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Ein Jahr KönigsCard – eine Zwischenbilanz


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Im Gespräch mit Martin Kumbrink

Ostallgäu. Allgäu, Ammergauer Alpen und die Naturparkregion Reutte/Tirol gratis erleben, so stellte sich die KönigsCard vor, als sie vor einem Jahr auf dem Markt eingeführt wurde. Ein Urlaub „all inclusive“, wählbar aus dem Angebot 150 verschiedener Leistungsträger, sollte den Gast stärker an die Region binden. Füssen aktuell wollte von Martin Kumbrink, Geschäftsführer der KönigsCard Betriebs GmbH, wissen, ob sich die Erwartungen bezüglich der KönigsCard erfüllt haben.

Seit einem Jahr gibt es nun die KönigsCard. Ist es verfrüht, jetzt schon ein Resümee zu ziehen, wie die KönigsCard angenommen wurde? Jedes gute Produkt benötigt üblicherweise mindestens drei Jahre, bis es am Markt etabliert ist. Ich bin aber nach dem ersten Jahr, soweit kann ich das schon sagen, mehr als zufrieden. Inzwischen haben sich alle Gemeinden am Kartensystem im Vitalen Land beteiligt, womit der mögliche Gastgeberkreis für die KönigsCard nochmals gesteigert werden konnte. Die bereits beteiligten Gastgeber fühlen sich bestätigt, denn die Auslastung konnte durchwegs gesteigert werden und die Vorbuchungen für das Jahr 2011 haben deutlich zugenommen. Die Gäste sind vom Angebot der KönigsCard begeistert, was sich in vielen Schreiben und Gästebucheinträgen widerspiegelt. Viele buchten gleich nochmals, da sie das breite Angebot während ihres Aufenthalts nicht auf einmal nutzen konnten. Zudem wird das überregionale Angebot gelobt, da auch die Ammergauer Alpen und das benachbarte Tirol neben unserem Ostallgäu genutzt werden können. Glücklich bin ich auch, dass das System technisch, nach kleinen Startschwierigkeiten, inzwischen tadellos funktioniert.

Anfangs gab es Diskussionen bezüglich der Einführung der KönigsCard. Jetzt machen alle Orte mit. Gab es inhaltliche Änderungen oder hat die Card doch noch überzeugt? Wir haben vor allem das Winterangebot attraktiver machen können. Ab dieser Wintersaison kann der KönigsCard-Gast täglich einmal die 3-Stunden-Skikarte an allen Bergbahnen nutzen. Zudem arbeiten wir gemeinsam mit den Gemeinden an einer landkreisweiten Lösung im Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV), welche dann nur über die elektronische Gästekarte nutzbar sein wird. Hinzu kommt natürlich die Mund zu Mund Propaganda. Vermieter wie Gäste tauschen sich untereinander positiv aus und leisten somit wichtige Überzeugungsarbeit.

Welche Vorteile hat der Urlauber, wenn er die KönigsCard hat? Er hat erstmals einen kalkulierbaren Urlaub, denn er kann sein Budget auf Wohnen, Essen und Trinken beschränken. Außerdem hat er ein hervorragendes SchlechtwetterAngebot und fühlt sich willkommen in der Region, da er sozusagen eine GreenCard in Händen hält und nicht an jeder Ecke seinen Geldbeutel zücken muss. Auch hat er mit dem Erlebnisführer erstmals einen kompletten Überblick über das touristische Angebot der Region und kann oft im Vorfeld schon seinen Urlaub besser planen. Konnte eine Familie sich bisher nur einmal im Urlaub eine Bergbahnfahrt leisten, ist dies jetzt öfter möglich. Dies macht den Urlaub erlebnisreicher und der Gast fährt zufriedener wieder heim.

Sehen das die Vermieter auch so? Die KönigsCard macht unsere schon zufriedenen Gäste zu begeisterten Gästen und somit profitiert auch der Gastgeber. Er bindet damit die Gäste nachhaltig an sich. Mit dem Erlebnisführer fällt die Gästeberatung einfacher aus, man muss dem Gast nicht mehr unzählige Flyer mitgeben. Durch die bessere Auslastung rechnet sich die Beteiligung an der KönigsCard für den Gastgeber. Mit dem Leistungsangebot der KönigsCard hat der Vermieter eine gute Argumentationsgrundlage, seine Preise zu erhöhen.

Martin KumbrinkSie haben nun auch ein „Winterprogramm“ mit aufgenommen. Das heißt, die KönigsCard ist für alle Jahreszeiten geeignet. Welche Möglichkeiten stehen dem Gast hier zur Verfügung? Bisher hatten wir auch schon eine breite Angebotspalette im Winter. Wir haben diese nun um die wesentliche Leistung, das Skifahren, erweitert. Neben der schon erwähnten 3-Stunden-Skikarte kann der Gast diee Angeobte nutzen: Schneeschuhwandern, Schlittschuhlaufen, Schnupper-Biathlon, Eisklettern, Eisstockschießen, Langlaufen, Rodeln, Skikurse Alpin und Snowboard und vieles mehr.

Welche Nachteile ergeben sich für einen Gast, der keine KönigsCard hat? Können Sie uns ein Beispiel nennen? Ich möchte es mal so ausdrücken: Der Gast ohne KönigsCard kommt eben nicht in den Genuss der reichhaltigen Vorzüge. Hierzu möchte ich Ihnen ein Beispiel geben: Der KönigsCard-Gast, der als Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern drei Tage in unserem wunderschönen Allgäu Urlaub macht, kann bei zwei Übernachtungen folgende Rechnung machen: Nutzung der Alpspitzbahn (Berg- und Talfahrt) 42 Euro, ABC Bad Nesselwang drei Stunden-Familienkarte 25 Euro. Diese beiden Attraktionen kann die Familie gratis während ihres Aufenthalts ganz entspannt nutzen. Ich denke, dies trägt ganz entscheidend zur Erholung bei und die Freiheit, die Leistung zu nutzen oder nicht, gibt der Familie erst recht dieses Allgäu-Wohlfühlgefühl.

In der KönigsCard sind auch die umliegenden Regionen eingebunden, außer das Tannheimer Tal. Warum? Das Tannheimer Tal hat den Linienbus bereits in der bisherigen Gästekarte integriert. Die Gastgeber melden bereits überwiegend online und die Bergbahnen haben ein eigenes Angebot für die Gastgeber des Tannheimer Tals erarbeitet. Ich denke, diese Faktoren haben die Entscheider dazu bewegt, sich unserem Gästekartensystem nicht anzuschließen.

Die Lechtaler haben in ihrer Lechkarte den Regionalbus eingebunden. Die Schweizer sind mit dem ÖPNV an erster Stelle. Wie sieht das mit der KönigsCard aus? Gibt es Gespräche, um den ÖPNV als Partner zu gewinnen? Bisher können bereits die Gäste aus Pfronten mit der KönigsCard den Bus gratis nutzen. Ebenfalls können sich alle KönigsCard-Inhaber auf den Linien des RVO zwischen Füssen und Garmisch-Partenkirchen kostenlos bewegen. Wir haben es im Projekt der Gästekarte geschafft, eine technische Schnittstelle zu den Bussen unserer Region umzusetzen. Somit ist die Grundlage geschaffen worden, den ÖPNV touristisch nutzen zu können und diese Leistungen auch zu erfassen und abzurechnen. Momentan werden Gespräche auf Landkreisebene mit Bus und Bahn geführt, um ein Angebot für den Gast flächendeckend zu schaffen. Ziel ist es hierbei, dies ab 2012 zu realisieren.

 

Interview · Bild: Sabina Riegger

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