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Elisabeth von Elmenau: „Bullachberg ist etwas besonderes“

Die Landwirtin vertritt ihre Philosophie der artgerechten Tierhaltung

Utting am Ammersee.    Sie setzt auf Ökologie, auf eine artgerechte Tierhaltung und das ohne Kompromisse. Elisabeth von Elmenau ist das, was manche gerne wären, nämlich authentisch in dem was sie tut. Auf ihrem Gutshof in der Nähe von Utting leben Gänse, Rinder, Pferde, Hühner und früher auch mal Schweine, bis zu dem Tag, als das Veterinäramt kam und ihre Freiland Schweine hinter einem doppelten Zaun sehen wollten.  Sie pochten auf die strengen Auflagen der Schweinehaltungshygieneverordnung. Seit diesem Tag isst Elisabeth von Elmenau auch kein Schweinefleisch mehr – nicht, weil sie Vegetarierin geworden wäre, sondern weil sie nur das Fleisch isst, das sie selbst auf ihrem Hof erwirtschaftet.

Elisabeth von Elmenau ist Landwirtin aus Überzeugung. Die 1,85 Meter große Frau beschloss mit 21 Jahren den Reichhof zu kaufen und Landwirtin zu werden. „Mein Vater war entsetzt, als er mich am Sonntag auf dem Bulldog sitzen sah. Für ihn war das Leben ein anderes. Wahrscheinlich hat er sich für seine Tochter auch etwas anderes gewünscht, als dass sie Landwirtin wird“, erinnert sie sich lachend zurück. Vielleicht hätte sie auch Juristin werden sollen wie ihr Vater Dr. Johannes von Elmenau, der Ministerialrat im Kultusministerium war. Die Arbeit auf dem Hof hat Elisabeth von Elmenau immer schon sehr gut gefallen. „Ich hätte nie einen Bürojob ausüben können. Ich bin auch kein Hausmensch. Ich brauche die Natur und die Bewegung“, sagt sie ehrlich. Dass Elisabeth von Elmenau eine Frau ist, die anpacken kann, hat sie schon oft bewiesen. Ihr Körper ist gekennzeichnet durch die viele Arbeit. „Mein Kreuz macht nicht mehr alles mit“, sagt sie und krault eines ihrer vier Hunde. Als sie damals den Reichhof kaufte, war es ein Anwesen, das sehr viel Schönheitsreparaturen brauchte. Ein Bild aus jener Zeit, das in den Stallungen hängt, zeigt den einstigen Hof, der mit heute nicht zu vergleichen ist. „Ich liebe alte Häuser, sie haben etwas ganz Besonderes an sich“,  sagt sie beiläufig. Aus der Garage ist jetzt ein schönes Wohnzimmer geworden, mit einem großen Tisch und sichtbaren Balken unter der Decke. Die großen Gemälde an der Wand zeigen die Portraits ihrer vier Hunde, die ein Freund von Elisabeth von Elmenau gemalt hat.

Artgerechte Tierhaltung

Elisabeth von Elmenau erzählt von ihren Tieren, von ihrem zertifizierten ökologischen Betrieb für Geflügel und Rinderhaltung und dass sie noch nie Kunstdünger benutzt hat. Ihre Tiere bekommen auch kein Kraftfutter. Sie erzählt von ihren Visionen und ihrer Philosophie, wie sie artgerechte Tierhaltung sieht. „Die Freilandhaltung von Tieren und das Töten der Tiere in ihrer gewohnten Umgebung durch Kugelschuss, das heißt aus einer Entfernung von 50 bis 100 Metern, entspricht meiner Vorstellung von artgerechter Tierhaltung. Ich erspare dem Tier so den Transport zum Schlachthof, damit auch die Angst vor der fremden Umgebung und vielleicht auch das Bewusstsein, jetzt getötet zu werden.“ Noch bis vor kurzem war der Kugelschuss verboten, zumindest galt die Verordnung für Tiere, die  vermarktet werden sollten. Laut der EU-Hygieneverordnung müssen Tiere zur Lebensmittelgewinnung nur lebendig an Schlachthöfe angeliefert werden. Doch auch hier fand Elisabeth von Elmenau einen Ausweg, wie sie ihr Fleisch vermarkten konnte. „Ich habe Teile der Kuh verkauft, als sie noch lebte.“ Die Kunden waren glücklich und Elisabeth von Elmenau froh, dass sie ihren Hof bewirtschaften konnte.

Der Neubeginn auf Bullachberg

Der Abschied von Utting am Ammersee wird der Adligen nicht schwer fallen. „In Utting wird man immer eine Zugereiste sein, egal wie lange man schon hier wohnt. Man wird nie die  Akzeptanz erreichen so wie ein Einheimischer.  Ich denke, in Schwangau wird es anders sein“, hofft die 57-Jährige. Wenn es klappen sollte, dann wird sie im nächsten Jahr mit den ersten  Sanierungsarbeiten auf dem Schloss Bullachberg beginnen. Ein traumhaftes Anwesen, mit einer Fläche von etwa 19 Hektar. „Der Bullachberg ist zwar kleiner als der Reichhof, doch für meine Tierhaltung ist das vollkommen ausreichend“, erklärt die begeisterte Laien-Darstellerin.  Im privaten Leben hält Elisabeth von Elmenau nichts vom Theaterspielen. Sie mag es bodenständig und ehrlich. Den Umzug nach Schwangau in Schloss Bullachberg sieht sie als die letzte Chance in ihrem Leben an, etwas Neues zu beginnen. „Es ist eine Herausforderung, und ich freue mich darauf“, so die zukünftige Schwangauerin. Wenn alles klappen sollte, dann sollte der Umzug nächstes Jahr im Sommer sein. Die Pläne für den Umbau kommen von ihrem Exmann, dem Architekten Reinhard Mack.

Die Liebe zum Theater

Viele Pläne und Ideen hat Elisabeth von Elmenau. Unter anderem auch das Ensemble des Hoftheaters in Bullachberg auftreten zu lassen. Seit über 30 Jahren ist sie Ensemblemitglied. Die Liebe zum Theater teilt auch ihre Tochter Rebecca, die daraus ihren Beruf gemacht hat. Sie ist Dramaturgin und Theaterwissenschaftlerin und ist Spielleiterin des Hoftheaters. Aktuell proben sie für das Stück „Viel Lärm um Nichts“ von William Shakespeare. Die Lieblingsrolle von Elisabeth von Elmenau ist allerdings die der Catherine Parr, die Frau von Heinrich VIII., gespielt von ihrer Tochter, die als einzige Ehefrau Heinrich VIII. nicht hingerichtet wurde.

 

Text · Bild: Sabina Riegger

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