Menschen

Gymnasium mit Internat Hohenschwangau

Leben und Lernen zu Füßen der Königsschlösser

Hohenschwangau.    Die Geschichte des Gymnasiums Hohenschwangau begann bereits vor 125 Jahren. Nach dem Tod Ludwigs II. im Jahre 1886 und der Öffnung des Schlosses Neuschwanstein für Besucher öffnete die „Villa Schwansee“ 1887 erstmals ihre Pforten. Aus der Herberge wurde Anfang des 20. Jahrhunderts das „Hotel Schwansee“. In den Wirren des Zweiten Weltkriegs erwarb der Staat um 1941 das Anwesen, um hier bis zum Kriegsende eine Marineunteroffiziers-Vorschule zu unterhalten. Diese Marineschule war letztendlich der Grund dafür, dass man sich 1947 entschloss, eine Heimschule in dem ehemaligen Hotel zu eröffnen. Das Schülerheim diente vor allem Kindern aus Flüchtlingsfamilien als Unterkunft. Nach einigen Anbau- und Modernisierungsmaßnahmen entstanden unter anderem das heutige Schulgebäude, eine Mensa, zwei Sporthallen und eine Außensportanlage. Derzeit besuchen 860 Schüler das Gymnasium, 90 davon sind im zugehörigen Internat untergebracht.

Sowohl das Gymnasium, als auch das Internat sind nach wie vor staatliche Einrichtungen. Die Gründe, warum Schüler nach Schwangau kommen, sind genauso vielfältig wie die Orte, aus denen sie kommen. So gibt es familiäre oder schulische Gründe, aber auch Leistungssportler, die den Eishockey-Standort Füssen zum Training nutzen möchten. Viele Schüler stammen aus der näheren Umgebung wie Würzburg oder Ulm. Einige kommen auch von weiter her – deutschlandweit aus Hamburg und Dresden, oder aber aus dem benachbarten Ausland wie Frankreich und Spanien.

Etwa 10 Prozent der Internatsschüler stammen aus weiter entfernten Ländern. So unterhält das Internat eine traditionelle Beziehung zur deutschen Schule in Mexiko, das in jedem Jahr einige ausgesuchte Gastschüler nach Schwangau schickt. Im aktuellen Schuljahr sind das Carla Saldaña und Max Gelse, beide besuchen für ein Jahr die zehnte Klasse des Gymnasiums. „Wir besuchen eine der wenigen Fremdsprachenschulen in Mexiko. Dort wird der Unterricht teilweise in deutscher Sprache abgehalten, was uns den Alltag hier natürlich enorm erleichtert“, erklärt Carla. „Unsere Eltern wollen, dass wir mehr als nur Englisch und Spanisch sprechen können. Und nun haben wir das Glück, für ein Jahr hier in Deutschland zur Schule gehen zu können.“ Im Internat sind die Gastschüler in Einzel- oder Zweipersonenzimmern untergebracht. Das Internat ist für alle Bewohner an den Wochenenden und während der Schulzeit geöffnet. In den Ferien bleibt das Internat geschlossen, hier müssen die Schüler selbst für eine Unterkunft sorgen. Carla besuchte in dieser Zeit Freunde der Familie in Köln. Andere Schüler wie Siyuan Zhu, Qiao Guan, Yucan Zhu und Cong Chen, die durch eine chinesische Kontaktperson ans Gymnasium vermittelt worden sind, arbeiteten oder besuchten ihre Gastfamilien und Freunde aus der Heimat in anderen Städten. Die chinesischen Schüler gehen auf das Gymnasium, um hier ihr Abitur zu absolvieren. „Ich habe gerade mein Abitur bestanden“, freut sich Siyuan. „In den Sommerferien besuche ich erst einmal meine Familie in China, und dann will ich in Köln oder Frankfurt studieren.“ Schüler aus dem Ausland, die am Unterricht teilnehmen wollen, müssen die deutsche Sprache so gut beherrschen, dass sie dem deutschsprachigen Unterricht  folgen können. Soweit möglich sollte eine Sprachkompetenz entsprechend der Stufe B2 des gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen nachgewiesen werden. Dazu lernen die Schüler an der Humboldt-Akademie in Berlin für circa zehn Monate die Grundlagen der deutschen Sprache, um dann mit erfolgreich bestandener Prüfung ans Gymnasium Hohenschwangau zu wechseln.

