prominente wie Julia Roberts, Madonna, Uma Thurman, Sarah Jessica Parker und „unsere“ Magdalena Neuner stricken zur Stressbewältigung.

Vor allem in großen Städten, wo das Leben als besonders stressig empfunden wird, liegt die Arbeit mit Maschen voll im Trend: Strickcafés und Wollläden in Szenebezirken florieren hier besonders stark, es bilden sich zahlreiche Stricktreffs, um sich über das gemeinsame Hobby und die neuesten Produkte auszutauschen oder gemeinsam für einen guten Zweck zu stricken. Im Internet existieren jede Menge Foren und Blogs zum Thema Stricken.
Witzige Auswüchse der Strickleidenschaft sind „Urban Knitting“ oder „Guerilla Stricken“: hier werden in Gruppen Städte verschönert, indem beispielsweise Laternenmäste, Parkbänke oder Bäume ein buntes, gestricktes Kleid erhalten.

Fangen Sie (wieder) an zu stricken, bringen Sie es Ihren Kindern bei, stricken Sie im Park, in der Kneipe und am Badesee. Stricken ist eine Bewegung weg von der zunehmenden Technisierung des Alltags und Markendiktatur hin zu Ruhe und Zufriedenheit.

Auch im Füssener Raum finden regelmäßig zahlreiche Stricktreffs statt, so z.B. im Winter alle 3-4 Wochen im Cafe Steiger in Horn. (Anfänger/innen und Männer willkommen!)
Termine unter 0176/ 562 562 06

Text: Christina Bischof-Brenner
Bild: Hubert Riegger

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