FrauenMenschen

Interview mit Susanne Dirr

Spann Deine Schwingen

Vils.    Der Titel ihres ersten Buches passt gut zu ihr selbst. Sie hat ihr Hobby, oder vielleicht auch ihre Berufung, zu ihrem zweiten Beruf gemacht. Susanne hat ihre Schwingen ganz weit ausgespannt und schreibt über Frauen und über das Leben, über Krisen und wie die Frauen daran wachsen und reifen und ihren Weg finden.

Eine junge Frau findet den Mann fürs Leben. Sie heiraten. Nach sieben Jahren hat er eine Geliebte. Er liebt sie aber weiterhin. Als sie es erfährt, ist sie verzweifelt, aber sie und ihr Mann bleiben zusammen weil sie sich lieben. Die Frau wächst an der Krise, sie findet sich selbst, indem sie ihren Gefühlen vertraut. Das ist der erste Roman „Spann deine Schwingen“ ganz kurz. „Ich glaube, dass man an bestimmten Beziehungsproblemen wächst, es geht nicht darum, immer alles hinzuschmeißen, sondern zu bleiben zu wachsen, zu reifen und gerade dadurch den eigenen Weg zu finden. Das ist der schwerere Weg, aber besser, auch wenn es nicht dem gängigen Bild entspricht.“ Das wollte Susanne in diesem Roman zeigen.

Susanne Dirr hat fröhliche Augen und meist ein Lachen um ihren Mund. Mit ihren 54 Jahren wirkt sie sehr jugendlich und frisch. Sie ist schlank, zierlich, trägt Jeans und einen figurbetonten rostbraunen Rollpullover. Man merkt, es geht ihr gut. Geschrieben hat sie schon immer, aber den Mut, ihre Gedichte auch zu veröffentlichen, hatte sie im Jahr 2001. Damals wurde in der Zeitung ein Wettbewerb ausgeschrieben. Susanne schickte ihre Gedichte ein und gewann. Dann folgte die Veröffentlichung ihrer ersten Romane, die schon lange in der Schublade lagen. „Mein Mann hat kurzentschlossen den Suria-Verlag gegründet. Das verdanke ich ihm.“ Etwa alle  zwei Jahre folgte nun ein neuer Roman.

Als 2009 das Vilser Kirchendach zu renovieren war, hat sie das poetische Büchlein „Es hat sich eröffnet“ geschrieben und den gesamten Erlös für das Kirchendach gespendet. „Ich habe einen Sommer lang auf der Terrasse Weihnachten gefeiert. Das war schön“.

Kraft schöpfen

Im verschneiten, großen Garten flattern bunte tibetische Gebetsfahnen im Wind. Sie sind schon zerzaust und verschlissen durch die Jahre, geben aber dem winterlich eisigen Garten etwas Freundliches, als wollten sie die Besucher einladen zu verweilen. „Ich habe sie zu meinem fünfzigsten Geburtstag geschenkt bekommen, als Erinnerung an meine Treckingreise nach Nepal. Nepal war einfach herrlich. Und schau, dort hinten ist unser Teich!“ Jetzt sieht man nichts als Schnee.
Susanne liebt es, im Sommer in ihrem Gemüsegarten zu graben, liebt die Natur und das Wandern. Aus all dem schöpft sie Kraft und da hat sie auch so ihre Lieblingsplätze, wie zum Beispiel den Alatsee, oder an der Vils, und auch, wenn sie auf einem Gipfel steht. In all den Romanen geht es um Frauenleben. Was bedeutet „Frau sein“ für Susanne?
„Meine Weiblichkeit finde ich in der eigenen Geschichte, auch in den Ahnen, in meiner Mutter, meiner Oma. Mit meiner Mutter habe ich eine schöne Beziehung. Wir reden viel miteinander. Weiblichkeit erlebe ich sicher auch in der gelungenen glücklichen Partnerbeziehung, und dass es mir vergönnt ist, Mutter zu sein. Meine Söhne wissen nie, wie wichtig und schön es für mich ist, sie zu haben, auch wenn sie jetzt erwachsen sind.

Ihr Haus wirkt groß, die Räume weit, mit einer gewissen Leere, die inspirierend wirkt durch die schönen lichten Bilder. Ihr „Schreibzimmer“ im ersten Stock ist hell mit Blick in den Garten. In der Stille und in den Zwischenräumen vor dem Einschlafen zum Beispiel, fallen ihr oft gute Gedanken ein, Gedichte oder nur ein bestimmter Satz, nach dem sie gesucht hat für ihren Roman. „Das Leben ist zu bemessen, um auf eine große Zeit zu warten. Was zählt, ist das kurze Glück der Hibiskusblüte.“  Dieser Satz aus dem Buch „Das kurze Glück der Hibiskusblüte“ ist auch treffend für ihre Lebenseinstellung. „Jeder Abschnitt, der bis jetzt war, war mir wichtig und wertvoll. Der wichtigste ist jetzt, in dem Augenblick“. Sie meint, es gibt viele Hibiskusblüten im Leben, aber sie dauern  kurz.
Ihr neues Projekt sind Kartenbüchlein zu verschiedenen Themen. Das erste entstand zu Weihnachten, „Trauer und Trost“ ist jetzt fertig und es folgen weitere. „Es ist eine sehr schöne Arbeit“, findet Susanne. Die Minibüchlein kann man verschicken wie ein Billett im Briefkuvert. „Darin finden sich Gedichte, stimmungsvolle Bilder und Platz zum selbst schreiben“.
„Ich suche immer wieder nach einer bestimmten Tiefe. Die finde ich im Lesen, in der Musik, im Alleinsein. Ich finde, dass Denken ein Vergnügen sein kann. Aber ich suche nicht nach etwas“, lächelt Susanne, wie fast immer.

Text · Bild: Christine Schneider

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