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Ein ganz „normales“ Leben

Mona Pihusch hat Trisomie 21

Roßhaupten. Sie mag Lollipops, Glitzerkleider und Pferde. Wenn sie bei ihren Freundinnen ist, laufen auch mal die Songs von Justin Bieber, dem kanadischen Teenie-Schwarm. Mathematik ist nicht ihre Stärke, dafür um so mehr Deutsch. So ziemlich jeden Vogel kennt sie mit Namen und auf ihren Vater ist Mona stolz. „Mein Papa ist der Bürgermeister“, lächelt sie und freut sich darüber. Die Zehnjährige ist ein ganz besonderes Kind. Ein einfühlsames mit einem ganz eigenen Willen. „Sie weiß, was sie will“, so Simone Pihusch, die Mutter. Eigentlich ist Mona wie alle anderen Kinder in ihrem Alter – eigentlich. Mona Pihusch hat Trisomie 21, besser bekannt als Down-Syndrom.

Mona Pihusch geht in die vierte Klasse. Später möchte sie Köchin werden. „Ich finde Kochen cool“, sagt sie selbstbewusst. Wie sie auf den Berufswunsch kommt? „Ich war bei einem Kochkurs und da haben wir eine Pizza gemacht und Spaghetti mit Soße. Das war lecker und hat Spaß gemacht.“

Nicht anders als andere

Dass dieser Berufswunsch einmal Realität werden könnte, bezweifelt Simone Pihusch, da ihre Tochter Schwierigkeiten mit der Motorik hat. Was sie später tatsächlich beruflich machen wird, ist sehr ungewiss. „Mona hat sich in den letzten Monaten sehr gut entwickelt. In der Schule gefällt es ihr bestens.“ Die Entwicklung bei Kindern mit Trisomie 21 kann sehr unterschiedlich verlaufen. Es gibt Höhen und Tiefen, so wie bei anderen Kindern auch. Mona versteht noch nicht, warum sie anders sein soll als ihre Freundinnen. Sie liebt Turnen, ihr Pferd und sie tanzt Ballett. „Bald tanzen wir den Nussknacker“, erzählt sie fröhlich. Mona Pihusch hat ein starkes soziales Umfeld. Ihr Bruder Hannes ist ihr Idol. Er ist ein Jahr jünger und dennoch sieht sie ihn als den „großen“ Bruder an. Die Familie hat sich daran gewöhnt, dass Mona bestimmte Eigenwilligkeiten hat. „Da muss der Waschlappen so daliegen, wie sie es will. Die Bücher und Hefte haben ihren eigenen Platz“, erklärt Simone Pihusch und fügt hinzu: „Sie ist so stur wie ich.“ „Wir haben einen Dickschädel“, lacht Mona und fragt ihre Mutter: „Stimmt doch, oder?“

„Ich will auf die Hauptschule“

Die Familie Pihusch traf die Tatsache, dass ihre Tochter mit einem Down-Syndrom zur Welt gekommen war, völlig unvorbereitet. Nach der ersten Phase von Schock, Trauer und Hilflosigkeit, sagt Simone Pihusch heute offen, sei sie in ein großes Loch gefallen. Einen Gefühlszustand, den sie bis heute noch nicht ganz überwunden hat. „Manchmal, wenn ich die Mädchen in Monas Alter sehe, sage ich mir, so könnte Mona auch sein. Andererseits bin ich glücklich, dass sie sich so toll entwickelt hat.“

Mona besucht die vierte Klasse der Grundschule in Roßhaupten. „Sie ist dort wunderbar integriert und wird gefördert“, erzählt Simone Pihusch. Für Mona ist es eine klare Sache, dass sie danach auf die Mittelschule kommt. „Ich will auf die Hauptschule“, sagt Mona selbstbewusst und meint die nunmehr in Mittelschule umbenannte Roßhauptener Schule. Wann das genau sein wird, weiß die Viertklässlerin nicht. Ihr Zeitgefühl ist so ganz anders. Ob etwas gestern oder letzte Woche oder nächste Woche sein wird, kann die Zehnjährige nicht genau ausmachen. „Es ist das räumliche Denken, das sie nicht versteht“, erklärt Simone Pihusch. „Natürlich wäre es schön, wenn sie auf der weiterführenden Schule Lehrer hat, die sich engagieren und Mona fördern“, wünscht sich die Mutter. Zwingen kann sie niemanden und auch bitten und betteln will die zweifache Mutter nicht. Wenn es mit der Mittelschule nicht klappt, wäre die neugegründete Montessori Schule in Halblech eine tolle Gelegenheit. Ansonsten bleibt die Ludwig-Reinhard Schule, für die Mona allerdings bis nach Kaufbeuren fahren müsste.

Ihre Welt ist in Ordnung

Über das Später macht sich Simone Pihusch oft Gedanken. Wie wird es, wenn Mona in die Pubertät kommt und zu verstehen beginnt, dass sie anders und besonders ist? Noch ist die Zeit für Veränderungen nicht da. Vielleicht sind es auch unnötige Sorgen und Mona macht ihren Weg wie Pablo Pineda, der junge Spanier, und die Japanerin Aya Iwamoto, die trotz Down-Syndrom studiert haben. Zugegeben, es ist nicht der Regelfall, aber Mona hat die besten Chancen, ein fast „normales“ Leben zu leben. Bislang hat Simone Pihusch ihre Tochter nicht anders behandelt als ihren Sohn Hannes. „Sie muss lernen, selbständig zu sein und auch Verantwortung zu übernehmen“. Für die Fütterung des Familienhundes „Muri“ ist Mona zuständig. „Das kann sie gut, aber sie drückt sich vor Arbeit genauso wie andere Kinder auch“, erzählt Simone Pihusch.

Mona Pihusch versteht nicht ganz, warum sich ihre Mutter so viele Gedanken macht. Es gibt ja so viel Wichtigeres, so wie „Nicht-zu-spät-zum-Turnen-kommen“ oder welches Kleidungsstück sie lieber am nächsten Tag in der Schule anziehen soll. Demnächst will sie andere Poster an ihre Wand hängen. Justin Bieber nicht, aber vielleicht wieder eins von einem Pferd. Für Mona ist ihre Welt, so wie sie ist, ganz in Ordnung. Sie besteht aus Spielen, Unbeschwertheit und Neugier – so wie bei anderen Zehnjährigen auch.

 

Text · Bild: Sabina Riegger

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