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Überwältigende Aussichten auf dem Lech-Wanderweg

Vor Kurzem wurde sie eröffnet: Von der 110 Meter hohen und 200 Meter langen Hängebrücke in Holzgau bietet sich die wohl spektakulärste Aussicht auf dem gesamten Lechwanderweg. Vom Formarinsee bei Lech bis Füssen sind es 125 Kilometer zu laufen.

Die engere Zusammenarbeit zwischen den Tourismusverbänden Lech-Zürs, Lechtal, Reutte und Füssen ließ einen alten Traum nun zur Wirklichkeit werden. Die baulichen Arbeiten und die Beschilderung sind fast fertig. Jetzt im Frühjahr folgt nur noch das Tüpfelchen aufs I.
Dazu gehört zum Beispiel die „Lechbank aus Lärchenholz“, auf der Wanderer alle zehn Kilometer Rast machen können. Denn ein gewisser Komfort ist wichtig: Die Europäische Wandervereinigung hat nämlich den länderübergreifenden Lechweg, dessen Zeichen ein markantes L ist, einer strengen Qualitätsprüfung unterzogen und zertifiziert. Er wurde Modell für Weitwanderwege in ganz Europa.

Der Lechweg – ein Modell für ganz Europa

Zu den Kriterien gehören sichere, befestigte Pfade. Auf asphaltierte Straßen muss weitgehend verzichtet werden. Wert gelegt wurde zudem auf die Möglichkeit, mit Bahn und Bus anreisen zu können und auf ihre Qualität geprüfte Partnerbetriebe. Auch Parkmöglichkeiten und einfache Einstiege zu den einzelnen Etappen, Infotafeln an Start- und Endpunkt des Weitwanderweges und eine abwechslungsreiche Routenführung zählen zu den Voraussetzungen.

Was viele Gäste zu schätzen wissen werden: Der Lechtal-Bus bringt sie mit der Lechtal-Aktiv-Karte im Stundentakt kostenlos zwischen Reutte und Lech von Quartier zu Quartier. Auch für den Bus nach Füssen und die Bergbahnen im Lechtal muss man nichts bezahlen.

Alle fünf Tourismusverbände am Lechweg haben inzwischen einen Verein gegründet, denn es entstehen immer wieder neue Ideen. So gibt es eine Lechwegschleife in jedem Ort: Der Gast wohnt zum Beispiel in Holzgau. Von dort kann er dann eine Runde um den Ort laufen – und länger bleiben, wenn es ihm irgendwo besonders gut gefällt. Ebenfalls plant man Veranstaltungen am Lechweg. Und den Aussichtsplatz am Beichelstein bei Vorderhornbach möchte man besser inszenieren. Von dort hat man einen herrlichen Ausblick ins Tal.

Die schönste Inszenierung ist und bleibt aber die Natur

Der türkis schimmernde Fluss prägt auch Flora und Fauna. Viele Brutvogelarten und wildwachsende Orchideen bilden einen der artenreichsten Lebensräume in Mitteleuropa.

Entscheidet man sich für die Variante von der Quelle nahe dem Formarinsee, dann kann man ab Juni starten, wenn der Schnee auf knapp 1.800 Metern geschmolzen ist. Mit dem Fernglas kann man dort mit etwas Glück eine der größten Steinbock-Kolonien Europas bewundern.
Warth wiederum wurde durch die Walser geprägt, deren Spuren man auf dem Themenweg am Tannberg folgen kann. Auch die wenigen alten Walserhäuser sind sehenswert.
Bei Steeg beginnt dann die Naturparkregion Lechtal, in der man auf eine einzigartige Wildflußlandschaft stößt. Holzgau ist bekannt wegen seiner Lüftlmalereien aus dem Spätbarock und der neuen spektakulären Hängebrücke. In Elbigenalp steht die älteste Kapelle im Tal: die Martinskapelle mit dem Beinhaus.
Zeit nehmen sollte man sich auch für die Forchacher Hängebrücke. Sie bietet einen einmalig schönen Blick auf die breiten Schotterbänke des Lech. Nirgendwo sonst kann man diese einzigartige Wildflusslandschaft so in ihrer ganzen Ursprünglichkeit genießen. Dort brüten selten gewordene Vögel wie Flussregenpfeifer und Flussuferläufer.
Rieden zeichnet sich aus durch seine schönen alten Häuser und dem türkisfarbenen Riedener See.
Einen tollen Ausblick hat man auch von der Costarieskapelle in Lechaschau. Zum Schluss kommt man noch am Alpsee vorbei und kann die Schlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein bewundern. Vom Kalvarienberg sieht man über die Dächer von Füssen weit ins Alpenvorland mit seinen vielen Seen und zurück zu den Königsschlössern nach Tirol.

