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Dr. Gesine Ruppert-Mann, Oberärztin der Geriatrischen Reha


„Ich verstehe mich ganz klar als Sozialmedizinerin“

Füssen.    Im Frühjahr 2009 hat Dr. Gesine Ruppert-Mann ihre Stelle als Oberärztin in Füssen angetreten. Sie gehört seitdem zum Team der Geriatrischen Rehabilitation. Geriatrie – Altersheilkunde – ist ein fachärztliches Gebiet mit Zukunft: „Wir dürfen uns als Team noch um die Frage kümmern: Wie geht`s für den älteren Menschen nach der Reha jetzt weiter?“, erklärt sie. Die Freizeit der Sozialmedizinerin mit mehreren Auslandsstationen gehört Chören sowie dem (Quer-)Flötenspiel. Nicht zuletzt ist sie leidenschaftlich beim Wandern. „Ich schaute mir die Karte an und ich wusste: In Füssen gefällt es uns sicherlich gut.“ Vor ihrer erfolgreichen Bewerbung an der Klinik Füssen war die norddeutsche Global Playerin etwa sieben Jahre auf ihrem Spezialgebiet im Schwarzwald und an einem Johanniter-Krankenhaus im Bergischen Land tätig. Sie ist verheiratet, hat keine Kinder.

Freundlich bietet sie ein Glas Wasser und Schokolade an. Reden macht durstig. Wir gönnen uns Schluck für Schluck, die Schokolade aber bleibt „im Versteck“. Zu naschen wäre freilich keine Sünde für die als Gesine Ruppert geborene Lübeckerin. Sie ist schlank und fit. „Ich bin Jahrgang 1950, das jüngste von vier Geschwistern.“ Die Eltern – niedergelassene Internisten, „hatten eine typische Kurpraxis“. Mit Bahn und Bus fuhr sie zum Gymnasium und nutzte die halbe Stunden für die Hausaufgaben. So hatte sie Zeit „für die geliebte Musik, Gesang und Flötenspiel“.

Richtungswechsel

Das Wandern steht in ihrer Freizeit ganz oben. Doch an erster Stelle rangieren bei ihr Chöre sowie das Musizieren, manchmal im Quartett, „aber zum Entspannen gelegentlich auch eine kostbare Stunde allein für mich“. Als etwa achtjähriges Mädchen wurde sie von ihren Geschwistern in Bad Salzuflen in den Kirchenchor mitgenommen. Dem Gesang blieb sie als Medizinstudentin in Tübingen treu. „Meinen Mann Christoph und mich hat die Chormusik von Anfang an stark verbunden. Gerade fehlt mir die Zeit, die einfach notwendig ist, um auch ganz regelmäßig an den Chorproben am Wohnort teilnehmen zu können. Deshalb verzichte ich aber nicht auf das Erlebnis.“
Die leidenschaftliche Mezzosopranistin folgt diesem Rezept: „Ich lasse mir die Noten schicken und übe für mich allein, bis sich die Chormitglieder alle treffen.“
Mit Mittlerer Reife wollte sie die Schule verlassen und „unbedingt Kirchenmusik studieren.“ Die Eltern meinten: sie solle Abitur machen. „Das war ein prima Rat. Zum Lernen hat mich auch eine Mitschülerin motiviert. Wir sind heute noch Freundinnen.“ In den restlichen drei Jahren bis zum Abi veränderte sich ihr Berufsziel. „Ich habe mich in Humanmedizin eingeschrieben. Ich wollte mich darauf vorbereiten, nach dem Examen in der Entwicklungshilfe für ärmere Länder zu arbeiten. Meinen kleinen Teil dazu tun, Ungerechtigkeit nicht zu dulden, sondern tatkräftig sinnvolles Engagement dagegen zu setzen.“
Als Studentin lebte sie in Tübingen, kurz auch in Lübeck und danach in Zürich. Zu den Eltern hatte sie immer eine sehr gute Beziehung, „doch selbstverständlich war, dass ich mein eigenes Leben möchte. Da besucht man keine Hochschule in der Wohnortnähe der Familie“, erklärt sie.

Entwicklung

Zur Persönlichkeitsentwicklung haben die ersten Auslandsreisen noch während des Studiums beigetragen.
Den frühen Wunsch ins Ausland zu gehen hat sie sich nicht nur einmal und zudem auch gemeinsam mit ihrem Mann erfüllt. „Wir hatten unterschiedliche Pläne. Er ging nach Mexiko.“ Sie als junge Ärztin nach Afrika. „Als wir danach geheiratet hatten, war die nächste Auslandsstation Thailand. Christoph brachte als Agrar-Ingenieur sein Know-how in ein Non-Profit-Projekt zur Weizen-Züchtung ein. Mir wurde in Thailand keine offizielle Arbeitserlaubnis erteilt. Also habe ich unsere Zeit in Bangkok für die Musik genutzt und um mich weiterzubilden.“ Ehrenamtlich arbeitete sie in der Aids-Hilfe.
1985: Aus Asien bringt die Fachärztin für Allgemeinmedizin ein anerkanntes Diplom mit, das ihr eine doppelte Spezialisierung bescheinigt: Tropenmedizin und Hygiene. In Australien erwirbt sie den Master-Grad in Public Health. „Ich verstehe mich ganz klar als Sozialmedizinerin.“ 2007 erhält Dr. Ruppert-Mann die Genehmigung zum Führen der Zusatzbezeichnung Geriatrie – derzeit trägt sie die Verantwortung dafür, dass sich zwei ihrer Kollegen in Füssen auf diesem zukunftsträchtigen, aber noch blutjungen ärztlichen Gebiet weiterbilden können. Die sozialmedizinische Beratung und Betreuung älterer Menschen liegt ihr sehr am Herzen.
„Die Arbeit an der Klinik wäre einfacher, wenn sich Senioren nur trauen würden und uns sagen, was sie sich wünschen. Manche sind gern allein. Andere suchen Gesellschaft. Das Miteinander älterer und jüngerer Leute ist möglich. Ich halte viel von neuen Wohnformen“, unterstreicht sie. „Dass der Alltag bewältigt werden kann, steht bei der vielseitigen Arbeit unseres Teams für den Reha-Patienten immer im Vordergrund.“ Das Füssener Geriatrie-Team setzt sich unter anderem damit auseinander, wie die ältere Person sich wieder selbst kämmen oder ankleiden kann.

 

Text: Werner Hacker · Bild: privat

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