Menschen

Lehrer lernen Migrantensprachen

Die Schulen auf neuem Kurs

München/Füssen. „Didaktik als Zweitsprache“, so nennt sich das Studienfach von Carina Brenner, die an der Ludwig-Maximilians-Universität in München Lehramt für Grundschule studiert. Der Studiengang „Didaktik des Deutschen als Zweitsprache“ (DDaZ) befasst sich mit der „Multikulturalität“ in der Gesellschaft und mit Chancen und Herausforderungen, die sich daraus für die Schule und den Unterricht ergeben. Das heißt nichts anderes, als dass man sich rechtzeitig mit Fragen auseinandersetzt, die die Vielfalt von Sprachen und Kulturen in einer Schulklasse mit sich bringen. Somit kann erreicht werden, dass interkulturelle Themen im Deutschunterricht besser verstanden werden. Zusätzlich sorgt das Erlernen eine „Partnersprache“ dafür, dass die angehenden Lehrer und Lehrerinnen sich mit einer „Migrantensprache“ auseinandersetzen.

Für die Integration ist das ein großer Schritt nach vorne. Deutschlands Grundschulen stellen sich somit auf die gesellschaftliche Realität der Kinder ein. Vor allem gelingt es den Schulen, Kinder aus sozial schwachen Familien sowie Migrantenkinder so besser zu fördern, damit sie ähnliche Bildungserfolge haben wie die anderen Schüler. Die 21-jährige Füssenerin Carina Brenner hat als Partnersprache Türkisch gewählt. Warum gerade Türkisch, erklärt die junge Frau so: „Wir haben in Deutschland viele türkische Kinder und Kinder mit Migrationshintergrund. Deswegen empfinde ich es als das Sinnvollste, auch etwas Türkisch sprechen zu können.“ Ihr Lehrer an der Uni ist Türke und legt großen Wert darauf, dass seine Studenten nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur ein wenig kennen lernen. „Das, was ich bis jetzt gelernt habe, ist gut. Es macht Spaß und ist sehr interessant“, so die Studentin.

Die Studenten können unter Arabisch, Neugriechisch, Italienisch, Kroatisch, Persisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Serbisch, Spanisch und Türkisch wählen. Im Seminar von Carina Brenner sind 30 angehende Lehrer und Lehrerinnen, die dieses Unterrichtsfach gewählt haben, wobei nur vier Studenten Grundschullehramt studieren. Die meistgewählten Sprachen sind Russisch und Türkisch. „Deutschland ist ein Land, in dem sehr viele Kulturen leben. Wenn Lehrer das ausblenden, ist das fatal. In einem Land wie Deutschland ist es wichtig, dass die Kinder die Interkulturalität vermittelt bekommen. Ich bin der Meinung, dass wir die Kinder und deren Denken verstehen müssen. Das ist aber nur dann möglich, wenn wir ihre Sprache kennen. Ich muss nicht fließend Türkisch sprechen, aber ich finde es wichtig, dass ich eine Ahnung von der Sprache habe und sie auch nutzen kann“, erklärt Carina Brenner.

Für Kinder, die unter schwierigen Bedingungen aufwachsen, ist das eine große Chance, nicht zu den 30 Prozent zu gehören, die eine Schule ganz ohne Abschluss verlassen. Also Chancengleichheit für alle? „Zumindest eine bessere perönliche Chance. Ich denke, dass auch die Kommunikation mit den Eltern einfacher wäre und sie die Kinder vielleicht auch besser fördern würden. Für die Kinder ist es auf jeden Fall von Vorteil. Weniger Wissen, sorgt für Grenzen. Auch wenn kulturelle Unterschiede da sind, können Kinder davon profitieren“, meint Carina Brenner. Für die junge Studentin ist es ein Beruf mit Zukunft, auf den sie sich freut. Wo sie später unterrichten wird, das weiß sie jetzt noch nicht. Sicher ist, dass sie es sich vorstellen könnte, ihre türkischen Sprachkenntnisse noch zu intensivieren.

Text · Bild: rie

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