Insgesamt verfügt das Internat über 105 Plätze, davon sind in der Regel zwischen 85 und 90 Plätze belegt. 86 Zimmer stehen zur Verfügung, einige davon sind Doppelzimmer für die 5. bis 8. Klassen, ab der 9. Klasse haben die Schüler Anspruch auf ein Einzelzimmer. Im Internat gibt es zwei Studiersäle, sowie sechs Aufenthaltsräume, wie beispielsweise einen Computerraum, ein Fernseh-raum, einen Billardraum und weitere. Internet auf den Zimmern ist nur für Schüler ab den 11. Klassen erlaubt, Handys werden am Abend bei den Aufsichtspersonen abgegeben, es besteht eine feste Nachtruhe mit individuellen Zeiten je nach Klassenstufe und Alter.

Geregelter Tagesablauf mit Studierzeit

Regeln für ein Internatsleben sind wichtig. Schließlich geben die Eltern ihre Kinder hier ab, um ihnen Werte zu vermitteln und dafür zu sorgen, dass sie ihre Schullaufbahn mit Erfolg abschließen. Der Tag beginnt für die Internatsbewohner bereits um 6.45 Uhr. Zu dieser Zeit wecken die zuständigen Betreuer die Schüler. Anschließend geht es zum Frühstück in die Mensa, gefolgt vom Vormittags-Unterricht. Nach der Mittagspause beginnt entweder der Nachmittags-Unterricht oder die „Studierzeit“, das Aushängeschild des Internats. Die Schüler, die wegen des Sports das Gymnasium besuchen, gehen direkt nach dem Mittagessen in die Studierzeit, um im Anschluss ihr Eishockey-Training in Füssen wahrnehmen zu können. Für alle Anderen beginnt die Studierzeit unter der Woche um 15.30 Uhr und endet gegen 18 Uhr. Im Anschluss gibt es das Abendessen und dann bis zur Nachtruhe Freizeitgestaltung nach Wahl. Während der Studierzeit werden Hausaufgaben unter Aufsicht erledigt, Kurse zu den Unterrichtsfächern von den jeweiligen Lehrern abgehalten, der Unterrichtsstoff abgefragt und Vorbereitungen für den nächsten Schultag getroffen. „Die Studierzeit ist sehr wichtig für uns“, erklärt Heimleiter Oberstudienrat Georg Waldmann. „Sie ist unser Aushängeschild und der Grund, warum viele Eltern ihre Kinder zu uns schicken.“

Zwei Pädagogen und alle festangestellten Lehrer des Gymnasiums sind für die Aufsicht der Internats-Bewohner zuständig. Die Schüler des Internats, die aus Ländern wie China oder Mexiko stammen, sehen ihre Eltern übrigens nur ein oder  zwei Mal im Jahr – Heimweh ist hier vorprogrammiert. Dann nehmen die Betreuer die Stelle von Mama und Papa ein. Sie kümmern sich um die täglichen Probleme und Sorgen der Schüler, hören ihnen zu, wenn es nötig ist und nehmen Rücksicht auf ihre Bedürfnisse. Neben dem streng ausgelegten Tagesablauf gilt es noch viele andere Dinge für die Bewohner zu bewältigen. So haben einige Schüler, die aus dem weiter entfernten Ausland stammen, Probleme damit, sich richtig zu integrieren. Die chinesischen Schüler bleiben lieber unter sich und geben nicht viel von sich Preis, die mexikanischen Schüler sind dagegen etwas offener und finden schneller Anschluss. Die Gründe dafür liegen natürlich bei den Einzelnen, aber auch in den Kulturen, aus denen die Schüler kommen. Am Ende vereint sie Alle aber ein gemeinsames Ziel – ein guter schulischer Abschluss und damit bessere Chancen für die Zukunft.


Text · Bild: Sven Köhler

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