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60 Jahre THW-Füssen

Füssen.    Das Technische Hilfswerk oder kurz THW ist eine Zivil- und Katastrophenschutzorganisation, bestehend aus ca. 80.000, größtenteils ehrenamtlichen Mitgliedern. All diese Menschen haben sich dazu entschlossen, um in der Not professionelle und kompetente Hilfe leisten zu können. Grundlage für die hohe Kompetenz sind gut ausgebildete Spezialisten und modernes Einsatzgerät. Mit dieser Basis passen sich die Helfer und Helferinnen immer flexibel den sich gebenden Gefahrenlagen an, egal ob in Deutschland oder in der ganzen Welt.

Vor sechzig Jahren wurde genau solch eine Organisation in Füssen gegründet, die damals aus gerade einmal acht Personen bestand. Ende der 50er Jahre zog die Ortsverband in ihre erste Unterkunft mit eigener Garage. Diese befand sich bei der ehemaligen Zimmerei Schmid in der Von-Freyberg-Straße.  Auf moderne Gerätschaften mussten sie damals verzichten. Statt Gerätekraftwagen und Beleuchtungsfahrzeug mussten Schubkarren, Schaufel und ein paar Seile herhalten. Erst 1965 konnte man auf ein motorisiertes Rettungsfahrzeug zurückgreifen, einen alten Hanomag. Im weiteren Verlauf zog man dann 1975 in den städtischen Bauhof, in welchem man 25 Jahre verweilte. Die Stadt hat jedoch Eigenbedarf angemeldet, woraufhin man eine neue Unterkunft benötigte. Als im Jahre 1999 der erste Spatenstich für die neue Liegenschaft gesetzt wurde, ging alles ganz schnell, denn ein Jahr darauf konnte man schon einziehen. Im Laufe der Jahre stieg die Mitgliederzahl auf ein Maximum von ca. 100 Mitgliedern an. Inzwischen sind es jedoch „nur“ noch 40 Aktive. Des Weiteren wurde der Fuhrpark auf sieben Fahrzeuge erweitert. Nun ist man im Besitz von unter anderem zwei Gerätekraftwagen, einem Mannschaftstransportwagen und Beleuchtungsfahrzeugen, einem Kipper mit Ladekran, sowie diversen Anhängern.

In Füssen gibt es aktuell einen Technischen Zug und eine Fachgruppe Beleuchtung. Der Technische Zug besteht aus einer ersten und einer zweiten Bergungsgruppe. Dieser Zug übernimmt das komplette Spektrum an Bergungsaufgaben. Das beinhaltet beispielsweise das Erkunden und Markieren der Schadenslage, das Retten Verschütteter oder Erste-Hilfe-Leistung bei den Opfern. Auch für die Rettung von Tieren und die Bergung von Sachgütern ist diese Abteilung zuständig. Die Fachgruppe Beleuchtung ist eine gesonderte Truppe, die sich auf die großräumige, sowie schlagschatten- und blendfreie Ausleuchtung der Einsatz oder Arbeitsstellen spezialisiert hat.

Bevor man beim THW als Helfer anfangen kann, muss erst eine Grundausbildung durchlaufen werden. Diese dauert ein halbes Jahr und endet mit einer abschließenden theoretischen sowie praktischen Prüfung. In der Regel herrscht beim THW ein reger Männerüberschuss, dies mag an der praktischen und schweren Arbeit liegen. Aber selbstverständlich sind auch Frauen herzlich willkommen. Mit Sabine Gruber hat die Ortsverband auch ein weibliches Mitglied. „Ich bin anfangs zum THW gegangen, weil man dort jemanden für die Verwaltung benötigt hatte. Als ich dann in der Bundesschule gesehen habe, welche Aufgabenbereiche das Hilfswerk abdeckt, hab ich mich entschlossen, eine Grundausbildung zu machen“, so die Verwaltungsbeauftragte die auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.. Damit man nach der Grundausbildung die erlernten Fähigkeiten und Fertigkeiten nicht vergisst, finden regelmäßige Vorträge und Übungen statt und das alle zwei Wochen immer am Mittwoch und einmal im Monat am Samstag.  Alle zwei Wochen finden mittwochs die Ausbildungen statt, um neue Themen und Übungen aufzufrischen.  Wenn einem dies jedoch nicht genug ist und man sich weiter spezialisieren und fortbilden möchte, muss man eine Fachausbildung machen. Diese wird entweder von den Landesverbänden für mehrere Ortsverbände organisiert, oder man besucht dazu eine der beiden Bundesschulen in Hoja oder Neuhausen.

Die für den Ernstfall erlernten Fähigkeiten muss man auch schon des Öfteren unter Beweis stellen, wie beispielsweise beim ersten großen Einsatz in der Mazedonischen Hauptstadt Skopje. Die Stadt wurde damals von einem Erdbeben dem Erdboden gleichgemacht, dabei starben mehr als 1.000 Menschen. Als Dank für die Hilfe schenkte man der Ortsverband einen Esel, der von dem damaligen Helfer Franz Velier noch mehrere Jahre gepflegt und gefüttert wurde. 1999 war man wieder im Ausland aktiv, um dem vom Sturm Lothar verwüsteten Frankreich bei der Beseitigung der Schäden zu helfen. Aus Dankbarkeit wurden die Einsatzkräfte von der französischen Bevölkerung „blaue Engel“ getauft. Den letzten großen Einsatz hatte man im letzten August, als ein Gleitschirmflieger in die Tegelbergbahn flog. Hier musste man die Einsatzstelle, sowie die Rettungswege ausleuchten.

Es ist aber nicht nur die Hilfe für Andere in Not, was das Technische Hilfswerk ausmacht, hier erfährt man auch, was Kameradschaft bedeutet und es werden Freundschaften geknüpft, die über das ehrenamtliche Engagement hinaus bestehen.


Text: Thomas Linder · Bilder: THW

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