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Herz des Allgäus


Pressekonferenz

Großprojekt „Allgäuer Dorf“ erreicht ersten Meilenstein

Füssen/Hopferau.    Bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz im Schloss zu Hopferau stellten Landrat Johann Fleschhut und Füssens Bürgermeister Paul Iacob erstmals die neu gegründete Projektentwicklungsgesellschaft vor. Mit am Tisch saßen dabei die frisch ins Boot geholten Investoren aus Tirol. Gemeinsam mit dem Zweckverband Allgäuer Land präsentierten sie der Öffentlichkeit die Fortschritte ihrer Arbeit. Über Zahlen wollte an diesem Abend noch niemand sprechen. Aber bemerkenswert war der Zusammenhalt der Politik, denn noch ein paar Stunden vor der Pressekonferenz konnten sich die zehn Gemeinden des Zweckverbandes bei einer Sitzung mit den Geldgebern auf eine gemeinsame Basis verständigen.

Bürgermeister Paul Iacob eröffnete die Veranstaltung mit der Nachricht, dass das geplante Großprojekt „Allgäuer Dorf“ durch die Sicherung der notwendigen Grundstücke endlich realisiert werden kann. Das Projekt, das ursprünglich in der Marktgemeinde Nesselwang vorgesehen war, aber durch den Absprung der ehemaligen Investoren dort nicht mehr umgesetzt werden konnte, hat nun seinen endgültigen Standort gefunden. So konnten die benötigten Grundstücke gesichert werden, auf denen das Dorf nach Abschluss der Planungsphase entstehen soll. Im Zuge seiner Rede stellte er die beiden Tiroler Investoren Erich Geisler und Erwin Trimmler vor. Investor Frank Fischer war bereits wieder auf dem Rückflug nach Berlin. Im Anschluss setzte Landrat Johann Fleschhut die Ausführungen des Füssener Bürgermeisters fort. Sechs Jahre seien seit der Grund-
idee vergangen. Sechs Jahre, in denen die Idee bis heute unverändert bestehen blieb. Mit 18 Millionen Übernachtungen im Allgäu und der hervorragenden bestehenden Vernetzung seien bereits ideale Voraussetzungen gegeben, um dem Projekt zum Erfolg verhelfen zu können. Am Rande von Füssen soll keine Insel entstehen, sondern ein Anziehungspunkt, der durch die nahe Lage zu den Königsschlössern und zur Stadt Füssen von Anfang an profitieren wird. „Es muss etwas Authentisches entstehen“, meint Fleschhut. „Ein Alleinstellungsmerkmal, das individuell auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten ist. Wir wollen hier etwas Positives erschaffen. Das Dorf braucht die Region.“

Die neuen Investoren

Erich Geisler, einer der anwesenden Investoren, bezeichnete das „Allgäuer Dorf“ als Vorzeigeprojekt. Die Investorengruppe „Geisler & Trimmel“ konnte in der Vergangenheit bereits mehrfach ihr Können unter Beweis stellen. Die Gruppe ist prädestiniert für die Planung und Abwicklung touristischer Projekte. Im österreichischen Hintertux entwickelten sie beispielsweise das Konzept für eine Anlage, die einige Parallelen zum „Allgäuer Dorf“ aufweist. Das dort entstandene „Alpendorf Dazumal“ ist ein uriges 4-Sterne Almhütten- und Chaletdorf. Hier wurde ein Hotel errichtet, das in seiner Form einem kleinen Bergdorf entspricht. Mit Liebe zum Detail zeichnen sich die dort errichteten Almhütten aus. Steinkamine, Dächer mit Schwersteinen und Kachelöfen dienen zur Nachahmung typischer alpenländischer Architektur. Eine Raststätte an der A12 wurde so ausgefeilt konzipiert, dass die Wirtschaft aus dem kompletten Umland erfolgreich miteinbezogen werden konnte. Dieses Raststätten-Modell ist bisher einmalig in Europa. Laut den Vorstellungen von Erich Geisler soll mit dem „Allgäuer Dorf“ ein Leitbetrieb entstehen, bei dem die bestehende Wirtschaft nachhaltig miteinbezogen wird. Um das Projekt erfolgreich umzusetzen, gründeten sie zusammen mit Investor Frank Fischer eine Entwicklungsgesellschaft, die aus drei Untergesellschaften besteht. Das erste Geld sei seit Gründung der Gesellschaft bereits geflossen, um die Grundstücke, die gegenüber dem Füssener Festspielhaus liegen, bis 2012 zu sichern.

