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Das neue Herzzentrum Füssen-Ausserfern

„Zeit ist Leben“

Füssen.    Das Ziel, lebensrettende Maßnahmen schneller einzuleiten ist nach über dreijähriger Vorbereitungszeit erreicht. Das neue „Herzinfarkt-Netzwerk Königswinkel – Ausserfern hat am Donnerstag, 8. November seinen Betrieb aufgenommen. Sinn und Zweck dieser wohl einmaligen deutsch-österreichischen Zusammenarbeit ist, den Infarktpatienten bestmögliche und auch schnellste Versorgung zu bieten.  

Die Feuertaufe wurde bereits am Vortag bestanden, als ein Notfallpatient vom Dürrenberg  nach einer dramatischen Rettungsaktion mit dem Hubschrauber  im neuen Herzzentrum schnell und erfolgreich behandelt werden konnte. Auch schier unüberwindbar erscheinende Hindernisse konnten nach viel Arbeit in dreijähriger Vorbereitungsphase ausgeräumt werden, ein langer, teils steiniger Weg ist damit zu Ende gegangen. Durch diese einmalige, grenzüberschreitende, deutsch – österreichische  Kooperation ist dieser besondere Service ab sofort an 365 Tagen rund um die Uhr durch ein erfahrenes Team von Interventionalisten gewährleistet. Im Kuppelsaal der Füssener Klinik wurden zum Zwecke ärztlicher Weiterbildung in Fachvorträgen von Dr. Martin Hinterseer, Dr. Andreas König, Dr. Eugen Ladner, Dr. Jochen Korgitta und Dr. Gertrud Beck die Mitglieder des Herzkatheter-Teams, aber auch zahlreiche Gäste über das neue Projekt umfassend in Kenntnis gesetzt. Besonders die Vernetzung ist für diese  Rettungsmaßnamen von enormer Bedeutung, gerade weil es bei allen Infarktnotfällen buchstäblich um jede Minute gehen kann. Je früher die Sofortversorgung erfolgt, umso größer sind die Überlebenschancen für die Patienten. Optimal wäre eine Intervention in den ersten 90 Minuten. Ein immens wichtiger Faktor ist daneben die frühzeitige Erkennung der oftmals von vielen Betroffenen nicht immer eindeutig zu identifizierenden  Symptome, weshalb immer mehr auch größten Wert auf die vorbeugende Aufklärung der Bevölkerung gelegt wird. Die offizielle Eröffnung des Herzzentrums Füssen-Ausserfern ist am 4. Dezember. Schirmherr auf der deutschen Seite ist Dr. Theo Waigl.

Im Gespräch mit Dr. Martin Hinterseher und Dr. Andreas König.

Herr Dr. Hinterseer, Sie sagten „Zeit ist Leben“. Wie ist der Ablauf, wenn ein Herzinfarkt erkannt wird?
Dr. Martin Hinterseher: Bei Herzinfarkten oder den Anzeichen eines Herzinfarktes muss sofort der Notarzt gerufen werden. Durch das Tele-EKG-System auf den Rettungswägen kann der Notarzt die Daten und das EKG direkt an die Klinik übermitteln. Dadurch kann Zeit gewonnen werden. Die Diagnose wird am Einsatzort gestellt und der Patient kommt also direkt in den Herzkatheter. Durch die Vernetzung mit dem „Infarkthandys“ haben wir ein weiteres Plus. Unnötige Transporte kosten immer viel Zeit. Und das Problem ist, beim Herzinfarkt zählt jede Minute, jede Verzögerung bedeutet Verlust an Lebenserwartung.

Was ist das Infarkthandy?
Dr. Andreas König: Alle Beteiligten des Herzinfarkt-Netzwerks verfügen über das Infarkthandy, dass eine spezielle Rufnummer hat. Ob Rettungswagen, zugelassene Ärzte oder Rettungsleitstelle, sie alle können so sofort das Herzzentrum anwählen.

Sicherlich haben Sie Zahlen, mit denen ersichtlich wird, wie viele Herzkatheter im Jahr durchgeführt werden können?
Dr. Martin Hinterseer: Hochrechnungen gehen davon aus, dass insgesamt 600 Herzkatheter im ersten Jahr des Zentrums durchgeführt werden. Schätzungsweise 150 bis 200 Patienten könnten aus dem Außerfern in Füssen behandelt werden.

Werden die Herzpatienten, die aus dem Ausserfern kommen, im Füssener Krankenhaus weiter stationär behandelt?
Dr. Martin Hinterseer: Nein. Die stabilisierten Außerferner Patienten kommen an ihr Heimat- Krankenhaus zurück, wo sie exzellent weiter versorgt werden. Die Behandlungskosten gelten „nur“ für das Herzzentrum.

Nehmen wir an, ein Rettungswagen wird zu einem Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt gerufen. Welches Herzzentrum fährt der Rettungswagen an?
Dr. Andreas König: Wir haben ein Herzzentrum in Kempten, Kaufbeuren, Innnsbruck und nun auch in Füssen. Der Rettungswagen ist angewiesen, das nächstmöglichste Herzzentrum anzufahren. Das wären wir. Es geht hier um den Patienten und darum, keine kostbare Zeit zu verlieren.

 

Text: Sabina Riegger/ Manfread Sailer · Bild: Sabina Riegger

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