Menschen

Dem Toten die letzte Ehre erweisen

Keine Arbeit wie jede andere

Füssen.   Viele Menschen haben Angst vor dem Tod und sprechen nicht gerne darüber. Während in den asiatischen und südlichen europäischen Ländern, der Tod zum Leben dazu gehört, gehen wir in Deutschland mit dem Thema sehr zurückhaltend um. Thomas Klaus hat täglich mit dem Leben und dem Tod zu tun. Er ist sozusagen der Letzte, der in Berührung mit den Toten kommt. Seinen Beruf wollen nur die Wenigsten machen. Thomas Klaus ist Bestatter und Friedhofsverwalter.

Mit 12 Jahren hat Thomas Klaus das erste Mal eine Leiche gesehen. „Ich hatte keine Angst und auch keine Berührungsängste. Ich wusste was da passiert, das habe ich alles bei meinem Vater gesehen“, erzählt der 41-Jährige. Thomas Klaus ist in einem Bestattungsunternehmen aufgewachsen, das sein Vater 1977 gegründet hat. Dennoch entschließt er sich, als erstes eine Lehre als KFZ-Mechaniker zu absolvieren, bis er mit 28 Jahren mit in den Betrieb einsteigt. „Viele meinen, man muss ja den Toten nur abholen und in den Sarg legen. So ganz ist das nicht, ein Bestatter hat vieles mehr zu tun. Es ist ein Beruf, den man erst erlernen muss“, sagt er ernst. Viele Mitarbeiter hat er kommen und gehen sehen, „sie kamen mit der Arbeit nicht zurecht. Manche haben sicherlich auch Komplexe deswegen entwickelt,  wenn sie darüber erzählen, was sie beruflich machen. Für Ehefrauen und Freundinnen ist es vielleicht nicht leicht damit umzugehen“, so Klaus.

Respekt ist alles

Als „Grufti“ oder „KK“, was Kistenklaus bedeutet, bezeichnet zu werden, sind für ihn keine Schimpfwörter. „Meistens sagen das Menschen, die keine Ahnung von meiner Tätigkeit haben“, schmunzelt er. Manche können auch nicht verstehen, dass ihm sein Beruf Spaß macht und er Menschen mit seiner Arbeit etwas zurück geben kann. „Ich kann den Hinterbliebenen Trost spenden und helfen, dem Menschen den sie lieben, die letzte Ehre zu erweisen“.

Eine vielseitige Tätigkeit

Oft sind die Hinterbliebenen ratlos, wissen in dem Augenblick nicht, was sie tun müssen, welche Papiere sie anfordern sollen, wo der erste Anlaufpunkt ist. „Wir sind dann da. Wir kümmern uns um alles, was für eine Beerdigung notwendig ist. Wenn der Verstorbene aus dem Ausland kam, dann setzen wir uns mit dem Konsulat in Verbindung und arrangieren alles für den Transport. Da sind einige Kriterien die berücksichtigt werden müssen“, zählt Thomas Klaus auf.
Einbalsamierung sowie Rekonstruierung von Gliedmaßen oder Gesicht gehört zu seiner Arbeit genau so dazu. Dass das kein Job für jeden ist, versteht man im Laufe des Gespräches. Es sind starke Nerven gefragt, oder etwa nicht? „Man kann es auch so nennen. Aber im Grunde genommen geht es um die persönliche Ansicht. Sterben gehört zum Leben dazu. Das, was zum Schluss bleibt, ist die Hülle in der wir eine Zeit lang verbringen durften. Alles was wir machen ist pietät- und respektvoll – und nur das zählt“.
Fünf Jahre muss man in dem Beruf gearbeitet haben, ehe man als geprüfter Bestatter seine Prüfung ablegen kann. Thomas Klaus absolvierte seinen Bestattermeister 2001: Floristik, Thanatopraxie, Buchhaltung, Führung von Trauergesprächen – das sind nur Teile seiner Fächer, die er absolvieren musste. „Man lernt sehr viel, nicht nur in beruflicher Sicht sondern auch für sich selbst“, erklärt der Bestatter. Er lebt jeden Tag bewusst – dankbar für alles, was er hat. „Das Leben ist ein Geschenk, manchmal vergessen wir das. Situationen bringen uns wieder dazu, bewusster zu leben“.

Text: Sabina Riegger
Bild: Martina Knöpfler 

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