Geplanter StandortSchaufenster für die Region

Ebenfalls mit am Tisch saß Architekt Arno Steinbacher von der Gruppe Geisler & Trimmel, der für das Großprojekt die Planung und Gestaltung übernehmen wird. Laut seiner Aussage könne man in den nächsten Monaten mit einer genaueren bildnerischen Darstellung des Dorfes rechnen. Eine Art Masterplan als Leitfaden für die weiteren Schritte ist bereits entworfen. Professor Lothar Zettler von der LARS-Consult GmbH aus Memmingen machte schließlich genauere Angaben zu den bisherigen Planungen. So habe man auf einer Fläche von sieben Hektar eine Art Haufendorf geplant, das von der optimalen Lage profitieren würde. Die Nähe zum Forggensee, die direkte Anbindung an die B16 und die Autobahn garantieren den Touristen kurze Wege. Weitere Gründe für die Wahl dieses Standorts waren die hervorragende Infrastruktur, das bereits erschlossene Gelände und letztendlich auch die wunderschöne Landschaft. Der gesamte Allgäuer Raum soll sich schließlich in diesem „Schaufenster für die Region wiederfinden können“. Im Laufe des Jahres 2011 wird die erste Marketing-Konzeption stehen, ab 2012 sei bereits mit Baubeginn zu rechnen. Bis dahin müssen genügend Nutzer gefunden werden, die auch in den Aufbau des Dorfes miteinbezogen werden sollen. „Es wird eine Einheit geschaffen, in der sich der Besucher wiederfindet“, erläutert der Professor den bisherigen Entwurf. „Die Atmosphäre muss als Ganzes entstehen. Dazu planen wir gemeinsam mit den Bürgern und der Wirtschaft aus der Region ein städtebauliches Konzept. Das Allgäuer Dorf wird mit der Zukunft wachsen, denn ein späterer Ausbau bleibt an diesem Standort möglich.“

Regionales Erlebnisdorf

In der abschließenden Fragerunde betonten alle anwesenden Veranwortlichen ausdrücklich, dass mit dem „Allgäuer Dorf“ kein Allgäuer Vergnügungspark entstehen soll. Man wolle kein Museum, sondern ein Erlebnisdorf schaffen, das der Region zu einer Aufwertung verhilft. Regionale Produkte stehen im Vordergrund, neue Berufe sollen sesshaft werden und bestehende Geschäfte dürfen nicht beeinträchtigt werden. Landrat Johann Fleschhut bestand auf die Wichtigkeit des öffentlichen Vertrauens in das Projekt. Man will durch Transparenz das notwendige Vertrauen schaffen und eine Aufbruchstimmung vermitteln, deswegen könne man in dieser frühen Phase noch keine konkreten Zahlen nennen. Man will die Sache „seriös, fundiert und Schritt für Schritt“ angehen, bemerkt Paul Iacob abschließend.

 

Allgemeine Informationen zum Projekt
• Größe der Baufläche beträgt etwa 7 Hektar
• es soll ein Hotel mit 120 Betten entstehen
• die Form des Dorfes entspricht einem Haufendorf
• Anlaufstelle für interessierte Bürger ist der „Zeckverband
Allgäuer Land“ mit Andreas Rist als Geschäftsführer
Lechhalde 3, 87629 Füssen, Tel.: 08362/903-114

 

Text: Sven Köhler

Bilder: Sabina Riegger

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