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Im Gespräch mit Bürgermeister Luis Oberer

Autofreier Tag in Reutte

Bschlabs.    Nach dem letztjährigen Erfolg des „Autofreien Tags“ will die Gemeinde Reutte  auch in diesem Jahr wieder das Bewusstsein schaffen und mit dem bewussten „Nein“ zum Auto an diesem Tag überzeugen und eventuelle Gewohnheiten überdenken lassen. Denken die Menschen wirklich um, und gibt es vielleicht Überlegungen für eine Fußgängerzone in Reutte? Füssen aktuell erläuterte diese Fragen in einem Interview mit Reuttes Bürgermeister Luis Oberer. 

Zum dritten Mal findet nun ein Autofreier Tag in Reutte statt. Wie sind sie auf diese Idee gekommen, beziehungsweise was hat sie dazu bewogen, einen Autofreien Tag einzuführen? Die Initiative kam vom Umweltausschuss unter Obmann GR Helmut Hein, sich auch in Reutte am Europäischen Autofreien Tag am 22. September zu beteiligen. Wir wollten mit dieser Aktion bewusst machen, dass es durchaus auch ohne Auto geht. Der Autofreie Tag, der 2010 mit einer Mobilitätswoche begann, sollte auch zum Umstieg auf alternative Möglichkeiten anregen um das überwiegend „hausgemachte“ Verkehrsaufkommen zu reduzieren. Die Bevölkerung hat diesen neu gewonnenen Freiraum ohne Autos im historischen Zentrum von Reutte jedenfalls begeistert aufgenommen.

Wie haben die Geschäftsleute auf diesen Vorschlag reagiert? Gab es irgendwelche Einwände? Natürlich gab es einzelne Kritik von Seiten der Wirtschaft. Es wurden Umsatzeinbussen und die Einführung einer Füßgängerzone im Untermarkt über die „Hintertür“ befürchtet. Viele Geschäftsleute verhielten sich zunächst einmal zurückhaltend um zu schauen, was die Gemeindeverantwortlichen da so vorhaben. Mittlerweile ist dieser Autofreie Tag eine fixe Einrichtung in der Marktgemeinde Reutte geworden, an dem sich auch immer mehr Kaufleute aktiv  beteiligen.

Reutte hat nicht wirklich eine Füßgängerzone. Waren Überlegungen da, den Unter- und Obermarkt eventuell als Füßgängerzone umzugestalten? Wie Umfragen bestätigen, wünscht sich die Mehrheit von Reutte eine Autofreie Zone im Untermarkt. Derzeit ist dieser Teil des Zentrums ein verkehrsberuhigter Bereich mit Einbahnregelung. Damit eine Fußgängerzone aber funktioniert, braucht es bestimmte Voraussetzungen, die wir derzeit noch nicht haben. Neben der notwendigen Frequenz muß natürlich auch die Attraktivität des Angebots zum Flanieren einladen. Deswegen plädiere ich für temporäre Autofreie Zeiten, die zum Beispiel mit der Durchführung von Veranstaltungen (Marktfest, Weinmeile, Musikmeile, usw.) entstehen können. In der wärmeren Jahreszeit ist eine „Fußgängerzone“ aus meiner Sicht auch ab 18 Uhr bzw. am Wochenende ab Samstag 13 Uhr durchaus denkbar.

Durch Reutte fließt sehr viel Verkehr. Gab es Umfragen, wonach die Reuttener nach der Veranstaltung ihr Fahrverhalten mit dem Auto verändert haben? Diesbezügliche Umfragen gibt es nicht. Tatsache ist aber, dass die Bevölkerung diesen Autofreien Tag immer mehr annimmt und der Ruf nach mehreren solchen Tagen lauter wird. Nach dem Aus der Umfahrung Reutte Süd (zu geringe Verkehrsverlagerung) sind wir selbst aufgerufen nach Lösungen zu suchen die unser zum großen Teil selbst verursachtes starkes Verkehrsaufkommen reduziert. Die Marktgemeide Reutte hat dazu ein Radwegekonzept und der Planungsverband eine Studie zur Verbesserung des öffentlichen Verkehrs in Auftrag gegeben. Bei all den Maßnahmen muss uns aber bewusst sein, dass eine spürbare Verkehrsreduzierung nur durch einen deutlichen Verzicht auf das geliebte Auto erreicht werden kann. Dazu müssen wir aber auch bereit sein. Im Auto zu sitzen und über das starke Verkehrsaufkommen zu jammern macht dabei allerdings wenig Sinn.

Welche Straßen sind Autofreie Zonen? Voraussichtlich gesperrt werden am 22.09. von 13 bis 22 UIhr die beiden Hauptverkehrsachsen im Ober- und Untermarkt sowie die Lindenstraße und die Mühlerstraße bis zum Kreisverkehr. Entsprechende betreute Umleitungen werden den Verkehr über Nebenstraßen führen. Der Autofreie Tag ist in Reutte mittlerweile zu einem Fest der besseren Lebensqualität geworden und es wird auch heuer wieder ein umfangreiches Rahmenprogramm angeboten. Höhepunkte sind sicher die Rückeroberung des Weltrekords „Längste Spielzeugautoschlange“, der Rotary-Stundenlauf, die Vorführungen der Zweigvereine des Sportvereins Reutte, die Musikauftritte und am Abend die Beleuchtung der historischen Gebäude im Zentrum.  Die Marktgemeinde Reutte freut sich über zahlreiche Teilnahme. Mach Urlaub vom Auto und komm mit dem Fahrrad oder mit den Öffis nach Reutte zum autofreien Tag.

 

Text · Bild: Sabina Riegger

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