 

Tourismus-Chef der Stadt Füssen Stefan Fredlmeier

Welche Bedeutung messen Sie dem Lechwanderweg für Füssen zu?

Der Lechweg steht für moderates Wandern in den Alpen und beseitigt damit das Vorurteil, dass Wandern in den Alpen nur für konditionsstarke Gipfelstürmer geeignet sei. Der Lechweg ist vom Höhenprofil her leichter als viele Mittelgebirgswanderwege. Gleichzeitig bietet er aber die Faszination der alpinen Natur, nach der sich viele sehnen. Die Alpen werden mit dem Lechweg für einen noch größeren Kreis an Wanderern wanderbar als bisher.

Für Füssen liegt der große Nutzen darin, dass der Lechweg den Anspruch Füssens unterstreicht, einer der interessantesten und führenden Wanderorte im Allgäu zu werden. In Füssen treffen sich renommierte Wanderwege wie der Maximilianweg, die Via Alpina, der König-Ludwig-Weg, die Via Claudia Augusta, der Romantische Straße-Wanderweg und bald auch der Lechweg. Füssen entwickelt sich somit zu einer Wanderdrehscheibe im nördlichen Alpenraum und zu einem attraktiven Ziel für viele Weitwanderer, die Geschmack daran finden sollen, in Füssen und Umgebung den nächsten Wander-urlaub zu verbringen. Diese Ambition wird noch unterstrichen durch die Rolle als Portalort in der Wandertrilogie Allgäu, dem kommenden Leitwanderwegenetz im Allgäu.

 

Im Gespräch mit Michael Kohler, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Lechtal.

Die Hängebrücke ist ein sehr imposantes Bauwerk. Wurden die Kosten vom Tourimusverband alleine gestemmt ?
Nein, die Kosten belaufen sich auf insgesamt 650.000 Euro.  70  Prozent  davon sind Fördermittel vom Land und der EU.  100.000 Euro wurden vom Tourismus Holzgau finanziert. Die Agrargemeinschaft übernahm 50.000 Euro und 45.000 Euro die Gemeinde Holgau selbst. Alleine wäre solche ein Projekt nicht finanzierbar gewesen.

Welche Idee war zuerst da: Die Idee zur Hängebrücke oder die Idee zum Lechwanderweg?       Die Idee der Hängebrücke hat es schon länger gegeben, aber wir hatten keine Mittel, um das Projekt umzusetzen. In die Idee vom Lechweg hat sich die Hängebrücke gut eingefügt – wodurch das Bauprojekt dann schlussendlich auch finanzierbar wurde.

Für den Lechwanderweg ist das sicherlich eine sehr große Attraktion. Inwieweit wird das Lechtal, insbesondere Holzgau davon profitieren können?
Mit 200,5 m Länge ist sie Österreichs längste und spektakulärste Fußgängerhängebrücke und man erwartet, dass sie ein vielbesuchtes Auszugsziel wird. In der Nähe gibt es den Simswasserfall oder das Cafe Uta. Auf der Schigge sind schöne  Feuchtwiesen, über die man auf dem neuen Holzsteg aus Lärchenholz wandern kann. Die Brücke passt sich wunderbar in die Landschaft ein und ich denke, es wird ein vielfotografiertes Objekt sein – auch am Abend, da die Brücke nachts mit LED-Lampen beleuchtet ist.

Bei so einer Höhe wird der Eine oder Andere vielleicht Angst haben, die Hängebrücke zu überqueren. Wie sicher ist die Hängebrücke?
Extrem sicher. Es könnten gleichzeitig 630 Personen auf der Brücke stehen. Es ist also eher ein Platzproblem als ein technisches. Das obere Seil ist 1,30 Meter hoch.

Text: Christine Schneider · Bilder: FTM

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