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Kochen ist Leidenschaft und Kunst


Klaus GeigerIm Gespräch mit Klaus Geiger

Hopfen am See. Ein Stück Brot, etwas Käse und ein guter Wein, das ist für Klaus Geiger das Höchste. Ein Zeichen für Feierabend, der Zeit für sich selbst nach einem langen Arbeitstag. Koch zu werden, war für den 42-Jährigen ein logischer Entschluss. „Ich bin damit aufgewachsen. Da war es ganz klar, dass ich diesen Beruf erlernen würde.“ Seit über 60 Jahren gibt es das Hotel Geiger in Hopfen am See. Ein Familienbetrieb, den der Großvater von Klaus Geiger gründete. Aus der kleinen Weinstube ist ein Unternehmen mit 25 Mitarbeitern entstanden.

Wenn man das Essen im „Geiger“ lobt und die Gäste einen Gruß in die Küche schicken, dann freut sich Klaus Geiger. Dass er ein Gourmetkoch ist, steht außer Frage. Doch das hört der begeisterte FC Bayern-Fan nicht gerne. „Wenn die Leute das Wort Gourmet hören, scheuen sie sich, zu uns zu kommen, weil sie dann gleich ein anderes Preis-Leistungsverhältnis vermuten. Ich möchte, dass jeder zu uns kommt und einfach gut essen kann.“ Beim Kochen geht Klaus Geiger keine Kompromisse ein. Kochen ist für ihn Leidenschaft, eine Kunst, die es gilt, immer perfekter zu beherrschen. So wie ein Maler ein Bild malt, „malt“ der Hopfener seine Gerichte. Hier passen Farbe, Gestaltung und Geschmack harmonisch zueinander.

„Als 15-Jähriger weiß man noch nicht, was Kochen bedeutet, bis man dann so richtig reinschmeckt. Entweder man ist begeistert oder man ist enttäuscht und zieht die Lehre einfach nur durch.“ Klaus Geiger war erst begeistert und dann „infiziert“, wie er sagt. Die Edelgastronomie hat es ihm angetan. Eine harte Schule mit viel Arbeit, wenig Schlaf – eigentlich purer Stress. Für den Küchenmeister und Diplom-Gastronomen waren es hervorragende Lehrjahre, die ihm Ideen und viel Erfahrung brachten. So liest sich sein Lebenslauf wie eine erlesene Speisekarte: Lehre beim „Löwen“ in Oberstaufen, zwei Jahre „Tantris“ beim Schubeck, die „Ente“ in Wiesbaden, der „Königshof“ in München …

Abgehoben ist der 42-Jährige dadurch noch lange nicht. Sein Mittelpunkt ist immer noch Hopfen am See. „Ich war 15 Jahre lang weg. Das hier ist meine Heimat, hier habe ich meine Freunde und meine Familie. Mag sein, dass es sich verrückt oder kitschig anhört, aber ich atme unsere Landschaft ein.“ So kompromisslos wie er sich beim Kochen zeigt, so kompromissbereit ist der leidenschaftliche Koch im Alltag. Füssen aktuell wollte mehr über Klaus Geiger wissen und traf sich mit ihm zu einem persönlichen Gespräch.

Sie sagen, dass Kochen eine Kunst ist. Weshalb? Kochen ist, wenn man das, was vorhanden ist, kreativ verarbeitet. Das Kreative kann man nicht lernen, entweder man kann es oder nicht. Ein Stück Gänseleber oder Steak braten, das kann jeder. Eintöpfe sind viel schwerer, anspruchsvoller.

Sie bezeichnen Ihren Vater als ihren besten Freund. Heutzutage ist das ungewöhnlich. Es ist tatsächlich so. Obwohl wir den ganzen Tag zusammen arbeiten, sind wir ein gutes Team und kompromissfähig. Für eine Zusammenarbeit ist das sehr wichtig.

Was steht bei Ihnen an erster Stelle? Wahrscheinlich sagt jeder: Gesundheit. Für mich gehören Gesundheit, Familie und Freunde gleichwertig dazu. Ich möchte keine dieser Komponenten missen.

Für die Hopfener ist der „Geiger“ der so genannte „Dorfwirt“. Wie soll man das verstehen? Im Grunde genommen ist Hopfen ein Dorf. Hier zählt die Gemeinschaft. Und wie in jedem Dorf gibt es auch in Hopfen eine „Dorfkneippe“ und das sind wir. Zu uns kommt man zum Bier, nach der Musikprobe, nach Vereinssitzungen oder nach dem Turnen. Das freut mich sehr.

Ein Hotel als „Dorfkneippe“? Im übertragene Sinne, ja. Wir sind zwar keine Kneippe, aber das ist sekundär. Die Einheimischen fühlen sich bei uns wohl und das zählt. Ich brauche den Kontakt zu den Menschen, egal ob 16 oder 80. Meine Mutter ist auch so. Die Rheinische Frohnatur habe ich von ihr.

Sie sind als 12-Jähriger ins Internat gekommen. Freiwillig? Ja, meine Eltern haben durch die Arbeit im Betrieb nicht viel Zeit für mich gehabt. Sie schlugen mir ein Internat vor. Ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich mich dazu entschlossen habe, weil ich Angst hatte aus den Vereinen austreten zu müssen. Aber das klappte gut, ich war jedes Wochenende zu Hause, weil ich in Mindelheim im Internat war. Anfangs bin ich abends strumpfsockig in die Telefonzelle, um zu Hause anzurufen. Ich hatte furchtbares Heimweh. Es dauerte auch seine Zeit, bis ich mich an das neue Leben gewöhnt habe. Man lernt selbständig zu sein, wann man was machen muss und vor allem Disziplin. Bei 250 Knaben mussten die Patres manchmal auch streng sein.

Wie empfanden Sie die Zeit? Sie hat mich geprägt. Anfangs war es schwierig, dann aber schön. Wir hatten viel Sport. Ich finde es schade, wenn Eltern das Internat als Druckmittel benutzen. Das macht dem Kind Angst und ist furchtbar.

Hat Sie das eher zu einem Pessimisten oder einem Optimisten gemacht? Ich bin ein absolut positiv denkender Mensch. Natürlich werde ich auch manchmal enttäuscht, aber dann denke ich: Beim nächsten Mal klappt es bestimmt besser.

Lebt man als Optimist leichter? Ich finde schon. Ein Optimist ist offener gegenüber anderen Menschen und ist einfach lebensfroher, weil er nicht immer alles schwarz sieht.

Vielen Dank für das angenehme Gespräch und alles Gute. Ich danke Ihnen für das Interesse.

Text/Interview: rie · Bild: rie

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