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Füssens neue Quartiermanagerin

Füssen-West muss zu mir sprechen

Füssen.    In den letzten Jahren hat sich unsere Gesellschaft einer starken Wandlung unterworfen. Etliche Probleme stellen uns vor neue Herausforderungen, die wir versuchen müssen zu meistern. Die Bevölkerung Deutschlands wird immer älter, die steigende Bedeutung als Migrationsland sowie eine wachsende Schere zwischen Arm und Reich sind Probleme, deren Lösung wir bisher nur unserer Politik überlassen haben. Um der schleichenden Verschlechterung der sozialen Strukturen entgegenzuwirken, wurde in Nordrhein-Westfalen vor 15 Jahren ein neues Projekt ins Leben gerufen. Das Quartiermanagement, oder zu Deutsch Stadtteilmanagement, sollte in deutschen Großstädten Hilfe zur Selbsthilfe etablieren. Was ursprünglich für Großstädte angedacht war, findet in diesen Tagen auch seinen Weg in die ländlichen Gebiete. Das BRK Ostallgäu hat in Kooperation mit der ARD-Glücksspirale in Füssen eine Quartiermanagerin eingestellt, die die Bedürfnisse der Ostallgäuer analysieren und neu organisieren soll, denn auch hier muss das soziale Miteinander stellenweise neu gefördert werden.

Die Gründe dafür sind vielfältig. In Füssen leben längst nicht mehr nur geborene Füssener. Bedingt durch die touristische Beliebtheit der Region haben sich auch in Füssen und Umgebung viele Zugezogene niedergelassen. Wo früher ein kleinstädtisches Miteinander herrschte, bei dem jeder jeden kannte, trifft man heute vielerorts auf Anonymität, die schon in der unmittelbaren Nachbarschaft beginnt. Diese Anonymität trifft auch die Seniorenheime, die das BRK in Füssen-West unterhält. Nur wenige Füssener dürften sich mit den Heimbewohnern bisher freiwillig auseinandergesetzt haben, werden diese doch nur als abgeschoben und fremd betrachtet. Doch viele der Senioren leben freiwillig in diesen Heimen. Und hier setzt die Arbeit der neuen Quartiermanagerin Sandra Hefter an.

Bürgernahes Netzwerk

Sandra Hefter, 37 Jahre, ist gebürtige Pfrontenerin und kommt gerade aus der Elternzeit. Die studierte Sozialpädagogin arbeitete in den letzten zehn Jahren in Kempten. Hier war sie in der offenen Jugendarbeit und der Schul-Sozialarbeit tätig. Zu ihrer neuen Stelle als Quartiermanagerin kam sie durch eine Stellenausschreibung des BRK. Im Rahmen des Projektes „Leben und Wohnen in Füssen“ wird sie, vorerst befristet für ein Jahr, daran arbeiten, ihre Arbeit möglichst nutzbringend durchzuführen. Was genau zu ihren künftigen Arbeiten gehört, kann sie selbst noch gar nicht genau definieren. „Meine genauen Aufgaben werden sich mit der Zeit herauskristallisieren. Ich denke, mein oberstes Ziel wird die Schaffung eines Netzwerks sein, das zwischen den Bürgern und den Angeboten in der Stadt geknüpft wird. Ich bin sozusagen ein „Kümmerer“. Wenn zum Beispiel jemand seit zwei Jahren ein Schachturnier abhalten möchte, aber bisher niemanden finden konnte, dann versuche ich ihn zu vermitteln. Das ist aber nur ein sehr einfach gehaltenes Beispiel. Ich will versuchen, bestehende Angebote in Kontakt zu bringen oder auch niederschwellige Angebote wie so ein Schachspiel selbst zu schaffen. Ich erörtere die Bedürfnisse der Bürger und versuche diese besser zu bedienen“, erklärt die Diplom-Sozialpädagogin. Zu ihren ersten Tätigkeiten in Füssen beim BRK gehört erst einmal, den Ablauf im BRK kennenzulernen, Infos über bestehende Angebote und Bedürfnisse einzuholen und erste persönliche Kontakte zu knüpfen. Ihr Büro ist vorerst im St. Michael- Seniorenheim untergebracht, wird aber später nach Abschluss der Bauarbeiten im Neubau des St. Martin- Seniorenheims zu finden sein. Ihr Schwerpunkt liegt zu Beginn darin, den Senioren in Füssen-West zur Seite zu stehen. „Irgendwo muss man ja ansetzen. Wir haben beobachtet, dass viele Leute ein Seniorenheim als Ghetto ansehen. Hier muss eine Veränderung stattfinden. Die Idee für die Stelle der Quartiermanagerin entstand mit dem Neubau des St. Martin“, erläutert Renate Dantinger, Sachgebietsleiterin für Soziale Arbeit und Offene Behindertenarbeit beim BRK Ostallgäu. „Wir wollen eine Beziehung nach draußen herstellen. Die Heimleitungen oder anderes Personal hätten dafür keine Zeit. Es ist der Gedanke, der zählt. Letztendlich nutzt unser Projekt vor allem den Bürgern und Heimbewohnern. Uns nutzt es nur, dass wir am Ende zufriedenere Bürger und Heimbewohner haben.“

Ein offenes Ohr

Wer Interesse an der Arbeit von Sandra Hefter hat, kann gern auf sie zukommen. Ihre Stelle ist als Halbtagsstelle ausgelegt, feste Sprechzeiten wird es voraussichtlich zwei Mal die Woche geben. „Wer neugierig ist, darf gern auf mich zukommen. Füssen-West muss zu mir sprechen, dann kann ich viel besser helfen. Ich will die Beziehungen zwischen den Generationen wieder herstellen, selbsttragende Verbesserungen erwirken und die Mitbestimmung fördern. Ich will keine Angebote erfinden, sondern auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen“, beschreibt Sandra Hefter ihre zukünftige Arbeit abschließend.

Text · Bild: Sven Köhler

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